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BRIGITTE STEFAN & MERIDIAN

Besetzung: Brigitte Stefan (voc), Christian Lohs (voc, g), Frank Zückmantel (keyb), Matthias Langenfeld (b, voc), Arndt Schmidt (dr)
Die gelernte Friseuse wurde am 29.4.1952 in Chemnitz geboren. Neben ihrer Tätigkeit als Amateursängerin in verschiedenen Bands (bis 1976) machte sie eine Ausbildung im Studio für Unterhaltungskunst. In dieser Zeit, 1976, wurde die Gruppe Meridian in oben genannter Besetzung gegründet.
Harry Balkow-Göhlitzer schrieb in der MuR 12/1980: „..wenn heute jemand in Brigitte Stefan eine Sängerin gehaltvoller Lieder sieht, so hat er ganz gewiß ebenso recht wie derjenige, für den sie eine dynamische Rockinterpretin ist. Brigitte Stefan singt – so sollte man jetzt wohl meinen – alles. Und irgendwie stimmt das auch. Sie singt all das, was ihrer beneidenswert variablen Stimmfärbung entgegenkommt, und sie möchte Geschichten erzählen, die dem Zuhörer Identifikationsmöglichkeiten bieten. Dafür weiß sie gute Partner an ihrer Seite. Thomas Natschinski als Komponist und Jan Witte als Texter zeichnen als Autoren ebenso wie Meridian-Gitarrist Christian Lohs. „Regenspaß“, „Ich bin wie ich bin“, „Wie zwei Fremde“ oder „Ich will kein Engel sein“ sind hörbare Beispiele (u.a. auf der jüngsten Kleeblatt-LP von AMIGA) einer ausgezeichneten Zusammenarbeit…Brigitte Stefan und Meridian können auf fundierte musikalische Ausbildungen verweise. Alle Musiker – Christian Lohs (g, voc), Frank Zückmantel (keyb, voc), Matthias Langenfeld (bg, voc), Arndt Schmidt (dr) – sind Absolventen bzw. Studenten der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden. „

Ab 1981 wandte sich die Band der Neuen Deutschen Welle zu und produzierte mit dem Titel „Linie 6“ einen Hit.
In der MuR 9/1982 schrieb Gerd Pfeil: „Die jüngste Vergangenheit hat all denjenigen recht gegeben, die an das Neue im musikalischen Anspruch von Sängerin und Band glaubten. Jahrelang wurde Brigitte Stefan als mitfließender Schlager-Bravling durch die Aufnahmestudios gereicht, sie sang Lieder vom „spaßigen Regen“, von verschmähter Liebe, von einem Typ, der „oho“ war. Das ist anders geworden. Brigitte Stefan & Meridian sind in den Medien jetzt mit der Musik präsent, die sie eigentlich schon seit zwei Jahren auf der Bühne praktizieren: sprich Rockmusik. Spätestens mit dem Einstieg Kurt Demmlers ins Meridian-Autorenkollektiv ist der erwähnte neue Anspruch abhörbat geworden, und solche Titel wie „Wenn du denkst, ich bin doof“, „Männer“ oder die vielgerühmte „Linie6“ sind tönender Beweis und Aushängschild gleichermaßen. Die Band: „Rockmusik entsprechend dem eigenen Empfinden anbieten – das wollten wir schon immer, und eigentlich taten wir’s auch. Für uns bedeutet New Wave keine neue Musikrichtung, sie ist für uns die musikalische Umsetzung eines anderen Zeitgeistes.““ (Poster: Günter Gueffroy)
Diskografie (LP)
Brigitte Stefan & Meridian, Amiga 856 143, 1985: Seite1: Immer unterwegs, 2:40, Zückmantel / Stefan, Linie 6, 3:15, Lohs / Demmler, Teuflisch, 5:27, Zückmantel / Stefan, Wahnsinn wie er wieder aussieht, 3:53, Zückmantel / Stefan, Tastenmann, 4:08, Zückmantel / Stefan,
Seite2: Allein, 4:40, Zückmantel / Stefan, Heut hab ich Zeit, 4:22, Zückmantel / Stefan, Fensterglas im Winter, 4:10, Heubach / Demmler, Hin und her, 3:26, Zückmantel / Stefan, Nichts verpassen, 3:22, Zückmantel / Demmler,
eingespielt von. Michael Lehmann (g, voc), Matthias Langenfeld (bg, voc), Brigitte Stefan (voc), Frank Zückmantel (keyb, voc), Arndt Schmidt (dr, perc, as), Redaktion: Klaus Peter Albrecht, Cover: Günter Gueffroy

