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CD


Nach der Wende wurden bei DSB (Deutsche Schallplatte Berlin), Buschfunk, Barbarossa, Amiga (unter den Majors Hansa, Bertelsmann, Sony) und Sechzehnzehn einige CD-Serien und Sampler  veröffentlicht, von denen die meiner Meinung nach Interessantesten hier Beachtung finden sollen. Einige der CD's sind heute nur noch im Second-Hand zu bekommen.

Den Beginn macht die Serie „Beatkiste – Hit-Raritäten aus dem DDR-Rundfunkarchiv“, die zwischen 1995 und 1997 bei der Edition Barbarossa erschienen sind. Hier wurden auf 10 CD (8 Serien-CD und zwei „Super-Beatkisten“) ausschließlich Titel veröffentlicht, die nicht auf AMIGA erschienen sind und im Rundfunk der DDR produziert wurden. In den Jahren des kulturellen Aufbruchs in der DDR und der damit verbundenen „neuen“ Einstellung der Funktionäre zur sogenannten „Jugendtanzmusik“ ist es vor allem der Rundfunk der DDR, der den aufstrebenden DDR-Bands, aber auch den Gruppen aus den anderen damaligen sozialistischen „Bruderländern“ die Möglichkeit gab, Titel zu produzieren. Heute muss wohl gesagt werden, dass das Rundfunkarchiv über weit mehr Titel verfügt, als das ehemalige AMIGA-Archiv.


BeatKiste

BeatKiste 1, Edition Barbarossa EdBa 01318-2, 1995:  Alte Bänder , 4:21, Rüdiger Barton / Jan Witte ,Magdeburg, 1979,  Liebesroulette, 3:18, Uwe Haßbecker / Jan Witte, Stern Meißen, 1983, Hey, little Girl, 4:43, Andre Sell / Karsten Sahling, Andre Sell, Hartmut Laser, Lucie, 1989,  Kleine Freundin aus Schönefeld, 2:47, Lutz Kirsten / Kurt Demmler, Karussell, 1977, Der Junge sitzt am Ufer, 4:11, Klaus Lass, Transit, 1977, Wände wie aus Glas, 6:20, Stephan Trepte / Ingeburg Branoner, Reform, 1980, Ich will halten die Zeit, 4:59, Lutz Künzel / Andreas Knaup, SET, 1983, Sehsucht, 1:48, Peter Gläser / Petronius Arbiter, Cäsar, 1972, Du machst mich verliebt, 3:31, Regenbogen / Helmut Kontauts, Regenbogen, 1979, Die lebenden Toten, 3:39, Ulrich Swillms / Kurt Demmler, Karat, 1977, Der Baum, 4:24, Peter Ludewig / Kurt Demmler, Electra, 1975, Eine Mütze voller Träume, 3:38, Thomas Natschinski / Ingeburg Branoner, Thomas Natschinski, 1977, Tanzpalast, 3:15, Frank Lausch, Tanzpalast, 1988, Atlantis, 4:33, Stephan Trepte / Joachim Krause, Lift, 1974, Noahs Taube, 3:53, Heinz Jürgen Gottschalk / Ingeburg Branoner, Gotte Gottschalk, 1981, Jeden Tag, jede Nacht, 4:36, Ralf Bursy / Jürgen Matkowitz, Prinzip, 1986, Nimm dir Zeit für den Wind, 4:00, Hartmut Schulze-Gerlach, Peter Rosenau-Sextett, 1972, Ein Tag, der bleibt fürs Leben, 3:25, Thomas Natschinski / Fritz Jochen Kopka, Brot und Salz, 1975


BeatKiste 2, Edition Barbarossa EdBa 01319-2, 1995: Gottlose Lieder, 5:02, Dietrich Kessler / Jan Witte, Magdeburg, 1980, Schulzeit, 3:16, Michael Barakowski, Perl, 1984, Kleine Frauen, 3:36, Dirk Michaelis / Jochen Hohl / Michael Sellin, Karussell, 1988, Still, bleib still, 3:26, Andre Sell / Karsten Sahling / Hartmut Laser / Andre Sell, Lucie, 1988, Herrliche Berge, 6:02, Romuald Lipko / Krzystof Cugowski / Adam Sikorski / dt: Kurt Demmler, Budka Suflera, 1976, Männerfantasie, 4:11, Peter Gläser / Sascha Anderson, Cäsars Rockband, 1984, Meine Schulden, 2:00, Gerhard Zachar / Frieder Burkhard, Lift, 1974, Das Samenkorn, 3:09, Rainer Uebel, Peter Ludewig / Kurt Demmler, Electra, 1978, Traurig schwieg ein Mädchen, 6:06, György Molnar / Janos Kobor / dt: Bernd Maywald, Omega, 1972, Mein Herz muß barfuß gehen, 2:37, Thomas Natschinski / Kurt Demmler, Thomas Natschinski, 1977, Heinrich der Kneiper, 4:04, Egon Linde / Siegfried Scholz, Transit, 1979, Einfacher Mann, 2:59, Vier PS / Kurt Demmler, Frank Hille & 4 PS, 1980, Charlie, 3:54, Herbert Dreilich / Georg Friedrich, Karat, 1975, Goldener Herbst, 3:11, Dialog / Gisela Steineckert, Dialog, 1985, Trag diesen Ring, 3:00, Andrzej Zielinski / Lesek Moczulski / dt: Wolfgang Brandenstein, Die Skalden, 1974, Stefans Traum, 3:54, Heinz Jürgen Gottschalk / Carola Rosbund, Gotte Gottschalk, 1983, Nichts zu machen, Feuer brennen, 3:24, Helmut Frommhold / Wolfgang Tilgner, Brot und Salz, 1975, Weiter weiter, 4:21, Viktor Heyse, Peter Grasnigk, Bernd Bangel / Monika Jacobs, Peter Holten-Septett, 1972


BeatKiste 3, Edition Barbarossa EdBa 01320-2, 1996: Katzenjammerreggae, 3:58, Ulrich Mücke / Sascha Anderson, Cäsars Rockband, 1984, Weil es ans Leben geht, 5:36, Georgi Gogow / Hartmut König, NO 55, 1985, Meine Erde, meine Welt, 3:22, Franz Bartzsch / Kurt Demmler, Veroniker Fischer, 1974, Apfelbäume, 3:05, Andre Sell, Hartmut Laser / Andre Sell, Lucie, 1984, Wird ein Leben neu geboren, 3:27, Heinz Jürgen Gottschalk / Carola Rosbund, Gotte Gottschalk, 1984, Samstagsabendballade, 4:10, Thomas Natschinski / Kurt Demmler, Thomas Natschinski, 1979, Morgen ist ein neuer Tag, 3:46, Thomas Kurzhals / Jan Witte, Stern Meißen, 1983, Ufer der Nacht, 4:44, Andreas Bicking / Fred Gertz, Andreas Bicking, 1988, Jeden Tag ein Stück, 4:05, Ulrich Pexa / Georg Friedrich, Karat, 1975, Zelten, 4:55, Egon Linde / Siegfried Scholz, Transit, 1976, Die blaue Taube, 3:42, Romuald Lipko / Kirsten Steineckert, Budka Suflera, 1976, Weisheit, 4:28, Peter Ludewig, Rainer Uebel / Kurt Demmler, Electra, 1975, Zeit der Rock´n´ Roll, 3:07, Volker Thiele / Joachim Christian Rau, Scirocco, 1981, Neuer Tag bricht an, 4:53, Michael Heubach / Kurt Demmler, Lift, 1976, Was mich ergreift, 3:24, Ingo Koster / Fritz Jochen Kopka, Brot und Salz, 1974, Zerbrechlicher Schwung, 4:16, György Molnar / Janos Kobor / dt: Bernd Maywald, Omega, 1972, Ich singe gerne Lieder, 4:01, Viktor Heyse / Stefan Diestelmann, Babylon, 1976, Nebeltag, 4:37, Jochen Hohl / Kurt Demmler, Karussell, 1978


