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CITY  (CITY ROCK BAND)

Foto:  Pressefoto (City-HP)


Besetzung:

1972:  Fritz Puppel ( g ),  Klaus Selmke ( dr ),  Ingo Doering ( b ),  Klaus Witte ( keyb ),  Frank Pfeiffer ( voc ) Andreas Pieper ( fl).

1975:  Puppel,  Selmke,  Georgi”Joro”Gogow ( b ),  Emil Bogdanow ( voc ).

1976:  Puppel,  Selmke,  Joro,  Toni Krahl ( voc ).

1980:  Puppel,  Selmke,  Krahl,  Joro,  Giesbert Piatkowski ( g ),  Rüdiger Barton ( keyb ).

1982: Puppel,  Selmke,  Krahl,  Manfred Hennig ( keyb ).

seit 1998: Puppel,  Selmke,  Krahl,  Hennig,  Joro.


Alles begann 1972 mit der oben genannten Besetzung. Der erste Gig fand am 3. Februar 1972 im Köpenicker  ”Arthur-Becker-Klub” statt. Damals nannte man sich noch City Band Berlin. Im Herbst 1973 löste Puppel die bestehende Besetzung auf und im April 1974 probte die neue City Rock Band mit Joro Gogow und Emil Bogdanow. 1975 erschien die erste Single der Band mit ”Der Spatz / Die Frau des Seiltänzers” ( Amiga 456 120), heute die einzige Platte mit Bogdanows Stimme. Eine Geige, ein Geschenk von Selmkes Onkel, der City auch das später auf vielen Fotos verewigte durchsichtige ”Ludwig”-Schlagzeug vermachte, brachte neue Klänge in die Musik der Band. Ohne dieses Geschenk wäre der wohl größte Hit ”Am Fenster” nie erschienen. Die Idee zu ”Am Fenster” entstand schon 1974, als Toni Krahl noch nicht in der Band war. Joro und Klaus experimentierten mit bulgarischer Folklore und Bogdanow brachte einen kleinen Gedichtband mit. Allein dieser Fakt sollte später zum ersten Tantieme-Streit über die Rechte an ”Am Fenster” werden. Bogdanow sollte zur bulgarischen Armee eingezogen werden und verschwand über Jugoslawien nach Schweden. Ein harter Schlag für die Band. Puppel fragte Toni Krahl von der College Formation, mit der man schon zusammen auftrat, ob er Lust hätte mitzumachen. Er wollte und brachte als Einstand den über Nacht geschriebenen Text zu ”Es ist unheimlich heiß” mit.

1978 war der erste Auftritt im Westen. City spielte im Kant-Kino in West-Berlin. Barry Graves schrieb nach dem Konzert: ”Ein Volltreffer bei dem völlig enthusiastischem Publikum im überfüllten Kant-Kino war der Hit ´Am Fenster´, der Schwermütigkeit einer osteuropäischen Volksweise zu geheimnisvollen Lyrikchiffren und einem dynamisch großzügig abgestuften Rock-Beat addierte. Mit dem vielstrapazierten Prädikat ´Weltniveau´ darf sich City wahrhaftig schmücken; die Gruppe ist nichts weniger als eine gesamtdeutsche Sensation.”

Wurden von der Single ”Der Spatz” gerade mal 3.000 Stück verkauft waren es bei ”Am Fenster” über 100.000 Stück. In der DDR musste viermal nachgepresst werden. 1978 erschien bei Amiga die erste LP der Gruppe. Auf Seite 2 war eine auf über 17 Minuten ”gedehnte” Version vom ”Fenster”. Ein Jahr später folgte LP Nr. 2. Auch hier ein Bruchstück der 1974 zwischen Joro und Klaus begonnenen Jam' s, der neunminütige ”Bulgarien-Rock”. 1980 erschien mit ”Dreamer” die erste englischsprachige LP der DDR für den internationalen Markt. Die LP erschien mit City im 6er-Pack. Fritz, Klaus und Toni auf der einen und die Gogows auf der anderen Seite zerstritten sich zunehmend (Joro´s Frau Traudl war die Managerin der Band). Um die Fertigstellung der LP zu gewährleisten holte sich Joro mit ”Pitty”Piatkowski und Richie Barton Verstärkung. Ende 1982 trennten sich beide Parteien entgültig, auch hier nicht ohne Tantiemen-Gerangel. Joro und Piatkowski gründeten NO 55, Barton ging später zu Silly.

Der neue vierte Mann bei City wurde Manfred Hennig (keyb), den Elefant gerade gefeuert hatte, weil er nicht in den Westen fahren konnte. Die Band kreierte den Spruch: ”Ohne Baß und ohne Haare - mit City durch die 80er Jahre”. Die erste Feuertaufe in neuer Besetzung und mit zum Teil neuem Material bestand die Gruppe am 7. Juli 1982 bei einem Open-Air im Berliner Plänterwald. 1983 legte City eine neue LP vor. Auf ihr zu hören: Citys Beitrag zu ”Rock für den Frieden”, ihre Version des Marlene-Dietrich-Songs ”Sag mir wo die Blumen sind”. Toni und Fritz lehnten ein Auftragswerk ab und fanden einen guten Kompromiss. Die fünfte LP der Band erschien 1984. Den ganz großen Wurf landeten City drei Jahre später mit der LP ”Casablanca”. Die Texte waren kontrovers und eigentlich an Rande des damals Machbaren. Ausdruck dessen waren die am 22.5.87 in der FDJ-Zeitung ”Junge Welt” erschienene Rezession und der wenige Tage später abgedruckte ”Gegenentwurf” der gleichen Autorin. Am 18.9.1989 verabschiedeten bekannte Künstler, unter ihnen Mitglieder von City, Silly und Pankow , eine Resolution über die politischen Zustände im Land: ”Die Zeit ist reif. Wenn wir nichts unternehmen, arbeitet sie gegen uns”. Schon am 9.11.1989 war die Geschichte der DDR mit einem ”Lesefehler” Schabowski´s zu Ende.1990 begannen City die Arbeit an einem neuen Album und gründeten mit K&P Music ihr eigenes Label. Das Album ”Keine Angst” erschien 1990, ging aber wie viele Ost-Produktionen im Westmarkt unter. In der 1991 bei DSB erscheinenden 20teiligen Serie ”Rock aus Deutschland-Ost” erschien auch eine Platte von City. Aber City brachte 1992 bei K&P Music ihre eigene autorisierte ”Best of” - Scheibe auf den Markt, die sich 130.000 mal verkaufte. Remastert wurden die Titel übrigens in den ”Kramer & Schreier-Studios”. Wer sich im DDRock auskennt, kennt Kramer und Schreier als Mitglieder von Stern Meißen. Mit Joro und Manne Hennig startete City wieder durch und die Fans halten zu ihnen, egal ob auf der Waldbühne in Berlin oder beim SPD-Wahlrummel in Leipzig. 1997 erschien mit ”Rauchzeichen” eine neue CD.   (Diskografie) . Im Frühjahr 2002 soll die neue Studio-CD "Am Fenster 2" erscheinen.

Dieser Artikel entstand unter Verwendung des Buches "Am Fenster", erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 1997, ISBN 3-89602-123-0

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