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DIE ART


Besetzung: Holger Oley (voc), Thomas Gumprecht (g), Christoph Heinemann (b, voc), Andreas Seyffert (keyb), Thomas Stephan (dr)


1982 wurde die Band unter dem Namen „Die Zucht“ in Leipzig gegründet und galt seither zu den kreativsten Vertretern der DDR-Underground-Szene. 1985 erfolgte die Umbenennung in „Die Art“. Zu DDR-Zeiten veröffentlichte die Gruppe einige Tapes, da es andere Möglichkeiten nicht gab. Nach der Wende erfolgten mehrere CD-Produktionen  ( www.die-anderen-bands.de). Nachdem 2001 nochmals ein Wechsel in der Besetzung stattfand, löste sich die Band im Dezember 2001 auf.

Ronald Galenza in der M&R 10/1989: "Ihr Herz war schon immer eine Rhythmus-Maschine! Heute sind Holger Oley, Christoph Heinemann, Thomas Gumprecht und Thomas Stephan (Foto v.l.): Die Art aus Leipzig - vielleicht eine der wichtigsten Bands der zweitgrößten Stadt des Landes. Zuerst waren sie einfach Fans, hörten sich nach Neuem, Interessanten um. Angeregt durch die Leipziger Punkband Wutanfall griffen sie Ende 1983 dann selbst zu den Instrumenten und nannten sich anfangs Die Zucht. Dann der normale Weg: Viele Proben, Orientierung an englischsprachigen Vorbildern, eigene Songs. Mit der ersten Einstufung kamen der jetzige Name Die Art, Erfolge auf der Live-Szene. Die Gruppe wird bekannt. Soweit die frühen Jahre, aber vieles war schwierig. Neben der Euphorie, endlich in einer Band zu spielen, Anerkennung zu finden, gab es diverse Probleme: kaum Auftritte, schlechte technische Ausrüstung, die Suche nach einem tragfähigen, eigenständigen Konzept, denn das wollten sie von Anfang an. Christoph erinnert sich: "Wir haben ja schon relativ zeitig angefangen und hatten so die Chance, wirklich Eigenes zu entwickeln". Die Art ist jetzt Garant für volle Klubs, sieht sich aber in keiner direkten Konkurrenzsituation, sonders ist stets an anderen, neuen Gruppen interessiert. Um sich weiterzuentwickeln, versucht sie ihren Sound zu variieren; so nahm sie zeitweilig ein Saxophon in die Band, später ein Keyboard. Aber letztlich kam sie immer wieder auf ihr Grundkonzept zurück - harter, griffiger Gitarren-Rock. Zur blinkenden Härte ihres Materials kommt auch eine prägende, tragende Melodie. Dadurch hat die Musik eine ganz eigene, typische Ausstrahlung. Die meisten musikalischen Ideen bringt Christoph ein; Texte schreibt Holger "Makarius" Oley. Dabei legt er von Anbeginn Wert darauf, daß die teils englischen, teils deutschen Texte keine oberflächlichen oder gar brutalen Parolen beinhalten. Er arbeitet vielmehr mit metaphorischen, oft verschlüsselten Bildern (da spricht der Lyriker in ihm). Schritt für Schritt kam die Art voran. So spielte sie beim ersten, inzwischen legendären, "x-mal! Musik zur Zeit"-Konzert 1986 und DT 64 nahm mit ihr die 2. Parocktikum-Session (1987) auf....Auf dem im Sommer erschienenen AMIGA-"Parocktikum"-Sampler ist Die Art mit dem Stück "Sie sagte" vertreten, das ein Höhepunkt dieser Scheibe ist und dadurch Popularität gewann.... Mit den Jahren sind echte Art-Klassiker gewachsen, wie "Chrome", "Heaven Knows" und "Irish Coffee". Ähnliches bahn sich mit den beiden aktuellen Rundfunkproduktionen "Eternal Fall" und "Looking For My Mind" an, die oft beim Jugendradio gewünscht werden und gut im Tagesprogramm laufen.

Die Musik der Art's: Lust, Spaß, Konsequenz, Ehrlichkeit und Nachdruck. "Makarius" ist als Sänger dabei der gute Geist: Er läßt schleifen, spricht, erzählt, schreit, treibt verloren im  Teppich des Gesamtsounds. Manchmal scheint es, als ziehe seine Stimme in Zeitlupe neben der Musik einher und betrachte sie ganz erstaunt und neugierig - und ist doch ihr Bändiger. Das konsequente Musizieren kommt schlüssig in "Dancing Barfoot", einer Patti Smith-Coverversion, zum Ausdruck, die eben nicht brav nachgespielt wird , sondern eine ganz leichte, unbeschwerte Art erreicht....Für die Art war es lange ein Problem, aus Leipzig zu kommen; einer Stadt mit großer Rocktradition, wo es aber heute nicht mehr allzu viele prägende Bands gibt. Jetzt hat sie dort die "Sonderstufe mit Konzertberechtigung" erreicht (ja, so was gab es damals in der DDR und die Bands mußten diese Stufen erreichen, wenn sie live spielen wollten und damit auch noch Geld verdienen wollten - ostbeat), und möchte möglichst ins Profilager, da die Belastung mit Familie und Arbeit das Musikmachen sehr beeinträchtigt.".              

(Foto: Arno Wolff)


Diskografie (Titel):

Sie sagte, 2:15, Christoph Heinemann / Holger Oley, auf LP  „Parocktikum-Die anderen Bands“, Amiga 856 409, 1989