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Einige Anmerkungen zur Geschichte


Auch in der DDR gab es in den „Swinging Sixties“ Bands, die allabendlich zum Tanz spielten. Viele Musiker, die später in den vielen hervorragenden Gruppen spielten, kommen eben aus diesen wilden „Beat–Bands“. Man gab sich englisch, hatte englische Bandnamen, wie  Team 4 ,  Butlers ,  Spotlights  oder das  Diana Show Quartett, bei dem ja auch mal ein gewisser Achim Menzel (heute Volksmusiker) eine heiße Gitarre schwenkte. Gespielt wurden internationale Titel, meist in Pseudo–Englisch, oder Instrumentals mit Anlagen und Instrumenten, bei denen der Lötkolben immer dabei sein mußte. Um die Aktivitäten der Jugendtanzmusik in die „richtigen Bahnen“ zu lenken, veranstalteten die Kulturverantwortlichen der Regierung sogenannte Gitarrenwettbewerbe“.  1964 / 1965 wurden dann einige dieser Amateurgruppen ins Amiga–Studio geholt, um zwei LP unter dem etwas irreführenden Namen „Big Beat“ zu produzieren. 

Auf den beiden Platten spielten die wohl damals besten und populärsten Beat – Gruppen, die Sputniks, das Franke-Echo-Quintett und die legendären Butlers aus Leipzig. Aufgenommen wurden ausnahmslos Instrumentals in Stil der Shadows. Doch der zunehmende Einfluß der Beatles und Stones lies die Szene sprunghaft wachsen und bald war das Ganze den DDR–Oberen so suspekt, daß man der „Gitarrenbewegung“, die als dekadent und westlich angehaucht galt, einen Riegel vorschob. Das geschah dann 1965 anläßslich des 11. Plenum des ZK der SED, auf dem ja Ulbricht sein bekanntes „Anti–Yeah“-Referat hielt. Die Folgen für die Musiker und die Jugendtanzmusik waren katastrophal. Viele Bands wurden schlicht verboten, einige Musiker flüchteten eine Zeit lang ins Schlagerfach, sprich: spielten zum „Altentanz“, um überhaupt spielen zu können. Die Namen änderten sich ebenfalls staatlich verordnet. Aus den Music-Stromers wurde das Modern Soul Quintett, aus den Butlers wurde die erste Klaus-Renft-Combo und aus Team 4 wurde schlicht Thomas Natschinski und seine Gruppe. Danach hatten eigentlich nur zwei Bands die Möglichkeit, Platten zu produzieren. Das waren die Dresdner Theo-Schumann-Combo, deren erste LP zwischen Tagesschlagern und Beat-Instrumentals wechselte, und eben besagte Gruppe um Thomas Natschinski, die 1967 mit der LP „Die Straße“ das DDR-Beat-Album überhaupt aufnahmen.

Man war sich einig, Jugendtanzmusik durfte nicht dem Selbstlauf überlassen werden, denn Vertrauen ist gut aber Kontrolle ist besser. Also wurde ab Mai 1970 "entwickelt" und "gefördert". Das Ergebnis war Rhythmus 71, eine Aktion, bei der Künstler ihre Titel live präsentieren konnten. Die besten Titel wurden auf einem Sampler veröffentlicht. Waren auf der gleichnamigen ersten LP noch schlagerhafte Titel zu hören, bot sich dem Hörer ab "Rhythmus 72" eine neue DDR - Rockmusik. Der Rundfunk und, was eigentlich später kaum noch der Fall war, die Plattenproduktion erkannten rechtzeitig das Potential, welches in Gruppen wie den Puhdys, der Klaus-Renft-Combo, Panta Rhei, der Elektra-Combo, Wir oder dem Joco-Dev-Sextett steckte. Nie wieder in der Geschichte der DDR - Rockmusik hatten Bands die Möglichkeit, ihre Songs so schnell auf eine LP zu bringen, wie Anfang 1972. Ein weiteres  Zeugnis dieser Entwicklung ist die "Hallo"-Serie von Amiga. Viele der damals erschienenen Songs haben heute schlicht Kult-Status. Gleichzeitig erschienen die ersten Porträt-LP mit der Elektra-Combo,  Panta Rhei, der Klaus-Lenz-Big-Band, den Puhdys, der Klaus-Renft-Combo und Uschi Brüning und das Günther-Fischer-Quintett.

In dieser Periode waren fast alle Rockmusik-Stile vertreten. Soul, Blues, Hard Rock. Letzterer noch etwas zaghaft, aber die Titel "Geh dem Wind nicht aus dem Wege" und "Türen öffnen sich zur Stadt" der Puhdys waren sehr am Stil von Deep Purple orientiert. Warum auch nicht, waren es doch die "westlichen" Bands, die in großem Maße musikalische Vorbilder waren und für viele Fans als Gruppen "Ersatz" für fehlende internationale Musikpräsenz herhalten mußten. Als man merkte, daß die einheimischen Produktionen nicht mehr ausreichten, den Markt zu decken, öffnete die Kulturführung den "Ostmarkt". Zu uns kamen Gruppen aus Polen wie Anawa, Breakout, Niemen, die Roten Gitarren, die Skalden und SBB , die Musikszene der CSSR lieferte Prudy, Collegium Musicum, Blue Effect, u.a. Den größten Anteil aber hatte Ungarn mit Omega, Locomotiv GT, Fonograf, Illes, Bergendy, Hungaria, Skorpio, Piramis und General. Es wurden schon auf der „Hallo“-Serie begonnen, einzelne Titel dieser Importe zu veröffentlichen. Später nahm der Rundfunk viele Erfolgstitel in deutscher Sprache auf und Bands wie die Roten Gitarren, Bergendy, Illes, Omega, Niemen, Skalden und SBB konnten Solo-LP bei Amiga produzieren.