BeatKiste 4, Edition Barbarossa EdBa 01321-2, 1996:  Jagd auf Liebe, 4:52, Rosalili / Claire Din, Rosalili, 1988, Steigen Nebel, 4:07, Michael heubach / Bernd Böhlich, Lift, 1985, Zu Fuß, 3:54, Peter Gläser / Sascha Anderson, Cäsars Rockband, 1984, Tshigiten-Legende, 3:32, Viktor Heyse / Karl-Werner Plath, Babylon, 1976, Hoffnung, 3:14, Herbert Dreilich, Die Alexanders, 1970, Fort für einen Abend, 3:38, Ernst Lemke / Kurt Demmler, Express, 1979, Welt im Sand, 3:50, Reinhard Huth / Andreas Henschel, Karussell, 1977, Weißt du noch, 3:58, Andreas Bicking / Ralf Schmidt, Andreas Bicking, 1988, Wir gehn zu mir, 2:46, Michael Matthies / Ingeburg Branoner, Keks, 1978, Der Morgen auf dem Gipfel, 3:13, Thomas Natschinski / Jan Witte, Thomas Natschinski, 1979, Aus dem All, 3:40, Ralf Schmidt / Harry Jeske, IC, 1984, Am Fluß die Weide, 3:30, Gunter Wosylus / Wolfgang Tilgner, Puhdys, 1972, Einmal unsichtbar sein, 5:43, Bernd Aust / Wolfgang Tilgner, Electra, 1976, Schwester, 4:16, Ulrich Swillms / Herbert Dreilich, Karat, 1975, Heißes Land, 3:50, Klaus Weigert / Burkhard Lasch, Magdeburg, 1975, Ein Augenblick der Zärtlichkeit, 3:23, Lutz Künzel / Andreas Knaup, SET, 1985, Das Bild, 4:17, Thomas Kurzhals / Norbert Jäger, Stern Meißen, 1978, Straßen, die dich weiterführen, 7:08, Viktor Heyse, Bernd Bangel, Peter Grasnigk / Wolfgang Müller, Peter Holten-Septett, 1972


BeatKiste 5 Die Jahre 1970-1974, Edition Barbarossa, EdBa 01329-2, 1996:  Fluß der toten Fische, 3:30, Christian Höhle / Ingeburg Branoner, Modern Soul Band, 1974, Dieses ist das Land, 3:45, Franz Bartzsch / Kurt Demmler, Veroniker Fischer, 1974, Stapellauf, 3:30, Norbert Schmidt / Bernd Maywald, Joco Dev Sextett, 1970, Zukunft, 3:20, Peter Gläser / Joachim Wenk, Klaus Renft-Combo, 1971, Eine Strähne deines Haares, 4:10, Peter Ludewig / Bernd Maywald, Electra, 1972, Meine Liebe, 3:40, Herbert Dreilich / Heinz Kahlau, Herbert Dreilich, 1974, Treibe die Zeit, 4:00, Viktor Heyse / Jürgen Klammer, Peter Holten Septett, 1973, Regenbogen spann dich weit, 3:15, Luise Mirsch / Jens Gerlach, Horst Krüger Septett, 1971, Kerth´s Shuffle, 4:55, Jürgen Kerth, Gruppe Jürgen Kerth, 1974, Telefonballade, 4:05, Arnold Fritzsch / Arnold Fritzsch, Eva Fritzsch, Kreis, 1974, Babette und ihre Augen, 3:05, Wilfried Peetz, Theo Schumann-Combo, 1971, Nachts, 4:10, Herbert Dreilich, Die Alexanders, 1970, Du gehst, wie du kamst, 2:20, Rudolf Ulbricht / Joachim Krause, Dresden-Sextett, 1970, Tanz der Apsara, 4:30, Christoph Theusner, Bayon, 1973, Plötzlich fehlt irgendwas, 3:10, Volker Thiele, Hendryk Wendt / Bernd Maywald, Scirocco, 1973, Hundertachtzig Tage, 4:05, Herbert Dreilich, Panta Rhei, 1973, Laß mir diese Nacht, 5:20, Klaus Lenz / Ingeburg Branoner, Uschi Brüning & Orchester Klaus Lenz, 1972, Blues für R., 4:40, Hermann Anders, SOK, 1974


BeatKiste 6 Die Jahre 1975-1979, Edition Barbarossa, EdBa 01330-2, 1996:  Kipper Keule, 3:42, Thomas Bürkholz / Jan Witte, SET, 1978, Holzfäller, 3:25, Gisbert Koreng / Kurt Demmler, electra, 1978, Dein Vater sagte, 4:55, Johannes Biebl / Kurt Demmler, Vier PS, 1977, Mensaschaffe, 3:10, Egon Linde / Siegfried Scholz, Transit, 1976, Hat der Tag sein Werk vollbracht, 3:00, Werner Kunze / Burkhard Lasch, Stern Meissen, 1975, Nebel, 4:00, Stefan Trepte, Werner Kunze / Ingeburg Branoner, Reform, 1977, Funky, funky, 4:23, Michael Behm / Ingeburg Branoner, Neue Generation, 1977, Ich lauf durch die Stadt, 3:55, Ulrich Pexa / Jens Gerlach, Karat, 1975, Leute baut das Haus zu Ende, 3:00, Seweryn Krajewski / Ingeburg Branoner, Rote Gitarren, 1975, Fieber, 4:10, Dietrich Kessler / Burkhard Lasch, Klosterbrüder, 1975, Auf Achse, 4:20, Gunter Wosylus / Harry Balkow-Gölitzer, Metropol, 1979, Ich hab getanzt mit ihr, 3:45, Joachim Gerber / Winrich Fleischer, Klink-Formation, 1979, Seh in die Kerzen, 2:55, Stephan Trepte / Joachim Krause, Stephan Trepte und Klaus Lenz-Big Band, 1977, Was wäre wenn, 3:10, Sieghart Schubert / Klaus Kühne, Holger Biege & Sieghart Schubert Formation, 1976, Keine Zeit für die Liebe, 4:10, Jürgen Kerth, Jürgen Kerth, 1975,  Will keine andre, 2:45, Thomas Natschinski / Ingeburg Branoner, Thomas Natschinski, 1979, Das Konzert bei euch begann, 5:15, Wolfgang Fiedler / Clemens Kerber, Hansi Klemm & Klaus Lenz Big Band, 1976, Wenn einer geht, 5:15, Express / Gerd Kern, Gruppe Express, 1979


BeatKiste 7 Die Jahre 1980-1984, Edition Barbarossa, EdBa 01331-2, 1996:  Eiskalt, 3:21, Regenbogen, 1984, Wolken ziehen hin, 3:53, Cäsars Rockband, 1983, Roll mich zurück in den Fluß, 3:17, Express, 1982, Halt mich fest, 3:54, Veronika Fischer, 1980, Bahnhof, 4:46, Gong, 1981, Erde halt die Balance, 4:42, Babylon, 1984, Winter an der See, 4:07, Transit, 1984,  Der Blues Glückseligkeit, 3:56, Modern Soul Band, 1981, Der erfrorene See, 3:50, Thomas Natschinski, 1980, Knippe, 3:40, Metropol, 1981, Rockmaschine, 3:57, Brigitte Stefan & Meridian, 1983, Große Landschaft, 6:07, Lift, 1981, Hungrige Augen, 3:27, Christin D., 1982, Gold und Silber, 4:46, Datzu, 1984, Willste nich uffstehn, 4:18, Formel I, 1982, Nur mit dir, 3:09, Rockhaus, 1983, Macht mich nicht an, 4:51, Tino, 1984, Wir lassen uns nicht schocken, 3:18, Keks, 1982


BeatKiste 8 Die Jahre 1985-1989, Edition Barbarossa, EdBa 01332-2, 1996:  Alles Lüge, 2:40, Crystal, 1988, Wir müssen was tun, 3:24, PUR (Radig), 1988, Alpha 89, 4:49, Lucie, 1989, Europa, 5:15, Lift, 1987, Die bösen Jungs kommen, 2:46, Feuerstein, 1987, Not far away, 4:18, Die Zöllner, 1989, Engel, 4:41, Matthias Lauschus-Band, 1989, Einsamer Pilot, 4:00, Helle Farben, 1988, Wer ist das Mädchen, 3:42, Tobias Künzel, 1989, Keine Sterne, 3:51, Rosalili, 1988, Lange Nächte, 3:26, Tutti Paletti, 1987, Dummer August, 3:44, T & W Music, 1987, Tarantella, 4:30, Blitzz, 1989, Flieg flieg Engel, 5:20, Prinzip, 1989, Wieder mal fliegen, 4:12, Electra, 1985,  Balaton, 2:42, Juckreiz, 1985, So eine lausige Ratte, 3:39, Keimzeit, 1989, Die neumodische Beatmusik, 2:18, Herzbuben, 1988


