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DIESTELMANN, STEFAN


Geboren am 29.01.1949 in München, zählt der seit 1961 in der DDR lebende Diestelmann zu den besten Bluesmusikern des Landes.  Schon als Schuljunge interessierte er sich für den Blues der Afroamerikaner in den USA. Er spielt g, banjo, harm, perc und singt. Erfahrungen sammelte er in verschiedenen Blues-Bands. Bei Amiga spielte Diestelmann zwei LP ein. 1982 spielte er mit Alexis Korner anlässlich der Bratislavska Lyra. 1985 verließ er die DDR.

Im Inlet der CD "Folk Blues Best" steht 1996 geschrieben: "Geboren 1949 in München, heute wohnhaft in München - keine Entfernung, aber eine Strecke gelebtes Leben: mit Eltern Übersiedlung in die DDR, tiefgreifendes Zerwürfnis mit der Familie, zwei Jahre Knast aus politischen Gründen, eine Bleibe in 1055 Berlin: Prenzlauer Berg, Hinterhof, Berufsverbote, 1984 "Republikflucht"...Wenn so einer auf den Blues kommt, dann nicht aus modischen gründen. Er spielte in verschiedenen Formationen. 1977 gründete er die Stefan Diestelmann Folk Blues Band. Er hielt sie offen für Gäste, möglichst die Besten ihres Fachs, möglichst weit her. Die drei AMIGA-LP belegen das (wobei die letzte Einspielung nur auf Kassette erhältlich war - ostbeat). Aber auch wie er Blues-Standarts auflädt mit seinen Kümmernissen und Freuden, seiner Sinnlichkeit und Sensibilität. "Über Dinge in der Nähe singen, Dinge, die veränderbar sind" - das will er, und das gelingt ihm vor allem mit seinen deutschsprachigen Balladen, in denen der Blues Grundierung bleibt. Den Komödianten, den Entertainer läßt er im "Reichsbahn-Blues" heraus, zum Beispiel, aber den muß man live erleben."

In der Melodie & Rhythmus 2/1979 schrieb H.W.: „…Gemeinsam mit Werner Sellhorn als Sprecher und „Blues-Diskotheker“ steht eine Solo-Tournee bevor, die sich über den ganzen April (1979 – ostbeat) erstrecken wird. Vorher hatte Stefan die Kompositionen und Aufnahmen für den DEFA-Spielfilm „Schatzsucher“ abzuschließen. Für die Besetzung, die gelegentlich bis zu zehn Musiker umfasst, galt es, teilweise regelrechte Arrangements zu schreiben; im übrigen erklingen auch hier einige aus der Stimmung heraus variierte Blues- und Folklore-Titel. Die Anziehungskraft Diestelmannscher Bluesklänge war für Radio DDR I der Anlass, ihn als Komponisten der Hörspielmusik zur „Ballade von Ronald“ zu verpflichten. ..Bei Konzertreisen sind ständig zwei Techniker mit von der Partie, die unter anderem dafür sorgen, dass Diestelmanns Naturgitarre die über Tonabnehmer laufenden Melodietöne  und Klänge in wohl abgestimmter Dosierung das Ohr der Zuhörer erreichen. Die 1978 veröffentlichte LP „Stefan Diestelmann Folk-Blues-Band“ zeigt ohnehin, dass die „Blueser“ andere Klangfarbenmischungen anstreben, als sie gewöhnlich angeboten werden. Die variable Besetzung der Folk-Blues-Band sorgt zusätzlich für eine bemerkenswerte Farbigkeit. Da der Anteil aller am schöpferischen Endpunkt gleichermaßen groß ist, erscheinen ihre Namen auf dem Plattencover: „Dietrich Petzold (v) hat u.a. in der Band von Uschi Brüning seine Erfahrungen gesammelt; Rüdiger Philipp (b) war bei verschiedenen Rock-Bands und spielte schon in der Gruppe VAIH HU mit Diestelmann zusammen; Bernd Kleinow (harm) ist Amateur und hauptberuflich Fernmeldeingenieur. Als Gäste von der Jazz-Rock-Band Fusion sind der Keyboardspieler Wolfgang Fiedler und der Saxophonist Volker Schlott mit von der Partie“ (Werner Sellhorn)“


Diskografie (Amiga, LP) 

Stefan Diestelmann, Stefan Diestelmann Folk Blues Band, Amiga 855 633, 1978: Seite1: Reichsbahn-Blues, 4:08, Diestelmann,  Ma Babe, 4:13, Dixon,  Blues für Kinder, 2:37, Diestelmann,  Key to the Highway, 3:30, Broonzy,  Caldonia, 4:40, Fleecie-Moore,  Seite2: Flamenco, 9:06, Diestelmann,  Blues für Memphis Slim, 4:40, Diestelmann, Rockin’ The House, 3:06, Slim,  Stormy Monday Blues, 4:35, T-Bone Walker 

eingespielt von: Stefan Diestelmann (voc, g, harm), Bernd Kleinow (harm), Dietrich Petzold (v), Rüdiger Philipp (b), Wolfgang Fiedler (p), und Fusion Max Pflugbeil, Claus-Dieter Knispel, Signor Rotbarth (tp),  Bernd Swoboda (tb), Volker Schlott (as), Wolfgang Fiedler (p ld), Gerhard Eitner (g), Jürgen Kratzenberg (b), Detlev Kessler (dr) im Palast der Republik 25.05.1978 