Es entstand eine Wettbewerbssituation. Dieter Birr von den Puhdys gab mal in einem Interview zu, daß es sehr schwer war, gegen Bands wie Omega anzutreten. Sie hatten die bessere Technik, die bessere, weil "freiere" Bühnenshow. Wobei ich sagen muß, daß die Konzerte der Puhdys damals und heute Show-Acts sind ! Ab Mitte der Siebziger tauchten neue Namen auf. Aus dem Dresden-Sextett wurde Lift, die Horst-Krüger-Band, die mit der „Tagesreise“ 1974 einen Riesenhit hatte, aus Panta Rhei entstand 1975 Karat. Jazzige Klänge kamen von Klaus Lenz, der Gruppe Fusion, SOK und dem Günther Fischer Quintett. Es bildeten sich Gruppen, wie SET, Prinzip, Veronika Fischer & Band, die Stern-Combo-Meissen. Einen zweiten Kult-Hit landete die Gruppe City mit „Am Fenster“. In der ersten Hälfte der Siebziger erschienen soviel Sampler, wie nie wieder. Ob es die „Hallo“-Serie war oder die vielen Einzelsampler wie „Beat-Kiste“, „Beat-Party“, „20 x Beat“ oder 2 x 10 Beat Erfolge, jedes Jahr erschienen 1-2 LP. Dazu kamen die Singles der legendären „DT 64-Musikstudio-Serie“

In den 80er Jahre änderte sich die Situation völlig. Der Kultur, speziell der Rockmusik wurden die Gelder gesperrt. Kulturhäuser bekamen weniger Geld. Fazit: Die Klubhausleiter konnten keine Spitzenbands engagieren. In den Bands kam es zum finanziellen Notstand, da Geld nur mit Muggen verdient wurde. Am Plattenverkauf in der DDR waren sie nicht beteiligt. Die Jugend hörte lieber westliche Medien. Wurden von den "Hallo"-LP's in den Siebzigern noch 100.000 Stück und mehr pro LP verkauft, schaffte zum Beispiel die Gruppe Rockhaus mit der "LP des Jahres 1988" (I.L.D.) gerade mal 20.000 Stück. Nur die absoluten Top-Acts wie Silly oder City schafften es noch, über 100.000 Stück zu verkaufen. Die staatliche Zensur und der tägliche Frust veranlaßten, daß viele gute Musiker wie Veronika Fischer, Franz Bartzsch, Ute Freudenberg, Stefan Diestelmann, Hansi Biebl u.v.a. die DDR verließen. Ein nicht zu ersetzender Verlust ! Um Boden bei den Jugendlichen gut zu machen, kamen die FDJ-Funtionäre ab 1987 auf die Idee, große Open-Air-Veranstaltungen zu organisieren. DDR-Bands wurden zu Vorgruppen internationaler Gruppen und Interpreten "degradiert" und bekamen natürlich den Unmut der Zuhörer zu spüren. Aber es war weit nicht alles langweilig, was bei Amiga produziert wurde. So entstand eine Heavy-Metal-Szene mit MCB, Formel 1 und die Altrocker von Prinzip waren auch noch da. Musizierstile änderten sich mit der Zeit: Stern Meissen, electra und auch die Puhdys versuchten sich dem jeweiligen Trends anzupassen. Neue Bands kamen: Jessica, die Gruppen um Dirk Zöllner, Silly und viele andere mehr. Ende der Achtziger entstanden die sogenannten „Anderen Bands“, die mit alternativer Musik frischen Wind in die Szene brachten: Skeptiker, Keimzeit, Die Art, Amor & Die Kids u.a.

Ende 1989 holte sich der Musikfan logischerweise zuerst alles, was er lange entbehren oder teuer bezahlen mußte. Doch der Zeitpunkt kam, wo die Erinnerung wieder einsetzte....wo sind die alten Platten, wo die Filme, wo die Bücher ? Das heute unter der BMG firmierende Amiga-Label , Buschfunk und der Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf stehen stellvertretend für die, die sich heute dem DDR-Kulturgut in Sachen Ostrock widmen. Einige der Bands sind noch heute aktiv, geben Konzerte, veröffentlichen Platten und sind im Netz zu finden. Hier möchte ich nur einige nennen: Cäsar, City, Puhdys, Renft, electra, Lift, Bayon, Berluc, Stern Combo Meissen, Kerth, Karat .