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BAJAZZO


Besetzung: Jürgen Heckel (ld, g), Gerhard Kubach (b), Peter Beck (dr), Rolando Garcia (perc)


Das Berliner Amateur Jazz Orchester  wurde 1978 in der oben genannten Besetzung gegründet. 1980 verließen Beck und Garcia die Band. Neu kamen Frank Nicolovius (keyb), Jörg Knobloch (dr), Peter Lorenz (as, fl) und Lothar Hartig (ts, ss). Als Sextett wurden Bajazzo 1981 Profis und man begann Studio- und Funkproduktionen, ausschließlich Instrumentals, einzuspielen.

1981 war auch das erste Jahr, indem Bajazzo in der „Melodie & Rhythmus“ (Heft 5) vorgestellt wurde. Wolfgang Quander schrieb damals: „Die Gründung neuer Gruppen, ob im traditionellen oder modern-zeitgenössischen Jazz-Bereich, stellen gewiß keine alltägliche Erscheinung dar – um so mehr erfreut es, wenn das Spektrum dieses Musikgenres durch neue Formationen bereichert wird. Begonnen hat die Gruppe Bajazzo mit ihren musikalischen Schritten bereits im September 1978, damals noch als Quartett. Die eigentliche Besetzungskonsolidierung erfolgte erst im Sommer 1980 in Form eines Sextetts: Jürgen Heckel (g, ld), Lothar Hartig (ss, ts), Peter Lorenz (as, ts, fl), Frank Nicolovius (keyb), Gerhard Kuhbach (b), Jörg Knobloch (dr). Die Mitglieder sind fast ausschließlich Studenten an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. Zwar haben sie ihre Vorbilder (Herbie Hancock, Chick Corea, auch Klaus Doldinger), doch liegt der Schwerpunkt auf Konzipierung eigener Vorstellungen….Mit „Monbijou“, einer schon recht ausgereiften Eigenkomposition, in der alle vorherrschenden Elemente der Gruppe enthalten sind, liegt bereits das erste bewertbare und bemerkenswerte Ergebnis von Bajazzo vor.“

Lorenz stieg 1982 aus und ein Jahr später verpflichtete Bajazzo die Nachwuchssängerin Jaqueline Jacob.  Für Peter Beck kam 1984 Michael Behm (dr,  Ex-Stern Meißen).

Rainer Bratfisch schrieb in der M&R 5/1984: „Durch die Gefilde Jazz-Rock, Rock-Jazz, Fusionsmusik windet sich der Weg der vier Musiker um Gitarrist Jürgen Heckel. Nach anfänglichem Auf und Ab scheint er seit längerem kontinuierlich nach oben zu führen, wobei dieses „oben“ für Bajazzo nicht unbedingt identisch ist mit Plätzen in Wertungssendungen oder mit Medienpräsenz (auch wenn sie nichts dagegen hätten), sondern vielmehr Anerkennung ihrer Musik bei einem möglichst großen Publikum bedeutet. Nicht unwesentlichen Anteil an der Ausprägung eines eigenen Profils, einer unverwechselbaren Klangfarbe, hat die Zusammenarbeit mit der Sängerin Jaqueline Jacob…Dem Jazz gehört ihre große Liebe. Balladen, Titel, die sowohl die leisen, als auch die lauten Töne fordern, liegen ihr besonders. Bis 1983 holte sie sich an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ das notwendige Rüstzeug, in der Horst Krüger-Band und bei Power And Emotion sammelte sie erste Bühnenpraxis. Im Mai 1983 kam sie zu Bajazzo – für eine junge Sängerin wohl ein ideales Experimentierfeld. Kisten Steineckert und Katherina Koch schrieben erste Texte für sie. Daneben singt sie Titel von George Duke, Chick Corea und den Crusaders. Jürgen Heckel komponierte den „Song For Al (Jarreau)“ für sie. Keyboarder Frank Nicolovius schrieb den Text….Noch heute staunen viele nicht schlecht, wenn sie Michael Behm, vormals Stern Meißen und Drei, bei Bajazzo am Schlagzeug sehen. Der Wechsel ist beiden indes außerordentlich gut bekommen. Michael kann hier eine Musik machen, die ihm mehr abverlangt, als Abend für Abend die stereotypen Hörerwartungen einer Fangemeinde zu erfüllen…Von der alten 1978er Besetzung ist neben Jürgen nur noch Gerhard Kuhbach (b). dabei. 1980 kamen dann Lothar Hartig (s) und Frank Nicolovius dazu. Lothar spielt übrigens gelegentlich mit Iven Hausmann (tb) im Duo, Jürgen mit Uwe Kropinski…Auf der „Kleeblatt“-LP 8/83 sind sie zu hören….Werner Sellhorn erarbeitete mit der Gruppe ein Schülerkonzert, das spezielle Kenntnisse über Swing, Bebop, Hard Bop und natürlich Fusionsmusik vermitteln soll. Auch als Sessionband ist Bajazzo gefragt, zuletzt bei der diesjährigen „Jazzbühne Berlin“…Irgendwann ist auch Ferry Grott bei einer solchen Session zugestiegen, inzwischen gehört er dazu…“         

Später stieß dann noch Helmut Forsthoff (sax, Ex-Modern Soul, SOK) zur Band, der jedoch später von Falk Breitkreuz abgelöst wurde. 1987 kam es zur Zusammenarbeit mit der Jazzsängerin Pascal von Wroblewsky, mit der man im gleichen Jahr bei Amiga die LP ”Fasten Seat Belts” einspielte. Neben Bajazzo gibt es auch Projekte außerhalb der Band, so spielt Heckel im Volker-Schlott-Quartett, Michael Behm leitet die Band Fill In, Frank Nicolovius betreibt ein Duo mit Jaqueline Jacob. 

