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KARAT
Besetzung:
1975: Ulrich Pexa (g, voc), Konrad Burkhardt (dr), Hans-Joachim Neumann (voc), Ulrich Swillms (keyb), Herbert Dreilich (g, voc), Henning Protzmann (b).
1976: Dreilich, Swillms, Protzmann, Bernd Römer (g), Michael Schwandt (dr).
2001: Dreilich, Römer, Schwandt, Christian Liebig (b), Martin Becker ( keyb )
Am 22.02.1975 gaben Karat
ihr erstes Konzert in Pirna. Die Musiker sind schon zum Teil bekannt, denn Ulrich
"Ed" Swillms, Herbert Dreilich und Henning Protzmann, die Gründer der Band, haben sich schon bei Panta
Rhei einen guten Namen erspielt. Ed und Herbert kennen sich bereits seit
1969, als Herbert von den Puhdys (kurze
Zeit für Dieter Hertrampf) zu den Alexanders
kam. Zusammen mit Henning waren sie
dann die "Seele" von Panta Rhei. Panta Rhei erfüllte noch bis Mitte
1975 die vertraglichen Verpflichtungen und löste sich dann auf. "Wir
wollten eine andere Musik machen, sahen im Panta Rhei-Konzept Grenzen", so
Dreilich zur Auflösung. Karat soll
eine breitenwirksamere Musik machen, war doch die Musik von Panta Rhei sehr
jazz-orientiert. In Joachim "Neumi"
Neumann glaubten sie auch einen Sänger gefunden zu haben, der mehr als nur
Gesang von der Bühne herunterbringt: Spaß und Show. Das erste Repertoire
bestand aus einem Block Eigenkompositionen und sonst aus dem Nachspielen
internationaler Titel. Im Rundfunk wurden die ersten Titel produziert. "Du
und Ich", "Schwester", "Leute welch ein Tag" und
"Ich lauf durch die Stadt". Walter Cikan ermöglichte dies, war er doch schon Mentor von Panta
Rhei. Mit der Auflösung von Panta Rhei hatten sich Ed, Herbert und Henning
nicht nur Freunde gemacht. Das staatliche Komitee für Unterhaltungskunst
verweigerte der Band vorerst die Einstufung. Karat
wurde einfach ignoriert.
1976 verlassen die Gründungsmitglieder
Ulrich Pexa (g) und Konrad
Burkhard die Band. Dafür kamen Bernd
Römer (g) und Michael Schwandt (dr),
beide von der Horst Krüger Band.
1976 war Karat schon für zahlreiche
Fans zu einem Markenzeichen geworden. Inzwischen gibt es dreizehn Rundfunktitel.
"Leute welch ein Tag", "Suche ein Zimmer"
"Abendstimmung" und das "Monster" belegten vordere Plätze
in den Wertungssendungen. Da kam für Neumi der Einberufungsbefehl ins Haus. Ein
Jahr später stieg er ganz aus und gründete Neumis
Rock Circus. Den Vocalpart übernimmt ab jetzt Herbert Dreilich. Anfang 1978
erschien die erste LP bei Amiga mit einer Auswahl der bis dahin beim Rundfunk
produzierten Titel. Verkauft wurden immerhin 300.000 Stück. 1978 nahm Karat
am internationalen Schlagerfestival in Dresden teil, wo sie mit den Titeln
"König der Welt" und "Über sieben Brücken" den Grand Prix
bekamen. Diesmal reagierte Amiga schneller. Noch im gleichen Jahr kam mit "Über
sieben Brücken" die zweite LP in den Handel. Diesmal schien die Musik von
Ed Swillms und Herbert wie aus "einem Guss". "Über sieben Brücken"
war eigentlich fürs Fernsehen als Filmmusik entstanden. Weitere Hits der Platte
waren "Gewitterregen" und "Albatross". Tourneen an die
"Trasse" und in die Balkanstaaten schlossen sich an. Im September 1979
durfte Karat das erste mal in den
Westen, ins Westberliner Kantkino. Unter den Zuhörern war Peter
Schimmelpfennig, Chef der Plattenfirma "Pool". Durch seinen Einfluss
kam kurze Zeit später die LP "Albatross" (Übernahme der "Über
sieben Brücken"-LP) auf dem bundesdeutschen Markt. Im West-TV durfte Karat nach Anordnung
staatlicher DDR-Stellen jedoch nicht. Peter
Maffay nutzte die Lücke, indem er den Hit "Über sieben Brücken",
den er im Radio gehört hatte, coverte und damit einen Riesenerfolg hatte. Die
LP geht in der DDR 490.000 mal über die Ladentische und wird in der BRD
250.000mal verkauft. 1980 erschien die dritte Karat-LP "Schwanenkönig",
die unter gleichem Namen von Teldec übernommen wurde. Kritiker stuften
”Schwanenkönig" zum Teil als Kitsch ein. Für Ed Swillms war es jedoch
ein weiterer Schritt in seinem kompositorischen Schaffen. Die Fans reagierten
auf ihre Weise: "Schwanenkönig", "Gewitterregen" und
"Magisches Licht" wurden schnell zu Hits.