 

Stefan Lasch zur Platte in der Melodie & Rhythmus 2/1979: "Es gibt wohl keinen "Musik-Besessenen" der den Blues nicht liebt, jede greifbare Platte in seine Sammlung eingliedert. Offenbar diese Tatsache wissend, reagierte AMIGA einmal außergewöhnlich schnell. Die vom Hörensagen gepriesene Stefan Diestelmann Folk Blues Band spielte immerhin schon nach 18 Monaten ihrer Gründung eine LP ein. Verpackt in einer ansehnlichen Hülle mit Informationen, die detailliert Auskunft geben, wer was so spielt, mit einem Dank Diestelmanns an seine Mitstreiter und einigen erklärenden Bemerkungen zum Blues von Werner Sellhorn. Wenn ich diese Platte als ein erstes Ergebnis in Sachen Blues verstehe, so in der Hoffnung, kontinuierlich von Diestelmann etwas zu hören und die Umsetzung der traditionellen Bluestechniken auf seine Zeit und Umwelt zu erfahren. Mit dem "Reichsbahn-Blues" wird zumindest durch die Titel-Überschrift ein konkreter Bezug gesucht. Die Stimmung, das Gefühl, die Erregung, die ein fahrender Zug auslösen kann, wird mit dem Klang, dem Vibrieren zweier Mundharmonikas ausgedrückt. Ähnlich wie in Dr. Ross' berühmten "Oh, Free Train" gestalteten Stefan Diestelmann und Bernd Kleinow diese Fahrt im Zug. Es geling ihnen, ein Durch-die-Landschaft-brausen zu gestalten, man erlebt das Anfahren und Halten, Stampfen und Fauchen. Allerdings spielt die Aufnahmetechnik einen Streich, denn das Fauchen und Stampfen beim Anfahren ist eher ein treffliches Beispiel für den unerwünschten "Pop-Effekt" (Auftreten von Explosiv-Lauten auf ein Mikrofon). Nahtlos geht Diestelmann in Willie Dixon's "Ma Babe" über. Und spätestens hier hier muß der Begriff Feeling ins Spiel gebracht werden. Feeling ist etwas, was man hat oder nicht. Diestelmann hat es, das typische Gespür für Phrasierungen, Gestaltungsvarianten usw. Ebenso klappt das Korrespondieren zwischen Diestelmanns Stimme, seinem Rhythmus-Gitarren-Spiel und den Mundharmonika Einwürfen vorzüglich. Allerdings: Wenn der Chef mal Pause hat - und z.B. Rüdiger Phillip solistisch Baß spielt - bremst es.

Der "Blues für Kinder" demonstriert die klamgliche Finesse, die Diestelmann auf der Gitarre zu spielen versteht. Flageolett, Slide, Wechsel von Rhythmus- und Melodiespiel stellen ihn als einen handwerklich gut präparierten Musikanten heraus. Diestelmann beherrscht auch mit seinem "Alexis-Korner-Timbre" die bluesige Sangesart. Schleifer und Schnörkel brechen nie aus, werden als verhaltene Feinheiten angewandt. In "Caldonia" spielt Diestelmann seine stilistische Überlegenheit erneut aus, dies wird dann immer  wieder deutlich, wenn Wolfgang Fiedler oder Dietrich Petzold Piano- bzw Violin-Chorusse beisteuern. Ihnen fehlt der Nuancenreichtum, eine gewisse Raffinesse im Improvisationsaufbau und Ablauf. Die Ähnlichkeit von Chorus zu Chorus ist unüberhörbar.

Mit einem "Flamenco" beginnt die zweite Plattenseite. Dieser Flamenco ist in seiner Jazz-Rock-Spieltechniken ähnlich. Hier beweist Petzold, daß er flinke Finger für das Geigenspiel besitzt. Stefan Diestelmann demonstriert, daß er auch Al Jarreau's Stimmakrobatik studiert hat. Seine durch die Stimmbänder imitierten percussierven Effekte werden jedoch erneut durch eine unzulängliche Mikrofonbehandlung entstellt. Diestelmann "popt" wieder. "Flamenco" ist ein Stück, in dem alle Musiker ihr Können bis an die spieltechnische und stilistische Grenze ausschöpfen. Sympathisch und sehr schön der "Blues für Memphis Slim". Sympathisch, weil Diestelmann damit seine Verehrung für einen "Großen" des Blues bekundet, und schön, weil ein Melodieeinfall tatsächlich verarbeitet wird. Verarbeitet mit dem schon mehrfach erwähnten Diestelmann'schen Raffinement.