www.wroblewsky.de


Diskografie Amiga (LP)

Bajazzo feat. Pascal von Wroblewsky, Fasten Seat Belts, 856 324,1988: Seite1: Maracuja, 6:02, Jürgen Heckel, Street Life, 7:17, Joe Sample / Will Jennings, Simple Minds, 5:05, Jürgen Heckel, Agonie, 5:00, Jürgen Heckel,

Seite2: Fasten Seat Belts !, 6:25, Jürgen Heckel, A Night In Tunesia, 5:27, Dizzy Gillespie / Frank Paparelli / Arif Mardin / Chaka Khan, Sambalita, 5:45, Jürgen Heckel, Brass Dance, 4:31, Jürgen Heckel, Recorded 01.- 22. 09 1987, AMIGA-Studios, Berlin, eingespielt von: Bajazzo: Jürgen Heckel (g, ld), Frank Nicolovius (keyb), Gerhard Kuhbach (b), Michael Behm (dr), zusätzlich: Pascal von Wroblewsky (voc), Helmut Forthoff (ts), Dudu Tucci (perc), Fun Horns: Joachim Hesse (tp), Jörg Huke (tb), Volker Schlott (as), Thomas Klemm (ts), Cover: Joachim Geisler, Foto: Alexander Stingl, Musik-und Tonregie: Dieter Ortlepp, Produktion: Jürgen Lahrtz, Covertext: Ulf Drechsel 

 

Ulf Drechsel im Covertext: “FASTEN SEAT BELTS! Weitgereiste Leute wissen: Die Aufforderung, sich vor dem Start eines Flugzeugs anzuschnallen. Die Hörer vorliegender LP sollten dies nicht so wörtlich nehmen, denn Bajazzo-Musik geht auch in die Beine. Die Band bringt zwei Dinge auf einen Nenner: Das Hörerlebnis und einen hohen Unterhaltungswert. Neben inzwischen erfreulicherweise etlichen anderen Gruppen schließt Bajazzo damit eine Lücke zwischen oft nur von Insidern akzeptiertem zeitgenössischen (freien) Jazz und schnellem moralischen Verschleiß unterliegender Pop-Musik. Dieses Konzept verfolgt Bajazzo seit der Gruppengründung im Herbst 1978. Seither vollzog sich ein unüberhörbarer Reifeprozeß – verbunden mit einigen personellen Veränderungen. Wie schon 1978 spielt Bajazzo heute wieder in Quartett-Besetzung: Jürgen Heckel, Gitarre, Leiter; Frank Nicolovius, Keyboards; Gerhard Kuhbach, Baß; Michael Behm, Schlagzeug. Die Sängerin Pascal von Wroblewski ist sehr oft mit Bajazzo auf der Live-Szene zu erleben. Sie sieht die Band als ihr gegenwärtiges Hauptbetätigungsfeld und beweist damit einmal mehr stilistische Vielfältigkeit – ohne das Typische ihrer Stimme zu verbiegen. Vielmehr gibt Pascal van Wroblewski jedem von ihr gesungenen Song  eine eigene, eben ihre Prägung. Auf dieser LP nachvollziehbar anhand des Crusaders-Hits „Street Life“ (im Original gesungen von Randy Crawford) und der Dizzy Gillespie-Komposition „A Night In Tunesia“. Die Vorlage für die Bajazzo/v.Wroblewski-Version dieses Jazz-Klassikers lieferte eine Bearbeitung des Stückes für die Sängerin Chaka Khan. In Konzerten tritt Bajazzo häufig mit Gästen auf. Insofern ist die Besetzungsliste dieser LP keine so große Ausnahme von der Regel. Da sind zunächst der Saxophonist Helmut Forsthoff und die FUN HORNS, die als Kern der Gruppe COLLEGE ebenso für Aufsehen sorgte, wie als vierköpfige Live Band und als exquisiter Bläsersatz bei Studioproduktionen unterschiedlichster Art. Als hierzulande noch relativ unbekannter Name taucht als weiterer Gast der aus Brasilien stammende Perkussionist Dudu Tucci auf, der all sein Können in „Sambalita“ unter Beweis stellt, indem er mittels Mehrspurtechnik ein faszinierendes Rhythmusgeflecht zaubert. Aber auch die mit starkem Latin-Groove gespielten, von Jürgen Heckel komponierten Stücke verdeutlichen, dass BAJAZZO seit 1982 – als mit der Band zwei Titel für die Amiga-Kleeblatt-LP Nr.8 (855 938) eingespielt wurden – künstlerisch eine großen Schritt nach vorn gegangen ist. Neun Jahre intensive Arbeit münden in diese erste Bajazzo-LP. Ob man es nun Jazz, Rock-Jazz oder Pop-Musik nennt, ist sekundär. Es ist Bajazzo-Musik, Musik – ohne Hinzunahme modischer technischer Tricks und Spielereien, Musik für Herz und Hirn.“    


Amiga (Titel)

Monbijou, 5:07, Jürgen Heckel, Latin-Waltz, 5:07, Jürgen Heckel auf LP „Kleeblatt No.8“, Amiga 855 983, 1988

Brass Dance, 4:31, Heckel auf LP „Das Album-Rock Bilanz 1988“, Amiga 856 390/91, 1988