Wolfgang Lange schrieb in der "Melodie & Rhythmus" 11 / 1985: "Manchmal träume ich, AMIGA und einer Gruppe würde das Wunder gelingen, eine Platte auf den Markt zu befördern, die vom ersten bis zum letzten Titel wahrlich nur Überraschendes bietet: mitreißende Musik, aussagestarke Texte, beides als verschweißte Einheit wirkend. Dieser Traum wird wohl kaum in Erfüllung gehen, ich weiß. Natürlich, so was Unfreundliches träumt man nicht, will damit nur skizzieren, wie allzu berechenbar für den Hörer Platten-Inhalte sind, wie vieles auf unserem Plattenmarkt verteufelt eingeschliffen, überraschungsarm und dadurch etwas steril ist. Wenn beispielsweise heute angekündigt wird, die Gruppe X arbeitet an einer neuen LP, weiß man doch sogleich, welche musikalische Richtung im wesentlichen eingeschlagen wird, an deren Ziel einem allenfalls zwei, drei Lied-Perlen entgegenfunkeln. Das ist kein Plädoyer für abrupte Stilwandlungen, um Überraschungen zu garantieren, sondern nur für das Stattfinden wirklicher musikalischer Ereignisse im Rahmen der dauerhaften Basis-Konzeption einer Gruppe. Es möchte, bitteschön, wieder mehr "losgehen" auf den Rockmusik-Platten - aber wie denn andererseits, wenn es sich um Rundfunkmaterial handelt, das sich schon längst ins Bewußtsein interessierter Hörer eingedreht hat. Überraschendes kann eine Platte dann nicht mehr bieten.
Auch bei der LP mit Brigitte Stefan & Meridian sind es mit einer Ausnahme (Fernsehen) nur Rundfunkaufnahmen. Na gut, alle kannte ich nicht, doch viele. Wie nun soll man sich als Rezensent dazu in Beziehung bringen? Wie der Waldhüter zum Gestapelten Herbstlaub vergangener Zeiten? Mein Gesamteindruck: Die Gruppe macht solide musikalische Arbeit, das Urteilspendel schlägt weder zum positiven noch zum Negativen hin irgendwie kraß aus. Bedarf es solcher LP's, von denen derlei zu vermelden ist? Die Fans, gewiß, brauchen diese Platten, diese musikalischen Bündelungen als Reputationsbeleg für ihre Gruppe. Und ich verstehe sie auch, wenn sie an dieser Gruppe hervorheben: die Überschaubarkeit und Klarheit der Musik, die Verwurstung des Instrumentalen nicht, aber klare melodische Abläufe will und sich zu artiger Homophonität des Klangbildes bekennt; blitzblanke Soli sind selten, da übt man sich in vornehmer Zurückhaltung, und wenn sie doch einmal tastend zaghaft aus dem Sound-Schneckenhaus hervorkommen, dann haben sie zwar den Anschein instrumentaler Brillanz, kaum aber betörende musikalische Substanz (auch diese Gruppe belegt Verluste der Rockmusik: Instrumentale Soli erweisen sich zumeist als beliebig austauschbar, sie wühlen sich halbblind an den Orientierungszeichen der harmonischen Verläufe entlang, erweisen sich aber kaum als zwingend entwickelte musikalische Gedanken, die einem vorgegebenen Materialkeim entspringen). Ich sehe, eben wähne ich mich noch auf einer Solidaritätsstufe mit den Freunden dieser Gruppe und bin doch unversehens schon mittendrin in er Formulierung der vorsichtigen Einsprüche. Die würde ich für Brigitte Stefan als Sängerin am allerwenigsten gelten lassen, die mit ihrem wirklich rockigen Feeling und ihrer Ausdrucksvariabilität gefällt (auch tragen die Arrangements die Stimme vorzüglich). Als Textautorin allerdings, als die sie hier überwiegend zeichnet....Also fast 'ne Platte lang mir in Jargon- und Morgenstundsprache folgende Themen anhören zu müssen: Angst vorm Alleinsein, Freude aufs heutige Alleinsein, Heißhunger auf 'nen richtigen Mann, Ärger über'n feinen Pinkel, auf den sie nicht steht, Ärger über'n "Aufriß" der Mitbewohner eines Tastenmannes (Klavierspieler), der Teufel in uns, der seinen Preis verlangt - also, gelegentlich möchte ich auch von einem richtig guten Text aufgeschreckt werden, der zum einen sich des robust-flapsigen Tones (er ist halt Mode - ja und?) enthält, erkennen läßt, daß es noch den Wert von Wortausdrucksgestaltung gibt, zum anderen mal eine Bedeutungsebene höher steigt. Einfacher und griffiger sollte es vielleicht sein und menschlich bewegender als ihr vierminütiger fataler Ärger über jemand, den Mami zu sehr mit Exquisit-Klamotten behängt. Das sind doch Bagatell-Fälle, es gibt Wichtigeres. Schaut mehr unter die Oberfläche; ich glaube dann bekommen die Titel ein viel bedeutsameres inhaltliches Gewicht (und auch nicht zu oft beim harschen C-Dur aufhalten)."
Diskografie (Singles)
Brigitte Stefan& Meridian, Amiga 456 562, 1984: Allein, 4:40, Frank Zückmantel / Brigitte Stefan, Tastenmann, 4:08, Frank Zückmantel / Brigitte Stefan