Super BeatKiste 1, Edition Barbarossa, EdBa 01323-2, 1997:  Tritt ein in den Dom, 5:20, Stefan Trepte & electra, 1989, Im Bauch des Riesen, 4:32, Cäsar’s Rockband, 1983, Ralph’s Rundfunk-Rap, 3:49, Ralph Longdrink and his vier Barhockers, Du bist schön, 6:00, Die Zöllner, 1990, Mama, sag mir warum, 5:09, Keimzeit, 1988,  White Wooden Houses, 3:40, Bobo In White Woode Houses, Der schönste Junge, 2:11, Herzbuben, 1989, Wieder mal zu spät, 2:34, Tobias Künzel, 1988, Zeit die nie vergeht, 5:10, Michael Barakowski und Freunde, 1988, Du braver Soldat, 3:37, Maschine und Männer, 1990, Kein Märchen, 4:39, Gerhard Gundermann &  Die Wilderer, 1991, Memento mori, 5:37, Lift, 1985, Tätowierte Herzen, 4:15, Reform, 1986, Du bist so laut, 4:28, Mathias Lauschus-Band, 1989, Sagen meine Tanten, 3:26, Scirocco, 1989, Sticker aus Tallin, 3:34, Juckreitz, 1983, Kinder ich bin nicht der Sandmann, 2:13, Amor  & Die Kids, 1989, Gentleman, 2:41, Puhdys, 1979


Super BeatKiste 2, Edition Barbarossa, EdBa 01335-2, 1997:  Wir bleiben hier, 4:32, Jereczinski / Trad. / Harnisch / Ulrich,Concordia Sample Breakers, 1989, Nach der Schlacht, 3:50, Thomas Schoppe / Kurt Demmler, Folkländers Bierfiedler, 1989, Die Letzten, 3:32, Wilki Wilkendorf, Gerhard Gundermann / Gundermann, Gundermann, 1990, Ewig leben, 3:01, Dieter Birr, Peter Meyer / Dieter Birr, Maschine & Männer, 1990, Der Kampf um den Südpol, 7:20, Stern Combo Meißen / Kurt Demmler, Fißler Gang, 1989, Die Patrizier, 3:56, Egon Linde / Siegfried Scholz, Transit, 1982, The Color Of My Tears, 3:11, Arnold Fritzsch, Ines Paulke, 1987, My Generation, 2:33, Pete Townshend, Herzbuben, 1989, Yesterday, 4:12, Lennon / McCartney, Silly, 1981, Play With Fire, 6:15, Phelge, Panta Rhei, 1972, Wilde Awake, 4:00, Hebold, Bobo In White Wooden Houses, 1990, Heute bleib ich nicht zu Haus, 3:57, Manfred Henning / Burkhard Lasch, Ute Freudenberg & Elefant, 1981, Die Boxerbraut, 2:35, Thomas Natschinski / Ingeburg Branoner, Thomas Natschinski, 1980, Die nächtliche Landstraße, 4:20, Gabor Presser / Anna Adamis / dt: Bernd Maywald, Omega, 1972, Der Edel-Rocker, 3:26, Formel1,  Formel1, 1985, Ich muss hinaus, 2:49, Sieghard Schubert / Ingeburg Branoner, Holger Biege & Sieghard-Schubert-Formation, 1976, Grand Hand, 5:06, Dietrich Kessler / Jan Witte, Magdeburg, 1980, Deutschland einig Vaterland, 3:02,  Concordia Sample Breakers, Jereczinski / Trad. / Harnisch 1990


Amiga Rock-Raritäten ist vielleicht ein etwas irreführender Titel der Sammlung, da alle auf den drei CD’s erschienenen Titel zuvor in der DDR auf AMIGA veröffentlicht wurden. Trotzdem ist es gelungen, viele heute kaum gespielte Songs in einer Kompilation zu vereinigen – das macht für mich den eigentlichen Reiz aus und war damals auch ein Grund die Sammlung zu kaufen.

Amiga Rock Raritäten

Sampler, Amiga Rockraritäten CD1 1971-1975, Amiga 74321 66265 2, 1999:  Dich laß ich nicht los: 3:21, Thomas Natschinski / Hartmut König, Thomas Natschinski & Gruppe, Single B-Seite 455 819, 1971, Sie, 3:08, Gerhard Zachar / Krause, Dresden Sextett, Single A-Seite 455 820, 1971, Denkste, 1:58, Ulbricht / Dina Straat, Dina Straat & Dresden Sextett, Single B-Seite 455 820, 1971, Küsse bei Nacht, 4:55, Seweryn Krajewski / Dieter Schneider, Rote Gitarren, Single A-Seite 455 855, 1971, Wachsein im Dunkel, 5:30, Seweryn Krajewski / Bernd Maywald, Rote Gitarren, Single B-Seite 455 855, 1971, Mädchen, mir kommt’s verdächtig vor, 4:01, Jürgen Kerth, Gruppe Jürgen Kerth, Single B-Seite 455 868, 1972, Schluß mit dem Märchen, 3:46, Pavol Hammel / Ingeburg Branoner, Pavol Hammel & Prudy, Single A-Seite 455 882, 1972, Braune Augen, 4:25, Günter Fischer / Lange, Gruppe Simultan, Single B-Seite 455 889, 1972, Soll das alles sein, 5:04, Wolfgang Ziegler / Jens Gerlach, WIR, Single A-Seite 455 895, 1972, Marie, 3:10, Jürgen Kerth / Recknagel, Jürgen Kerth-Quartett, Single A-Seite 455 970, 1973, Skandal, 2:49, Franz Bartzsch / Kurt Demmler, Christiane Ufholz & Lift, Single A-Seite 455 986, 1974, Die eig’ne Fantasie, 4:28, Gerhard Laartz / Bernd Maywald, Modern Soul Band, Single B-Seite 456 031, 1974, Komm doch einfach mit, 2:50, Franz Bartzsch / Krause, Lift, Single B-Seite 456 033, 1974, Nacht und Tag, 4:16, Ed Swillms / Jens Gerlach, Panta Rhei, Single A-Seite 456 038, 1974, Doch das Feuer dieser Erde, 2:35, Peter Sandkaulen / Lath, Electra-Combo, Single A-Seite 456 041, 1974, Wie ein Pfeil, 3:44, Gunther Wosylus / Burkhard Lasch, Puhdys, Single A-Seite 456 049, 1974, Als ich noch ein Kind war, 4:03, Veronika Fischer & Band / Ingeburg Branoner, Veronika Fischer & Band, Single A-Seite 456 090, 1975, Chef, laß mich rein, 2:45, Helmut Frommhold / Fritz Jochen Kopka, Brot & Salz, Single B-Seite 456106, 1975, Die Frau des Seiltänzers, 3:25, Emil Bogdanow, City Rock Band, Single A-Seite 456 120, 1975, Der Spatz, 2:48, Georgi Gogow / Jens Gerlach, City Rock Band, Single B-Seite 456 120, 1975, Du und ich, 3:15, Henning Protzmann / Jens Gerlach, Karat, Single B-Seite 456 124, 1975

Marcus Heumann schrieb im Begleittext: „Unsere Kompilation beginnt in einem Jahr, indem Beat- bzw. Rockmusik in der DDR wieder staatlicherseits toleriert, ja sogar gefördert wurde: 1971. Mit Tagen der offenen Tür für Amateurbands beim Rundfunk, der Aktion „Rhythmus 71“ und der Veröffentlichung erster Singles versuchten die Verantwortlichen, die DDR-Beatszene zu reanimieren, die seit dem berüchtigten 11. Plenum 1965 ein Schattendasein am Rande der Legalität geführt hatte. Den Startschuß für diese Wiederentdeckung hat es nicht gegeben. Ein Faktor war die liberalere Kulturpolitik Erich Honeckers, der 1971 Walter Ulbricht aus dem Amt des SED-Generalsekretärs verdrängte. Derselbe Honecker, der auf dem 11. Plenum noch den Hauptangriff gegen Beatmusik geführt hatte, verkündete nun in bemerkenswerter Doppeldeutigkeit, wenn man von einem festen sozialistischen Standpunkt ausginge, dürfe es keine Tabus geben. Immer fest im Blick hatten die zuständigen Funktionäre auch die für Sommer 1973 bevorstehenden Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Ost-Berlin, bei denen man um (fast) jeden Preis Weltoffenheit demonstrieren wollte.

