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DIALOG


Besetzung: Emmerich Babernics (bg),  Anselm Riess (g, sax, voc), Ralph Sternkopf (g, voc), Hans-Peter Schumann (keyb, voc), Thilo Ferstl (dr)


Sympatischer Rock aus Sachsen war die Parole der fünf Crimmitschauer als sie 1976, zunächst als Gruppe Quirl die DDR Pop- und Rockszene aus den Angeln heben wollten. 1978 nannte man sich in Dialog um.

„…Dieses Bestreben, ihre musikalischen Vorstellungen vorwiegend mit eigenen Liedern zu verwirklichen, wurde wiederum deutlich in ihrem Programm während der diesjährigen Zentralen Tanzmusikwerkstatt im Oktober in Suhl, wo sie – nun unter dem Namen dialog – ein Diplom erhielten. Die Umbenennung war für die fünf Amateurmusiker der Sonderklasse keine Formsache, denn schon mit ihrem Namen wollen sie ihr Anliegen demonstrieren: mit dem Publikum, vorwiegend jungen Leuten zwischen 14 und 20, gewissermaßen in einen musikalischen Dialog zu treten, der für beide Seiten – Musiker wie Publikum – gleichermaßen anregend ist, der Spaß macht. Diese „Zwiegespräche“, die vor allem auf dem Tanzsaal oder bei anschließenden Diskussionen geführt werden, helfen, eine oft noch vorhandene Kluft zwischen den musikalischen Ansprüchen von Musikanten und dem Geschmack des Publikums kleiner werden zu lassen. Dialog gehört, was die Verwirklichung

dieses Anspruches betrifft, zu den besten Amateurformationen unseres Landes. Mit einer am Rock-Jazz und Funky-Sound orientierten, populären, tanzbaren Musik, gestalten sie abwechslungsreiche Jugendtanzabende. Musikalische Vorbilder sind Stevie Wonder, Manfred Mann’s Earth Band und das Günther Fischer-Quintett. Das widerspiegelt sich auch in eigenen Bearbeitungen internationaler Erfolgstitel wie „Sir Duke“, „Living For The City“, „Earth The Circle“ oder „Mighty Quinn“. Musikalisches Rüstzeug dafür erwarben sich Emmerich Babernics (bg, ld, Dipl.-Ing.), Anselm Riess (g, Musikerzieher), Thilo Ferstl (dr, Monteur), Hans-Peter Schumann (keyb, Dipl.-Ing) und Günter Franz (voc, Angestellter) am Zwickauer Robert-Schumann-Konservatorium…“ (M&R 11/1978)       

1980 erhielte sie den ersten Preis beim Interpretenwettbewerb des Jugendmagazins ”neues leben” in der Sparte Amateure. 1981 wechselte die Band ins Profilager.

 

1983 verließen Schumann und Sternkopf die Band, dafür kamen Ulrich Schroedter (keyb fl v) und Klaus-Peter Mille (voc).

In der M&R 1/1984 war zu lesen: „Will man etwas über eine Gruppe kurz und bündig, treffend und präzise erfahren, greift man zum Lexikon oder einem ähnlichen Nachschlagewerk – denkt man. Während das „Jugendlexikon Musik“ weiß: „In der Besetzung…hat die Gruppe ein liedhaftes Rockkonzept entwickelt, dass mit Bestandteilen der New-Wave-Stilistik durchsetzt ist“, steht in einem Kompendium aus der BRD etwas von „Stimmungsliedern, King-Crimson-Oldies und Eigenem im zaghaften New-Wave-Tempo“ und in „Rock – Interpreten, Autoren, Sachbegriffe“ lesen wir: „dialog macht zeitgemäße Rockmusik und legt Wert auf Tanzbarkeit“. Allgemein aber zutreffend, denn musikalische Schubladen rufen nicht nur bei Musikern einiges Schmunzeln hervor. Dialog, so meine Erfahrung, spielt gerne mit modernen, modischen Rock-Zutaten ohne nun gleich das gesamte musikalische Konzept darauf einzurichten…“ (Foto M&R-Poster oben: G. Gueffroy)

Später kamen für Mille und Riess Dietmar Schulte (voc) und Kayode Eschrich (g).

Ab 1987 kümmerte sich Babernics mehr um seine Tätigkeit als Produzent. Schulte und Eschrich gründeten die erfolgreiche Instrumentalband Takayo. Damit war das Thema Dialog erledigt.