"Rockin' The House" - ein Mitschnitt vom gemeinsamen Konzert mit Memphis Slim - rundet zwar das Bild vom Wirken Stefan Diestelmanns ab, entblößt aber auch die stilistische Kluft, die zwischen Memphis Slim und dem Orchester Fusion liegt. Allein Diestelmann (hier mit Mundharmonika) ist dem Tempo von Memphis Slim gewachsen. Die Fusion-Rhythmus-Gruppe hat dagegen alle Mühe, zu folgen. Mit T-Bone Walkers "Stormy Monday Blues" setzt Stefan Diestelmann den Schlußpunkt auf seiner ersten LP. Seine Stimme erstrahlt noch einmal in voller Wärme. Volker Schlotts Barritonsaxophon-Solo bringt eine neue Klangfarbe, unpassend ein Mellotronteppich im Hintergrund. Da hätte mir eine Hammond-Orgel besser gefallen, und der Titel wäre auch treffender charakterisiert worden.

Stefan diestelmann und seine Folk Blues Band zeigten mit ihrer ersten LP, daß sie etwas von Blues verstehen, daß sie bemüht sind, diese humanistische künstlerische Äußerung vielen Jugendlichen zugänglich zu machen. Die konkreten textlichen Bezüge klammert Diestelmann aus. Zwar deuten einige Titelüberschriften auf bestimmte Absichten hin, nur lassen sich rein instrumentale Stücke fast mit jeder beliebigen Überschrift versehen. Die textliche Blues-Seite von Stefan Diestelmann ist also noch weiß - Bei aller Achtung vor dem Blues-Engagement, interessant wird es doch erst dann, wenn nicht nur nachempfunden wird, sondern konkrete Themen mit dem Mittel Blues dargestellt werden." (das oll sich mit der zweiten LP ändern - ostbeat)


Stefan Diestelmann, Hofmusik, Amiga 855 793, 1980: Seite1: Bernies Blues, 6:25, Diestelmann,  Blues Geschichte, 2:50, Diestelmann,  Für Ramsey L., 6:00, Diestelmann,  Der Alte und die Kneipe, 4:10, Diestelmann, Seite2: Hof vom Prenzlauer Berg, 3:40, Diestelmann,  Alexander Swing Time, 4:00, Diestelmann,  Blues von der guten Erziehung, 3:45, Diestelmann,  Torturas, 4:20, Jiri Vesely,  Bottleneck, 4:35, Diestelmann,

eingespielt von: Stefan Diestelmann (voc, harm, g, perc, ld),  Alexander Blume (p), Lothar Wilke (org), Conny Körner (ts, perc), Dietrich Petzold (v, perc), Dieter Gasde (harm, fl, wb, voc), Gusto Miguel Aldo (perc), Petr Kalandra (g harm), Jiri Vesely (fretless-b, acc), Regine Dobberschütz (voc)


Stefan Diestelmann, Folk Blues & Boogie, Amiga MC 056 042, 1984: Django, 2:32, Diestelmann,  Rückblick, 6:01, Diestelmann,  Reminiszenz an A.A., 4:11, Alexander Blume,  Guitar Boogie, 2:44, Diestelmann,  An’nen Kumpel, 2:32, Diestelmann,  Thüringer Boogie, 2:22, Diestelmann / Werner,  Heimweg, 4:59, Diestelmann,  Biographie für viele, 5:03, Diestelmann / Kahlau,  Harps Boogie, 2:44, Diestelmann,  Blues vom „Blauen Club“, 2:52, Diestelmann,  Thank You,  Red, 3:26, Diestelmann,  Schlußliedchen, 1:39, Diestelmann,

eingespielt von: Stefan Diestelmann (voc, g, harm), Alexander Blume (p, harps), Gerold Genßler (el-b), Frank-Endrik Moll (dr), Helmut Forsthoff (ts), Stanley Blume (as, bar), Gerhard Werner (melodie-harm), Wolfgang Schmidt (harmonie-narm), Rudi Bratner (b-harm)  


Diskofrafie (Titel)

Reichsbahn Blues, 4:08, Diestelmann, auf LP "Rhythmus 78" Amiga 855 623, 1978


CD

Stefan diestelmann, Stefan Diestelmann Folk Blues Best, Amiga 74321 33299 2, 1996:  Reichsbahn Blues, 4:08, Diestelmann, Ma Babe, 4:13, Dixon,  Blues für Kinder, 2:37, Diestelmann,  Key to the Highway, 3:30, Broonzy,  Caldonia, 4:40, Fleecie-Moore, Blues für Memphis Slim, 4:40, Diestelmann,  Rockin’ The House, 3:06, Slim,  Stormy Monday Blues, 4:35, T-Bone Walker, Bernies Blues, 6:25, Diestelmann,  Blues Geschichte, 2:50, Diestelmann, Der Alte und die Kneipe, 4:10, Diestelmann, Hof vom Prenzlauer Berg, 3:40, Diestelmann, Blues von der guten Erziehung, 3:45, Diestelmann, Bottleneck, 4:35, Diestelmann, Django, 2:32, Diestelmann, An’nen Kumpel, 2:32, Diestelmann, Blues vom „Blauen Club“, 2:52, Diestelmann, Schlußliedchen, 1:39, Diestelmann