Den Auftakt unserer Sammlung mit Single-Raritäten macht die B-Seite der vorletzten Single von Thomas Natschinski und seiner Gruppe. Seine Band war zu Zeiten des Beat-Verbots neben der Theo Schumann Combo die einzige gewesen, die bei AMIGA Chancen hatte. Während Schumann einen technisch perfekten, aber leicht antiquierten Beat-Verschnitt mit belanglosen Texten produzierte, waren es bei Thomas Natschinski die linientreuen Texte Hartmut Königs und die Nähe der Gruppe zur FDJ-Singebewegung, die den Verantwortlichen bei AMIGA die verzerrten Gitarren erträglich machten. Zudem entsprach die Natschinski-Gruppe (bis 1966: Team 4) einer unbedingten Forderung der Funktionäre, die nur wenige Bands erfüllten: gesungen werden sollte in Deutsch – eine Voraussetzung für Funk- und Plattenproduktionen, an der bis kurz vor Ende der DDR eisern festgehalten wurde. Die Thomas Natschinski-Gruppe löste sich 1971 auf, erstens weil die Meinungen über den künftigen musikalischen Weg innerhalb der Band immer mehr auseinandergingen, zweitens, weil mehre Bandmitglieder zur Armee eingezogen wurden. 1973 formierte Natschinski aus einigen ehemaligen Musikern seiner Band die Gruppe Brot & Salz, die auf dieser CD mit ihrem Hit von 1975 „Chef, laß mich rein“, vertreten sind. Ein Stück, dass sich mit dem obligatorischen und oft gnadenlosen „Einlaßdienst“ bei Tanzveranstaltungen beschäftigt.

Ein musikalisches Vorbild des Dresden-Sextetts (aus dem später die Gruppe Lift wurde) waren eindeutig die britischen „Zombies“. Schon 1969 hatten Gerhard Zachar und seine Band beim Sender Dresden eine deutschsprachige Cover-Version von „She’s Not There“ aufgenommen („An einem Tag im September“, zu hören auf der CD „Amiga A Go Go Vol.2 - ostbeat). Auch das hier zu hörende „Sie“ ist im Vocalise-Mittelteil stark vom englischen Vorbild inspiriert. Typisch für die damalige Zeit der Text: in den frühen Werken von DDR-Bands werden pausenlos hübschen jungen Mädchen schwere Koffer hinterhergetragen – ein Tribut an die Forderung der Kultur-Kontrolleure, die Texte müssen von „Achtung gegenüber dem anderen Geschlecht „ geprägt sein. Auf der Rückseite: „Denkste“, gesungen von Dina Straat, der Ehefrau Zachars, die damals noch fest zur Gruppe gehörte und sich später auch bei ihren Schlagerproduktionen gerne von Lift begleiten ließ. Wie gesagt: mit Sex & Drugs hatte der DDR-Rock’n’Roll auf AMIGA damals noch wenig zu tun, Ausnahmen bestätigen die Regel: so die erste DDR-Single der Roten Gitarren aus Warschau. Um den durch das Beatverbot entstandenen Terrainverlust wettzumachen, luden Funk und Platte damals gerne Bands aus solchen „sozialistischen Bruderländern“ in ihre Studios ein, in denen sich während der 60er Jahre die Szene relativ unbehindert entwickeln konnte. Insbesondere ungarische und polnische Bands inspirierten so den frühen DDR-Rock – und führten sozusagen „unverzollt“ brisantes musikalisches Material in die DDR ein. Die A-Seite der Roten Gitarren, „Küsse bei Nacht„, ist unter das Rubrum Hardrock mit Soft-Text einzuordnen (mit einem Gitarrensolo allerdings, dass wie die musikalische Umsetzung eines ziemlich wilden Zungenkusses klingt). Mit der Rückseite „Wachsein im Dunkel“ aber schafften es die Jungs um Seweryn Krajewski, eine echte Psychedelic-Nummer durch die Lektorate von Funk und Platte zu mogeln. Der durchaus adäquate Text kam vom Fernsehregisseur und „Notenbank“-Erfinder Bernd Maywald, und das Endresultat wirft die Frage auf, welche Drogen wohl damals in Polen konsumiert wurden….

„Mädchen, mir kommt’ s verdächtig vor“ war der erste Single-Titel der Erfurter Gruppe um den begnadeten Gitarristen Jürgen Kerth – und ein Nummer 1-Hit in den Wertungssendungen des Rundfunks. Diese Thüringer Lokalmatadoren waren eine Band, die sich nie einem kurzlebigen Trend verkaufte, doch immer offen für neue musikalische Einflüsse blieb – sei es Reggae oder später auch New Wave. Vielleicht blieb gerade deshalb – trotz eines treuen Stammpublikums – der ganz große Erfolg für die Gruppe aus. „Marie“, der zweite Kerth-Titel auf dieser CD, wischt ganz nebenbei dem erfolgreichen Thüringer Volksmusikanten Herbert Roth eins aus, der ein musikalisches Feindbild der rockbegeisterten Jugend war.

Pavol Hammel und die Gruppe Prudy (dt: „Ströme“) waren ein weiterer „Bruderland-Import“ und neben Collegium Musicum damals die innovativste slowakische Band. Zwischen Prudy und Collegium Musicum bestanden auch enge personelle Band: Der charismatische „Collegium“-Gründer Marian Varga kam von Prudy und realisierte auch später immer wieder Co-Produktionen mit Hammel. 1972 nahm Prudy in der DDR sowohl am „Festival des politischen Liedes“ wie auch an der „Rhythmus 72“-Aktion teil.

„Braune Augen“ mit der vogtländischen Gruppe Simultan ist ein weiteres Beispiel für die merkwürdigen Zwitter, die der junge DDR-Rock hervorbrachte. Verzerrte Gitarren kombiniert mit schlagerhaften Texten (obwohl die Zeile „Deine Augen flohen wie zwei Rehe ins Wimperngewirr“ schon wieder psychedelische Qualitäten aufweist). Simultan war eine Amateurgruppe, die sich in späteren Jahren dreimal das Prädikat „hervorragendes Amateurtanzorchester der DDR“ erspielte. Nebenbei: das Cover ist ein heißer Anwärter für den Titel „mißlungenste AMIGA-Plattentasche aller Zeiten“.

Wolfgang Ziegler hatte schon 1971 sein Single-Debüt auf AMIGA – als Schlagersänger. 1972 gründete er die Gruppe WIR. In enger Kooperation mit dem Lyriker Jens Gerlach entstanden einige der frühen Perlen des DDR-Rock (zum Beispiel „Zeit“ und „Black Power“). Direkt die erste WIR-Produktion, „Soll das alles sein“, wurde zum Hit. Sie ist hier in der Single-Fassung, die im AMIGA-Studio entstand, zu hören (als Rundfunkproduktion ist der Titel auf der LP „Rhythmus 72“ enthalten). Eine Nummer, die auch heute noch durch die gesangliche Leistung Zieglers und die groovige Rhythmusgruppe fasziniert.

Kaum eine Band hat in den 70er Jahren solch musikalische und personelle Metamorphosen durchgemacht, wie die Gruppe Lift. Aus dem Dresden-Sextett entstanden, debütierte Lift 1973 mit bläserbetonten Titeln: als Frontfrau damals noch mit Christiane Ufholz, die später in den Westen ging. Im Duett mit Stefan Trepte, der Lift von 1974 bis 1976 angehörte, entstand 1974 – bereits ohne Bläsersektion – „Komm doch einfach mit“. Ab 1976 wurde der Sound der Gruppe sanfter, die Texte lyrischer, was vor allem auf den neu eingestiegenen Texter und Sänger Henry Pacholski zurückzuführen war. „Komm heraus“ (CD3) war die Singlerückseite von „Am Abend mancher Tage“, die ersten Titel, die die Band Ende 1979 nach dem tragischen Unfalltod von Gerhard Zachar und Henry Pacholski in neuer Besetzung aufnahm. Nach der spröde-melancholischen LP „Spiegelbild“  (1981 nun mit dem bisherigen Lift-Schlagzeuger Werther Lohse als Sänger) wurde es relativ still um die Gruppe, bis sie mit der Single „Sag mir alles“ (CD3) / „Immerfort“ eine Hinwendung zu eingängigeren Titeln vollzog.

Die Modern Soul Band um Gerhard „Hugo“ Laartz war über Jahrzehnte – trotz zahlreicher Besetzungsveränderungen – eine feste Konstante in der DDR-Musikszene. Zeitweise fusionierte sie mit dem Orchester Klaus Lenz zur Modern Soul Big Band. Sänger des hier zu hörenden Titels ist Modern-Soul-Gründungsmitgllied Klaus Nowodworski, der von 1968 bis 1982 zur Band gehörte.

Ähnlich wie bei Modern Soul, lesen sich auch die wechselnden Besetzungen der von 1971 – 1975 existierenden Gruppe Panta Rhei wie ein Who Is Who der DDR-Rockprominenz: Veronika Fischer, Herbert Dreilich, Ulrich Swillms, Frank Hille, Henning Protzmann sind nur einige große Namen. „Nacht und Tag“ ist die letzte, 1974 veröffentlichte Single der Band, die vielen noch heute als die anspruchvollste DDR-(Jazz) Rockformation der frühen 70er Jahre gilt. Umso größer war bei vielen „progressiven“ Fans die Enttäuschung, als Dreilich, Swillms und Protzmann 1975 zusammen mit Hans-Joachim Neumann den Grundstock der Gruppe Karat bildeten und damit einen Stilwechsel um 180° vollzogen. „Du und Ich“, die B-Seite der ersten Karat-Single legt davon ebenso Zeugnis ab wie das Instrumental „Rockvolgel“ (CD2), 1978 als Rückseite des Mega-Hits „Über sieben Brücken“ erschienen.