470.000 / 200.000 verkaufte
Alben in Deutschland sprechen eine beredte Sprache. Tourneen in die CSSR, BRD,
Kuba und Bulgarien schlossen sich an. Bald entdeckten die DDR-Funktionäre eine
lukrative Devisenquelle in der Band. Das die Gruppe nach westlichen
Gepflogenheiten viel zu billig verkauft wird, stellt sich erst viele Jahre später
heraus. 2.500 DM zahlen die Künstleragenturen der Band pro Auftritt. Für Ed Swillms
indes wird der Tourneestress immer größer. "Auf Bestellung kann ich nicht
komponieren. Ich brauche zu Hause viel Zeit", sagt er einmal. Positiv
entwickelte sich dabei aber die Zusammenarbeit mit dem Texter Norbert Kaiser. Ed zieht sich zurück, komponiert und spielt nur
noch selten bei Konzerten. Eine Alternative glaubte man damals in Thomas
Natschinski zu finden. Ed und Thomas wechselten sich bei den Konzerten ab.
Im März 1982 erschien die vierte LP diesmal gesamtdeutsch- "Der blaue
Planet". Die Vorab-Single hat sich im Westen bis dahin schon 250.000mal
verkauft. Eine BRD-Tour in über 29 Städte startet am 27. April 1982. Höhepunkt
war ein Konzert in der Berliner Waldbühne vor 17.000 Zuhörern. In der DDR
bleiben solche Open-Air-Erlebnisse vorerst verwehrt. In der DDR wurde die LP
750.000mal verkauft und im Westen gab es für 250.000 verkaufte LP die erste
"Goldene". 1983 erschien mit "Die sieben Wunder der Welt"
die fünfte Karat-LP und ihr ist die Krise, in die Karat
allmählich schlitterte, anzumerken. Amiga mußte zwar 100.000 Stück
nachpressen, aber Teldec verkaufte nur 90.000 Stück. Im Hintergrund gärte es,
Swillms komponiert schon für die nächste LP und Natschinski will eigene
Kompositionen beisteuern, zieht sich schließlich völlig zurück. Für ihn
kommt Thomas Kurzhals (Ex-Stern Meißen) in die Gruppe. Zum 10. Geburtstag
der Band herrscht Krisenstimmung. Da die neue Platte noch nicht fertig ist,
zeichnet Amiga ein Konzert im Steintor-Variete Halle auf und bringt es als Jubiläumsplatte
"10 Jahre auf dem Weg zu Euch" heraus. Seit geraumer Zeit gab es schon
Differenzen zwischen der Band und dem Mitbegründer und Manager Hennig
Protzmann. Man einigte sich auf eine Trennung. Ab Januar 1986 managt die Thüringerin
Adelheid Walther die Band. Für den Musiker Protzmann kam Christian
Liebig. 1986 erschien das sechste Album "Fünfte Jahreszeit". Kurz
nach Erscheinen der LP ziehen sich Ed Swillms und der Texter Norbert Kaiser völlig
aus der Zusammenarbeit mit der Band zurück. Karat
pausiert im Osten und kam 1987 nur noch den vertraglichen Verpflichtungen nach.
Aus den Händen von Peter Maffay bekam die Band 1987 die ”Goldene Europa” überreicht.
Inzwischen liegen Pläne für eine neue LP im Schubkasten. Burkhard Brozat, der
Texter von Maffay, stand im Frühjahr 1988 vor Dreilich`s Haustür und hatte
eine Idee für eine LP. Amiga stand vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und
Teldec, die es gewohnt waren immer ein fertiges Produkt aus dem Osten zu
bekommen, blockten ab. Brozat besorgte einen neuen Plattenvertrag bei dem
kleinen Hamburger Label ”Klaus Böhnke extra record and tapes”. Im November
1989 sind die Vorbereitungen abgeschlossen. Im Frühjahr 1990 komm die Platte
unter dem Namen ”Im nächsten Frieden” auf den Markt. Die Platte
floppte.
Karat hatte seid dem Weggang von Ed Swillms noch nicht zu ihrer Form zurückgefunden. Die Fans im Osten wollten jetzt den Westen testen. Erstmals kommt Existenzangst auf und die Musiker jobben nebenbei, da sie von der Musik nicht mehr leben können. 1991 entsteht die zehnte Lp der Gruppe. Doch auch diese Platte geht im überbordenden Plattenmarkt sang- und klanglos unter. Karat war unzufrieden mit der Plattenfirma, doch man war bis 1994 vertraglich gebunden. 1993/1994 hatten die Fans im Osten den Westmarkt zur Genüge getestet und wollten ”ihre” Künstler wieder sehen. Egal ob Schauspieler, Moderatoren, Schlagersänger und Rocker, die alten Publikumslieblinge wurden wieder gewünscht. Im Sommer 1994 schließen Karat einen neuen Plattenvertrag mit ”K&P Music”, dem Label der City-Musiker Toni Krahl und Fritz Puppel. Dahinter steht mit Ariola eine Plattenfirma mit dem entsprechenden Werbe- und Vertriebspotential. 1995 erschien mit ”Die geschenkte Stunde” die elfte LP. Karat ist wieder da.
(
Der Artikel entstand unter Verwendung des Buches "Karat - Über
sieben Brücken" von Wolfgang Schumann, Henschel Verlag Berlin, 1995,
ISBN 3-89487-273-3 )