Diskografie (Titel)
Männer, 3:40, Michael Heubach / Kurt Demmler, auf Doppel-LP „Das Album – Rock Bilanz 1982“, Amiga 855 970/71, 1982
Linie 6, 3:15, Christian Lohs / Kurt Demmler, auf LP „Linie 6 - Neue Tanzmusik“, Amiga 855 964, 1982
Diskografie (CD)
Brigitte Stefan & Meridian, Augenblicke, Noiseworks / BuschFunk, 1996: Grenzenlos, Ich will schrei'n, Welke Blätter, Spiele der Nacht, Teuflisch, Im Mantel der Nacht, Augenblick, Manchmal will ich, Sie ist stärker, Allein, Nichts verpassen

Brigitte Stefan & Meridian, Die größten Hits, Amiga ,
2007:
Immer unterwegs, 2:40, Frank Zückmantel / Brigitte Stefan, Linie 6,
3:15, Christian Lohs / Kurt Demmler, Teuflisch, 5:27, Frank
Zückmantel / Brigitte Stefan,
Eitelkeit, 3:54, Frank Zückmantel / Brigitte
Stefan,
Tastenmann,
4:08, Frank Zückmantel / Brigitte Stefan,
Allein,
4:40, Frank Zückmantel / Brigitte Stefan,
Heut` hab ich
Zeit, 4:23,
Frank Zückmantel / Brigitte Stefan,
Fensterglas im Winter, 4:10, Michael Heubach / Kurt Demmler,
Hin und her, 3:27,
Frank Zückmantel / Brigitte Stefan,Nichts
verpassen, 3:33,
Frank Zückmantel / Kurt Demmler,
Männer,
3:42, Michael Heubach / Kurt Demmler, Oh war das ein Typ, 2:58,
Thomas Natschinski / Fritz Jochen Kopka, Regenspaß, 2:28, Brigitte
Stefan / Christian Lohs / Jan Witte, Ich bin wie ich bin, 4:41,
Thomas Natschinski / Jan Witte