1973 empörte der blutige Putsch Augusto Pinochets gegen Salvador Allende in Chile die linksstehenden politischen Kräfte in aller Welt. In der DDR entstanden aus diesem Anlaß zahlreiche Solidaritätslieder, von denen AMIGA einen Teil auf der LP „Die Rose von Chile“ zusammenfasste. „Doch das Feuer dieser Erde“ mit der Electra-Combo aus Dresden ist nur als Single erschienen. Die Gruppe um Bernd Aust war in jener Zeit von zahlreichen personellen und stilistischen Wechseln geprägt (Stefan Trepte war gerade zu Lift gewechselt). Sänger des hier zu hörenden Titels ist Electra-Schlagzeuger Peter Ludewig.

Über die Puhdys braucht man nicht mehr viele Worte zu verlieren. „Wie ein Pfeil“ ist einer der ersten Titel, die der Weimarer Arzt Burkhard Lasch für die Gruppe textete. Zu hören ist hier die beim Rundfunk der DDR produzierte Version, die 1974 als Single erschien. Wohl auf Grund ihres relativ katastrophalen Sounds produzierte AMIGA 1977 eine zweite Version, die jedoch in der DDR nie veröffentlicht worden ist – wohl aber in der Bundesrepublik. Auf dem Bandkarton ist diese Version als „Exportfassung“ gekennzeichnet.

Nach ihrem Weggang von Panta Rhei gründete Veronika Fischer 1974 ihre eigene Band, zunächst mit Franz Bartzsch als musikalischem spiritus rector, der von Lift kam. In der Zusammenarbeit Fischer / Bartzsch entstanden einige der schönsten DDR-Rocksongs der 70er Jahre. 1977 formierte Bartzsch mit Instrumentalisten der Band um Veronika Fischer seine eigene Gruppe 4 PS („Ich würde, wenn ich wüsste, dass ich könnte“ CD2). Mit völlig neuem Personal nahm Veronika Fischer 1977 daraufhin die Single „..und du siehst fort / Zigarettenblues“ (CD2) und eine LP auf, bevor sich 1979/80 mit der Langspielplatte „Goldene Brücken“ die musikalisch glanzvolle „Wiedervereinigung“ mit 4PS vollzog.

„Die Frau des Seiltänzers“ und „Der Spatz“ sind die ersten Plattenaufnahmen der City Rock Band, entstanden noch bevor Toni Krahl als Sänger zur Gruppe stieß. Für die Chronisten sei angemerkt, dass die Titel am 7. März 1975 im AMIGA Studio Brunnenstraße produziert wurden (und nicht wie die City-Biographie von Thomas Otto behauptet, beim Rundfunk der DDR). Daß diese Single überhaupt noch erschien, ist eigentlich ein Wunder: Direkt nach der Aufnahme setzte sich der damalige Sänger der Band, der Bulgare Emil Bogdanow nach Griechenland ab, um seiner Einberufung zum bulgarischen Wehrdienst zu entgehen. City fand in Toni Krahl, der von der College-Formation kam, einen mehr als ebenbürtigen Ersatz und landete 1977 den Riesenhit „Am Fenster“. Der Rest ist deutsche Rockgeschichte.“

 


Sampler, Amiga Rockraritäten CD2 1975-1979, Amiga 74321 66266 2, 1999:  Hoch war der Berg, 2:30, Norbert Jäger / Burkhard Lasch, Stern-Combo Meißen, Single B-Seite 456 138, 1975, Wie schade, 2:36, arab. Folklore / Hamburger, Yalla, Single A-Seite 456 148, 1975, Ein Wigwam steht in Babelsberg, 2:23, Ernst Lemke / Kurt Demmler, Express, Single A-Seite 456 189, 1976, Haus der Kindheit, 4:04, Christoph Theusner / Heinz Kahlau, Bayon, Single B-Seite 456 240, 1977, Der Zug oder die weiße Ziege, 4:31, Wolfram Bodag, Engerling, Single A-Seite 456 252, 1977, Da hilft kein Jammern, 3:06, Wolfram Bodag, Engerling, Single B-Seite 456 252, 1977, Der Alte, 4:55, Stern Combo Meißen / Kurt Demmler, Stern Combo Meißen, Single A-Seite 456 265, 1977, Jenny, 5:05, Stern Combo Meißen / Kurt Demmler, Stern Combo Meißen, Single B-Seite 456 265, 1977, …und du siehst fort, 4:29, Reinhard Lakomy / Kurt Demmler, Veronika Fischer & Band, Single A-Seite 456 306, 1978, Zigarettenblues, 3:15, Pittius / Stammberger / Stammberger / Gröning, Veronika Fischer & Band, Single B-Seite 456 306, 1978, Rock-Vogel, 3:14, Ed Swillms, Karat, Single B-Seite 456 316, 1978, Ich würde, wenn ich wüsste, dass ich könnte, 3:55, Franz Bartzsch / Kurt Demmler, Vier PS, Single B-Seite 456 321, 1978, Du, komm her, 4:51, Reinhard Fißler / Kurt Demmler, Stern Combo Meißen, Single B-Seite 456 331, 1978, Bye, bye Traurigkeit, 3:16, Sieghard Schubert / Ingeburg Branoner, Schubert-Formation, Single B-Seite 456 343, 1978, Charly, Gute Nacht, 3:17, Jürgen Matkowitz / Ingeburg Branoner, Prinzip, Single A-Seite 456 348, 1978, Feuer in der Nacht, 5:38, Gisbert Piatkowski / Jan Witte, Magdeburg, Single B-Seite 456 363, 1978, Knock Out, 3:07, Thomas Bürkholz / Kurt Demmler, SET, Single A-Seite 456 372, 1979, Schäfchen zählen, 3:48, Kula / Kula / dt. Demmler, Regine Dobberschütz, Single A-Seite 456 384, 1979, Wiedersehn, 3:16, Puhdys / Burkhard Lasch, Puhdys, Single B-Seite 456 391, 1979, Gartenstraße Nr.2, 3:29, Arnold Fritzsch, Kreis, Single A-Seite 456 406, 1979

Die zweite CD unserer Raritäten-Sammlung startet mit einer „Supergruppe“ des DDR-Rock, der Stern-Combo-Meißen. Sie war, bis AMIGA ihr eine erste Single gönnte, schon über zehn Jahre im Geschäft und auf den Tanzböden der Republik bestens bekannt. Ihr Plattendebüt hatten die Meißner Sterne schon 1972 auf einer „Hallo“-LP – mit dem bläserorientierten „Ein Tag in der Stadt“, gesungen von Veronika Fischer. Mitter der 70er Jahre stand bei Martin Schreier & Co einmal wieder ein stilistischer Wechsel an: die Musik wurde, wenn auch nur kurzzeitig, tanzbarer, als Gesangssolist trat Reinhard Fißler in den Vordergrund. „Hoch war der Berg“ und auch „Jenny“ von der ersten Single zählen zu den wenigen anhörbaren DDR-Produktionen im Disco-Sound, deren funkiger Rhythmus noch immer in die Beine geht. Doch schon mit „Der Alte“ deutete sich der nächste musikalische Umschwung an. Zu hören ist hier die Studio-Fassung (1977 erschien der Titel auf der ersten LP der Gruppe in einer Live-Version als „Der Alte auf der Müllkippe“). Fortan blieb die Stern-Combo bis Anfang der 80er Jahre ihrem Stil treu, der nun vom vehementen Synthesizer-Einsatz geprägt wurde. Neben großen Konzeptalben („Weißes Gold“, „Reise zum Mittelpunkt des Menschen“) entstanden aber auch weiterhin kürzere, liedhafte Einzeltitel wie das wunderschöne „Du komm her“ aus dem Jahr 1978. Ab 1983 begab sich die inzwischen in Stern Meißen umgetaufte Band mit ihrem neuen Sänger Ralf „IC“ Schmidt dann wieder in populäre Gefilde – sehr zum Schrecken der angestammten Fans. Zu einem Zeitpunkt, als „Ethno“ noch ein Fremdwort war, brachten die „Bruderland“-Bands in ihren Titeln bereits jede Menge folkloristische Einflüsse aus ihrer Heimat ins Musikgeschehen der DDR ein. So verbreitete etwa die Gruppe Yalla aus dem usbekischen Taschkent orientalisches Flair in den Ost-Berliner Rundfunkstudios. Und auch aus heutiger Multikulti-Perspektive klingt ihr 75er Hit „Wie schade“ noch ganz schön exotisch.