Diskografie, Amiga, LP

Dialog, 963, Amiga 856 020, 1983: Seite1: Leben, 4:05, Dialog / Demmler,  Zu jung, 3:04, Dialog / Pfeil,  Tief in mir, 4:43, Dialog / Lasch,  SOS, 3:50, Dialog / Demmler,  Das nenn ich Glück, 3:31, Dialog / Lasch, Seite2: 963, 3:26, Dialog / Demmler,  Eigentlich, 3:58, Dialog / Demmler,  Hochhaus, 3:19, Dialog / Lasch,  Miss Englisch Teacher, 2:27, Dialog / Demmler,  Samstagabend, 2:44, Dialog / Demmler,  Dialog, 3:57, Dialog,

eingespielt von: Hans-Peter schumann (keyb, voc), Ralph Sternkopf (g, voc), Emmerich Babernics (ld, bg), Thilo Ferstl (dr), Anselm Riess (g), Redaktion: Volkmar andrä, Cover: Florian R. Morgenstern, Aufnahmen Rundfunk der DDR

Claus Fridrich in der M&R 9/1984 zur Platte: „Dialog geht es mit der LP offensichtlich nicht darum, in Rockmusik verpackte Geisteskost zu bieten, sondern sein Publikum in einer einfachen Sprache zu unterhalten. Musikalisch passiert nicht viel Erregendes, Aufregendes, aber als Tanzplatte mit durchlaufender ¼- und 1/8-Rhythmusbewegung, kurzen, prägnanten Melodiethemen zum Mit- und Anmachen trifft die Schiebe gewiß den Nerv vieler jugendlicher Diskogänger; haben sich doch „Samstagabend“ und „Hochhaus“ schon in Diskotheken bewährt.

Mit welcher Elle man auch mißt, den hehren Anspruch des Rock‘ n‘ Roll, nämlich Kritisches aufzugreifen, mittels Musik auf gesellschaftliche Prozesse unserer Zeit einzuwirken, ist nicht unbedingt die Stärke Dialogs, auch wenn zwei Titel mit dem Thema Frieden Haltung demonstrieren. Allerdings das Wollen, „…Frieden soll sein“ und „…., daß Wenige die Erde für sich haben wollen“, ist nicht hinreichend originell-aktuell gestaltet, d.h. in „Das nenn ich Glück…“ und „Eigentlich“ ist der Gedanke, die beabsichtigte Botschaft sprachlich und interpretatorisch inadäquat. Bekanntlich ist es schon nicht einfach, über eine Musik zu sprechen bzw. zu schreiben, die einen weder inhaltlich noch formal berührt. Und wie schwierig muss es sein, eine musikalische Sprache zu finden, mi der man dann auch noch 14- bis 16jährige – die Zielgruppe Dialogs – erreichen will, obwohl man der frühen Jugend selbst schon längst entwachsen ist. Ich zitiere: „Sie haben sich geliebt, und er wurde ihr Mann, und aus dem Glück der Klasse acht, haben sie das große Ding gemacht.“ Refrain: „Zu jung, zu jung war’n sie nicht, ihre Liebe endet nicht.“ Mitunter stellt die Gruppe, unter anderem durch den Texter B. Lasch, Fragen, die viele emotional und auch intuitiv berühren. So hießt es im „Hochhaus“: „…im Hinterhaus waren die Leute nett, man gab sich noch die Hand, als er aus der Schule kam, wollte er einfach raus. Im Hochhaus sind die Nächte lang, da ist man so schön anonym, gehen viele ein und aus und trotzdem denkt er öfter noch zurück ans Hinterhaus.“ Als ich für mich diese „Hochhaus-Idylle“ entschlüsselte, liefen in mir Assoziationen zu Szenen des Films „Insel der Schwäne“ ab, der diese Problematik (Jugendlicher, Eltern, soziales Milieu) sehr eindrucksvoll gestaltet.

Dialog macht bewußt und gezielt eine Musik für die bereits oben genannte Zielgruppe aus der Sicht der Erwachsenen – was man anmerkt und mehr noch, was man hört. Das Goethische, „Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen“, beweist in diesem Falle erneut seine Lebendigkeit, und zwar insofern, als Dialog das Lebensgefühl der Angesprochenen nur bedingt in Worten und Tönen trifft. Das gibt hörbar zu denken, wenn man sich vergleichsweise die jüngst erschienene Rockhaus-LP anhört, auf der die Musiker vor Übermut sprühen, frech und auch provokant die Themen an- und auspacken.