Eine Band, die es – unverdientermaßen – bei AMIGA nie zu einer LP, dafür aber zu einer Reihe Singles brachte, war die Gruppe Express. „Ein Wigwam steht in Babelsberg“ ist ein Titel, dessen Sinn sich vermutlich nur gelernten DDR-Bürgern –und Kinogängern erschließt. Für die westdeutschen Hörer dieser Kompilation: Potsdam-Babelsberg war der Sitz der staatlichen Filmgesellschaft DEFA, die seit Mitte der 60er Jahre dem DDR-Publikum tiefe Einblicke in den Wilden Westen verschaffte, indem sie – bevorzugt mit jugoslawischen Indianern – Western produzierte. Der hier besungene Gojko Mitic war einer dieser „Gastarbeiter“ und in der DDR auch als Schlagerstar bekannt. Zur Ehrenrettung von Express sei noch gesagt, dass die Band auch richtig gute Rocktitel im Repertoire hatte. Da man sie aber bei AMIGA auf Spaß- oder Countrynummern festgelegt hatte, wurden ihr damit keine Plattenehren zuteil.

Ähnlich ignorant verhielt sich AMIGA auch bis 1977 gegenüber der Weimarer Gruppe Bayon, der wohl interessantesten Synthese zwischen Rock-, Jazz – und Ethno-Elementen, die die DDR zu bieten hatte. Nach zahlreichen Umbesetzungen musizierte das 1971 gegründete Ensemble um den Gitarristen Christoph Theusner seit Mitte der 70er Jahre in einer deutsch-kambodschanischen Besetzung. „Haus der Kindheit“ ist die Vertonung eines Textes des Lyrikers Heinz Kahlau, dessen Gedichte Bayon zwischen 1976 und 1978 häufig verwendete. Kurz nach dieser Single erschien dann auch endlich die erste Bayon-LP. Doch leider ist bis heute ein Großteil der weit über hundert Rundfunkproduktionen dieser innovativen Gruppe nicht auf Tonträgern veröffentlicht worden.

Die erste Single der Berliner Blues-Band Engerling (1975 gegründet und damals noch im Amateurstatus) erschien in einer schneeweißen Hülle, nur mit dem Namen der Gruppe versehen. Wer das quietschbunte Layout der AMIGA-Plattentaschen jener Jahre kannte, wusste: hier stimmt etwas nicht. Und in der Tat: der ursprüngliche Coverentwurf war zurückgezogen worden. Auf ihm posierte die Band vor einer steinernen Statue mit einem Füllhorn, aus dem Geld quoll. Das war den Verantwortlichen dann doch zu kapitalistisch. In einem Gespräch mit dem Musikjournalisten Jürgen Balitzki erinnerte sich Bandchef Wolfgang Bodag Jahre später an das Plattendebut von Engerling und entschlüsselte das Motiv der „weißen Ziege“: „Das war mein schneeweißes Fahrrad, eben die weiße Ziege. Mein Mädel entschied sich seinerzeit für den Lokomotivführer, von dem im Text die Rede ist. So ergab sich auch die Verbindung zum traditionellen Blues, indem Züge ja eine sehr große Rolle spielen, Abfahrt, Abbruch, Aufbruch zu Neuem“. Engerling entwickelte sich zur innovativsten Blues-Band der DDR, woran die manchmal surrealen Texte Bodags einen großen Anteil hatten. Ein Beispiel: das „Nachtliedchen“ auf CD 3.

„Bye Bye Traurigkeit“ war die B-Seite der ersten Single der Schubert-Formation aus Halle (später: Schubert-Band). Sieghard Schubert hatte die Gruppe 1973 gegründet; zunächst spielte sie Jazz-Rock. Mit dem hinzukommen von Katrin Lindner (zuvor u.a. bei der College-Formation und WIR) als Gesangssolistin wurde die Musik der Schubert-Formation ab 1976 eingängiger und tanzbarer. Katrin Lindner wurde 1979 und 1980 in einer Umfrage von „Stimme der DDR“ zur besten Rock-Interpretin gewählt. Stammtexterin der Gruppe war Ingeburg Branoner. „Bye Bye Traurigkeit“ zählt zu den wenigen Produktionen der Gruppe in jener Zeit, die nicht von Katrin Lindner gesungen wurden, sondern von Christian Schmidt, der später, 1982, als Sänger bei Modern Soul einsteigen sollte.

„Charly, gute Nacht“ (ebenfalls von Ingeburg Branoner getextet) war mit seinem lockeren Disco-Sound ein eher untypisches Stück für die sonst am Hard-Rock orientierte Gruppe Prinzip des Gitarristen Jürgen Matkowitz. Am Schlagzeug bei dieser Aufnahme: Klaus Scharfschwerdt, der ein Jahr darauf zu den Puhdys wechselte. Auch Keyboarder Rainer Kirchmann verließ Prinzip wenig später und tauchte 1981 bei Pankow wieder auf.

„Feuer in der Nacht“ von der Gruppe Magdeburg (bis 1975: Klosterbrüder) war die B-Seite des elegischen „Ebbe und Flut“ und ist Hard-Rock in bester Deep Purple-Stilistik. Drei Jahre später wurde auch diese Band zur „Unperson“, deren Titel in den DDR-Medien nicht mehr auftauchten und deren Name nicht mehr erwähnt wurde: „Vorsicht Glas“ / „Hundsgemein“ war die letzte Single der Gruppe, bevor die Band einen kollektiven Ausreiseantrag stellte (den einige Mitglieder wieder zurückzogen). Auslöser war, dass Magdeburg in der Jugendfernsehsendung „Rund“ wegen der Haarlänge der Musiker (!) am Auftritt gehindert wurde. AMIGA reagierte auf die Ausreiseanträge, indem die bereits fertig gedruckten Cover für die Doppel-LP „Rock-Bilanz 1981“, auf der auch „Vorsicht Glas“ enthalten war, eingestampft wurden. Das Album erschien mit gehöriger Verspätung und ohne den vorgesehenen Magdeburg-Titel.

Die Musik zu „Knock Out“ mit der Leipziger Gruppe SET ist der offensichtlichste „Status Quo“-Abklatsch der Geschichte des DDR-Rock. SET ging aus der Bürkholz-Formation hervor, die Anfang der 70er Jahre – damals noch mit Hans-Jürgen Beyer als Sänger – als einer der heißesten Bühnenacts der DDR galt und im Juni 1973 verboten wurde, weil es bei einem Bürkholz-Konzert in Dresden zu Krawallen gekommen war. In den 80er Jahren lieferte SET die Musik zu zahlreichen DDR-Theaterinszenierungen, insbesondere für die Leipziger Bühnen. Besonders populär wurde ein von Bürkholz komponiertes Popmusical für Kinder, „Der Soldat und das Feuerzeug“, das auch auf LP erschien.

„Schäfchen zählen“ war die einzige Solo-Single von Regine Dobberschütz, die Mitte der 70er Jahre besonders als Solistin bei der Modern Soul Band von sich reden gemacht hatte. Von AMIGA wurde diese interessante Stimme sträflich vernachlässigt – und ob die zu Jazz tendierende Dobberschütz mit dem hier zu hörendem Disco-Titel besonders glücklich war, ist zu bezweifeln. Mitte der 80er Jahre verließ Regine Dobberschütz die DDR.

1973 gründete Arnold Fritzsch mit Kommilitonen der Berliner Hochschule für Musik die Gruppe Kreis. Mitte der 70er Jahre avancierte Kreis mit Titeln wie „Doch ich wollte es wissen“ zum Hauptexponenten des DDR-Discosounds, was der Band nicht gerade den besten Ruf unter Rockfans einbrachte. Bei den späteren Aufnahmen ist deutlich zu spüren, dass der talentierte Arrangeur Fritzsch mit allen Mitteln (dazu gehörten auch mehrere Umformierungen der Besetzung) versuchte, dieses Image loszuwerden. Das DDR-Publikum hatte kaum Gelegenheit, diesen Wandel auf Schallplatte nachzuvollziehen: 1980 produzierte Kreis zwar beim Rundfunk der DDR eine ganze LP, aber diese erschien nur in der Bundesrepublik. „Gartenstraße Nr.2“ war die letzte Kreis-Single auf AMIGA; 1982 löste sich die Gruppe auf.         


Sampler, Amiga Rockraritäten CD3 1980-1986, Amiga 74321 66267 2, 1999: Komm heraus, 2:41, Wolfgang Scheffler / Krause, Lift, Single B-Seite 456 440, 1980, Nachtliedchen, 5:11, Wolfram Bodag, Engerling, Single B-Seite 456 455, 1980, Blue Jeans, 4:07, Thomas Fritzsching / Kurt Demmler, Familie Silly, Single A-Seite 456 461, 1980, Pack deine Sachen, 4:15, Mathias Schramm / Tamara Danz, Familie Silly, Single B-Seite 456 461, 1980, Hundsgemein, 4:30, Dietrich Kessler / Jan Witte, Magdeburg, Single A-Seite 456 469, 1981, Vorsicht, Glas!, 4:10, Dietrich Kessler / Jan Witte, Magdeburg, Single B-Seite 456 469, 1981, Sonnenmeer, 3:55, Holger Biege, Holger Biege, Single A-Seite 456 494, 1982, Der Tag fängt an, 2:05, Holger Biege / Fred Gertz, Holger Biege, Single B-Seite 456 494, 1982, Touristen, 2:45, Hans Joachim Neumann, Neumis Rock Circus, Single A-Seite 456 511, 1983, Die neue Lehrerin, 2:10, Rockhaus / Mike Kilian, Rockhaus, Single B-Seite 456 530, 1983, Schwarze Flocken, 5:21, Fehse / Din, Ute Freudenberg & Elefant, Single A-Seite 456 544, 1984, Karawane, 6:05, Georgi Gogow, Gisbert Piatkowski / Werner Karma, Enno, Single B-Seite 456 555, 1984, Drachensegler, 3:34, Dialog, Dialog, Single B-Seite 456 558, 1984, Der Straßenkehrer, 3:14, Scheselong, Scheselong, Single B-Seite 456 558, 1984, Sag mir alles, 3:37, Michael Heubach, Lift, Single A-Seite 456 572, 1984, Er will anders sein, 4:51, Jürgen Ehle / Galenzat, Pankow, Single A-Seite 456 574, 1985, Wetten, du willst, 3:57, Jürgen Ehle, Pankow, Single B-Seite 456 572, 1985, Mein Mut, 4:23, Böhme, Drechsler / Eisbrenner, Jessica, Single A-Seite 456 588, 1986, Der Halleysche Komet, 3:54, Michaelis / Orgs, Karussell, Single A-Seite 456 596, 1986

„Blue Jeans“ / „Pack deine Sachen“ war die erste AMIGA-Single einer bis dato in der DDR relativ unbekannten Band. Obwohl schon 1978 gegründet, wusste bis 1981 kaum jemand im Lande etwas über Familie Silly mit ihrer Frontfrau Tamara Danz. Denn: die Gruppe hatte sich seit ihrer Gründung vor allem an der rumänischen Schwarzmeerküste buchstäblich „den Arsch abgespielt“. Dort wurde auch der Manager einer westlichen Plattenfirma auf sie aufmerksam. Resultat: Familie Silly produzierte 1980 beim DDR-Rundfunk eine ganze LP – für die Veröffentlichung in der Bundesrepublik. AMIGA bequemte sich lediglich zu einer Übernahme einzelner Titel auf einen „Kleeblatt“-Sampler und zur hier zu hörenden Single – bis Familie Silly in der CSSR beim Schlagerfestival „Bratislavska Lyra“ 1981 mit „Gut Nacht, Amigo“ den Sieg davon trug. Nun erschien die LP „Tanzt keiner Boogie“ auch in der DDR. Was darauf zu hören ist, hat – abgesehen von der expressiven Stimme der Solistin – wenig mit der späteren Gruppe Silly zu tun, weder musikalisch, noch textlich. Tamara Danz äußerte sich später einmal zu den frühen Produktionen, deren Texte häufig von Kurt Demmler stammten: „Der hatte so seine Vorstellungen von mir. Ich war eine Art Emanze, die nicht der verlorenen Liebe nachheult, sondern das Zepter selbst in die Hand nimmt. Das war mir zu wenig….“Pack deine Sachen“ von mir war leider auch nicht anders.“ Erst durch die 1981 begonnene Zusammenarbeit mit dem Texter Werner Karma und dem Hinzukommen von Keyboarder Rüdiger Barton wurde Silly zu einer der spannendsten DDR-Bands der 80er Jahre – zumal ihnen mit dem AMIGA-Tonregisseur Helmar Federowski bei Plattenproduktionen fortan ein kongenialer Partner zur Seite stand, der auf die Arrangements der Aufnahmen wesentlichen Einfluß hatte. „Mont Klamott“ zeigte 1983 die neuen Silly – und wurde verdientermaßen zur LP des Jahres gekührt.

Holger Biege verließ 1982 die DDR, kurz nachdem AMIGA die Single „Sonnenmeer“ / „Der Tag fängt an“ veröffentlicht hatte, eine Vorauskopplung aus einem immer wieder angekündigten aber nie beendeten Kozept-Album mit dem Arbeitstitel „Planetarium“. Weder Bieges Ausflüge die Zwölf-Ton-Musik noch der verquast-esoterische Text der Single A-Seite ließen bei den Verantwortlichen Hoffnung auf einen kommerziellen Erfolg des geplanten Albums aufkeimen. Daß zwischen Aufnahme und Veröffentlichung der Singletitel mehr als ein halbes Jahr Abstand lagen, ist selbst für AMIGA-Verhältnisse ungewöhnlich und deutet auf die Unsicherheiten hin, die das letztlich abgebrochene Projekt begleiteten.

Auch Ex-Karat-Sänger Hans-Joachim Neumann kehrte der DDR den Rücken, nachdem man Neumis Rock Circus Auftritte im Westen verweigert hatte. „Touristen“, die vorletzte Single, zeigt Neumis Stärken noch einmal deutlich: Vom New Wave durchdrungener Rock mit satirisch-bissigen Texten. Musikalisch dem „Rock Circus“ manchmal ähnelnd, textlich unbekümmert bis zur Albernheit – so waren die frühen Titel von Rockhaus. „Die neue Lehrerin“ gehört zu den ersten Rundfunkproduktionen der Band, auf die Pankow-Gitarrist Jürgen Ehle die Produzentin Luise Mirsch aufmerksam gemacht hatte. Sie genoß beim Rundfunk den Ruf der Talente-Entdeckerin schlechthin. Bald war Rockhaus mit Sänger Mike Kilian so populär, dass Stern Meißen versuchte, Kilian abzuwerben – erfolglos (statt seiner holten die Meißner Sterne sich schließlich Ralf „IC“ Schmidt in ihre Band).

Und schon wieder eine „Abschiedssingle“, die zugleich selbst Anlaß des Abschieds ihrer Interpretin war: „Schwarze Flocken“ mit Ute Freudenberg. Seit „Drei Mädchen und eine Band“ 1976 war die Sängerin gemeinsam mit der Weimarer Gruppe Elefant eine feste Größe der DDR-Szene, erst recht nach ihrem Riesenhit „Jugendliebe“ anno 1980, der bis heute der meistgespielte DDR-Titel aus dem Rock/Popbereich überhaupt ist. „Schwarze Flocken“ jedoch erhielt im Rundfunk der DDR Sendesperre, weil man in den Text eine kritische Auseinandersetzung mit Umweltproblemen hineininterpretierte. Daß AMIGA trotzdem an diesem Titel festhielt, ist dadurch erklärbar, dass es in der DDR eine zentrale Zensurbehörde nicht gab. Der Rundfunk und die Schallplatte waren unterschiedlichen DDR-Ministerien (Innen- bzw. Kulturministerium) untergeordnet, und diese waren sich in der Be- und Verurteilung bestimmter Lieder nicht immer einig, ebenso wenig wie ihre Lektorate. Für Ute Freudenberg war dieser Vorfall jedenfalls der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Sie verließ das Land.