Dialog bevorzugt eine harte, einfach strukturierte, aber in meiner Sicht zu bequeme Gangart, durch die doch mittlerweile recht raffinierten Pfade der Rockmusik. Die Lieder sind fast alle nach einem gleichen Muster gestrickt. Eine Ausnahme ist der Titel „Hochhaus“, in welchem das Arrangement mit einem Blasmusikpassus angereichert wurde, der allerdings in keinem hörbaren inhaltlichen Kontext steht, und zwar genauso wenig wie das Motiv der 5. Sinfonie von Beethoven, das als Zitat mehrmals auftaucht. Es gibt relativ wenig stilistisch Neues zu entdecken. Von Titel zu Titel wird ähnliches musikalisches Material serviert. Es dominieren die A/B-Form bestückt mit 4 bis 8 Harmonien, Gitarren-Riffs, die zumeist Strophen vom Refrain absetzen. Baß und Schlagzeug lassen sich gegenseitig wenig Spielraum bzw. liegen rhythmisch sehr dicht aufeinander. Bei der Aufteilung der Instrumente, ihrer Funktion im Arrangement, ziehen die Musiker nicht gerade alle ihnen zur Verfügung stehenden Register. Das Ton- und Harmoniematerial bewegt sich in traditionellen Bahnen. Ebenso die Stilistik, die aus den frühen 70er Jahren mit ihren geraden ¼ - und 1/8-Betonungen in die 80er Jahre hinüber gerettet wurde. Da kann auch eine noch so in ¼ stampfende schwere Dampframme nicht erschüttern, wenn sie vom ersten bis zum letzten Titel, einem etwas dünnbrettbohrigen Instrumental, auf gleichen Touren läuft. Das täuscht nicht  darüber hinweg, dass man mit dem Material geizt. Eine Idee wie die von „SOS“, vier Takte lang, übt bis zur vierten Wiederholung noch einen gewissen Reiz aus. Allerdings nach der achten Wiederholung schlägt sie ins Gegenteil um. Wiederholung ist die Mutter aller Weisheit, aber nicht der Weisheit letzter Schluß. Hier muss nun angemerkt werden, daß das Erscheinungsdatum der Platte "1983" nicht identisch ist mit dem der Produktion der Titel, die von 1980 bis 1983 in den Rundfunkstudios entstanden. Effektstrecken, wie sie heute üblich sind, standen der Gruppe also nicht in jedem Falle zur Verfügung. Folglich wurden Echowege und Hallstrecken genutzt, um ein transparentes Klangbild zu schaffen. Dem Sologesang hätte eine technische Kosmetik mit einer entsprechenden Filterung und Delays gut getan. Das Klangspektrum der Gitarre läßt Möglichkeiten vermuten, von denen sich Baß und Schlagzeug nicht verführen ließen (vielleicht zugunsten eines Gruppensounds). Der Sound wurde nicht unbedingt als musikalisches Gestaltungsmittel anhand des Arrangements differenziert eingesetzt, sondern scheint mehr als Rahmen gedacht, der die Musik zusammenhält und ziert. Insgesamt steht die Dominanz traditioneller Elemente in einem ausgewogenen Verhältnis zu den musikalischen Ideen."                   


Dialog, Dich zu haben, Amiga 856 213, 1986: Seite1: Zeit, 4:40, Dialog / Steineckert,  Ja oder nein, 4:41, Dialog / Steineckert,  Wer ich bin, 4:00, Dialog, Diana, 2:55, Dialog, Dich zu haben, 3:55, Dialog / Steineckert, Seite2: So ein Sommer wie der, 3:33, Dialog / Steineckert,  Schatten und Licht, 4:07, Dialog, Dein und mein Planet, 5:05, Dialog / Steineckert,  Bleib hier, 3:50, Dialog / Steineckert, Zehn Jahre dabei, 3:56, Dialog / Steineckert,

eingespielt von: Ulrich Schroedter (keyb, fl, v, voc), Thilo Ferstl (dr), Dietmar Schulte (voc), Kayode Eschrich (ac-g, g, voc), Emmerich Babernics (bg), Gäste: Volker Schlott (as), Anselm Riess (g), Bläsergruppe C.D. Knispel, Redaktion: Wolf-Dietrich Fruck, Aufnahmen Rundfunk der DDR, Produktion: Walter Cikan, Cover: Florian Morgenstern   


Amiga, Singles

Dialog, Amiga 456 558, 1984: Doch der Falke fliegt, 3:32, Dialog / Lasch, Drachensegler, 3:33, Dialog


Amiga, Titel

Emmilie, Riess / Demmler auf LP „Auf dem Wege...“, Amiga 855 660, 1979,

Miss Englisch Teacher, 2:27, Dialog / Demmler auf DLP „Das Album-Rock Bilanz 1981“, Amiga 855 889/90, 1981,

Noch nicht sechzehn, 3:00, Dialog / Demmler, Leben, 4:05, Dialog / Demmler, Dialog, 3:55, Dialog auf LP „Kleeblatt 1/81“, Amiga 855 805, 1981,

SOS, 3:50, Dialog / Demmler auf DLP „Das Album-Rock Bilanz 1982“, Amiga 855 970/71, 1982,

Eigentlich, 3:58, Dialog / Demmler auf LP „Rock für den Frieden 83“, Amiga 855 937, 1983 und auf EP „Friede soll sein“, Amiga 556 049, 1983

Denke daran auf EP „Denke daran“, Amiga 556 072, 1984,

Ja oder nein, 4:41, Dialog / Steineckert auf DLP „Das Album-Rock Bilanz 1986“, Amiga 856 238/39, 1986

Dein und mein Planet, 5:05, Dialog / Steineckert auf LP „5 Jahre „Rock für den Frieden“, Amiga 856 123-1986


CD

Drachensegler, 3:34, Dialog auf CD „Amiga RockRaritäten 1980-1986“, Amiga 74321 66267-2  1999,

Goldener Herbst, 3:11, Dialog / Steineckert auf CD „BeatKiste Vol. 2“, Barbarossa EdBa 01319-2, 1995