Bei Enno (zunächst nach dem Berliner Bezirk Prenzlauer Berg NO 55 benannt)fanden sich 1981 versprengte Musiker verschiedenster DDR-Bands zusammen. Georgi Gogow und Gisbert Piatkowski kamen von City, Frank Gahler von der Bluesband Monokel, der erste NO 55-Schlagzeuger Peter Krause hatte zuvor bei der Hansi Biebl-Band bzw. der Gruppe Keks getrommelt. Den ersten Auftritt hatte die Band unmittelbar nach ihrer Formierung bei „Rock für den Frieden“ 1982 im Palast der Republik, eine Zitterpartie für alle Beteiligten – mit gutem Ausgang. Die gemeinsame DDR-Tournee mit Tom Robinson machte NO 55 1983 dann endgültig landauf, landab populär. „Karawane „ ist die Rückseite der zweiten und letzten Enno-Single – mit einem vielschichtigen Text von Werner Karma, der einen großen Interpretationsspielraum offen lässt…

Dialog aus dem sächsischen Crimmitschau hatte 1980 den Interpretenpreis des Jugendmagazins „neues leben“ in der Amateursparte erhalten und räumte – seit 1981 Berufsformation – mit Diskotheken-kompatiblem Geradeaus-Rock kräftig ab. Daß Dialog auch leise Töne beherrschte, belegt der Instrumentaltitel „Drachensegler“ (Rückseite von „Doch der Falke fliegt“, 1984). Im Sound erinnert er sehr an Aufnahmen der Gruppe Kleeblatt, die es bei AMIGA jedoch 1981 leider nur zu zwei Sampler-Titeln und nie zu einer Single brachte. Scheselong kam aus Magdeburg und wurde 1981 als Amateurband gegründet. Mit ihrer kabarettistischen Bühnenshow wurde die Band um Sänger Klaus Schaefer schnell ein Geheimtipp. Und auch textlich gab es einiges zu entdecken: Daß der „Straßenkehrer“, die B-Seite der ersten und einzigen Scheselong-Single (1987 erschien auch eine LP der Gruppe) den Weg durchs AMIGA-Lektorat schaffte, ist auch aus heutiger Sicht verwunderlich.

Nach dem Weggang von Veronika Fischer aus der DDR formierte sich aus Musikern ihrer Begleitband (und der späteren Gruppe – ostbeat) 4 PS, Rainer Kirchmann (ex-Prinzip) sowie dem von der Gaukler Rock Band kommenden Andre Herzberg die Gruppe Pankow. 1983 definierte die Band ihre Konzeption so: „Konsequenter Realitätsbezug gemischt mit Komik und Selbstironie, soll unser Publikum unterhalten, provozieren und zum gesellschaftlichen und persönlichen Engagement auffordern.“. Während solche Worte bei anderen Bands Lippenbekenntnisse blieben, wurden sie bei Pankow in die Tat umgesetzt, was dazu führte, dass die Band sich im Dauerclinch mit der Kulturbürokratie befand. Pankows erstes Rock-Spektakel um den Lehrling „Paule Panke“, wurde, obwohl auf den Bühnen des Landes bereits 1981 umjubelt, erst 1989 bei AMIGA veröffentlicht. Die erste LP erschien 1983 in einer anspruchslosen Hülle, weil die Band mit ihrem „punkigen“ Coverentwurf bei der Plattenfirma gescheitert war („Beggars Banquet“ lässt grüßen). Pankow brachte mit seinem Wave-beeinflußten Rhythm & Blues und ebenso geradlinigen Texten frischen Wind in eine Szene, die Anfang der 80er Jahre noch immer von „Art-Rock“ und sterbenden Schwänen dominiert war. Auch die 85er Single spricht die Pankow-typische deutliche Sprache. Zu hören sind hier die Rundfunkproduktionen von „Er will anders sein“ und „Wetten, du willst“, die später mit verändertem Arrangement und als AMIGA-Produktionen auf der dritten LP der Band „Keine Stars“ wieder auftauchten.

Eine Neuentdeckung Mitte der 80er Jahre waren Jessica um den Sänger Tino Eisbrenner. Pikanterweise wurden nicht etwa DDR-Talentescouts auf die im „Police“-Stil musizierende junge Band aufmerksam, sondern ein Team des britischen Fernsehens, das in Ost-Berlin auf der Suche nach einer interessanten DDR-Gruppe war. Mit „Ich beobachte dich“, dass in gefährlicher Plagiatsnähe zu „Every Breath You Take“ rangiert, gelang Jessica der Durchbruch im eigenen Land. Der hier zu hörende Titel „Mein Mut“ ist die A-Seite der einzigen Jessica-Single, die im Umfeld der Sessions zur ersten LP entstand.

Nach der reichlich unentschlossen wirkenden LP „Was kann ich tun“ (1984) vollzog sich bei der Gruppe Karussell aus Leipzig eine personelle Frischzellenkur, die (besonders durch den Einstieg von Dirk Michaelis als Sänger und Komponist) der Band neue Impulse brachte. Der „Halleysche Komet“ war das erste auf AMIGA veröffentlichte Resultat  dieser Erneuerung, dem 1987 das textlich wie musikalisch überzeugende Album „Cafe anonym“ folgte.

Unsere Kompilation der Single-Raritäten endet 1986. Danach spielte die Single im DDR-Rock-Repertoire keine nennenswerte Rolle mehr. Neue Interpreten wurden entweder per „Quartett“-Platte (auf gut englisch: EP) oder auf der LP-Reihe „Kleeblatt“ vorgestellt, die immer mehrere Titel von drei bis vier Interpreten des gleichen Genres zusammenfasste. Auch da gibt es noch manche Schätze zu heben, zum Beispiel die Aufnahmen der Skeptiker, von Juckreiz oder das Frühwerk von Amor & die Kids. Warten wir’s ab…“           


BIG BEAT ist die Mutter der Amiga Beat-Sampler, sind es doch die ersten LP mit sogenannter Jugendtanzmusik, die bei Amiga produziert wurden. Dem folgten wenig später die erste Beatles-LP und eine Bob Dylan-LP. Wenn man die Geschichte der DDR-Rockmusik verfolgt, schon fast eine Revolution - dann war jedoch für viele Jahre "Ruhe". Inzwischen sind die BIG BEAT-LP begehrte Sammler-Objekte und bringen in gutem Zustand schon dreistellige Euro-Werte. Alternativ sind beide Platten inzwischen zum zweiten Mal auf CD erschienen.

Big Beat & Big Beat (2), BMG / Amiga 74321 335 822, 1996:  In The Mood, 2:00, Garland, Franke-Echo-Quintett, Etage 8, 2:25, Siebholz, Die Sputniks, Sputniks-Thema, 1:55, Dörung, Die Sputniks, Melodie für Barbara, 2:40, Nehls, Franke-Echo-Quintett, Twist auf Saiten, 2:20, Kefurth, Miroslav Kefurth und Rhythmusgruppe, Round About Midnight, 3:40, Monk / Williams, Franke-Echo-Quintett, Ungarisches Hirtenlied, 2:00, Trad., Franke-Echo-Quintett, Show-Beat, 1:34, Franke, Franke-Echo-Quintett, Storm, 2:34, Trad., Die Sputniks, Gitarren-Twist, 2:20, Döring, Die Sputniks, Peter Gun, 2:35, Mancini, Franke-Echo-Quintett, La Conga, 2:00, Costanzo, Heinz Kuhnert-Quartett, Brasiliana, 2:20, Franke, Franke-Echo-Quintett, Spanischer Zigeunertanz, 1:50, Marquina, Die Sputniks, Hava Nagila, 2:05, Trad., Franke-Echo-Quintett, Nevada, 2:50, Schumann, Theo Schumann-Combo, Scharfe Sache, 2:20, Schumann, Theo Schumann-Combo, Exodus, 3:18, Tiomkin, Olympic Big Beat, Prag, Quartermaster Stores, 2:38, Trad., Die Butlers, Eskimo, 2:30, Reinhardt, Franke-Echo-Quintett, Beim Hully-Gully bin ich König, 2:30, Kneifel, Die Sputniks, Troika, 1:52, Richter, Die Butlers, Yakety Sax, 1:45, Randolph / Rich, Olympic Big Beat, Prag, Tromsoe, 2:45, Schumann, Theo Schumann-Combo, Peter's Twist, 2:00, Nehls, Franke-Echo-Quintett, Herbstlaub, 1:59, Reiher, Die Butlers, Für so viel Liebe, 1:36, Mai, Die Sputniks, Wikinger-Twist, 2:50, Schumann, Theo Schumann-Combo, Seeschloß, 2:17, Franke, Franke-Echo-Quintett, Butlers Boogie, 2:11, Richter, Die Butlers


Big Beat Vol.1, BuschFunk, BF 05672, 2005: In The Mood, 2:00, Garland, Franke-Echo-Quintett, Etage 8, 2:25, Siebholz, Die Sputniks, Sputniks-Thema, 1:55, Dörung, Die Sputniks, Melodie für Barbara, 2:40, Nehls, Franke-Echo-Quintett, Twist auf Saiten, 2:20, Kefurth, Miroslav Kefurth und Rhythmusgruppe, Round About Midnight, 3:40, Monk / Williams, Franke-Echo-Quintett, Ungarisches Hirtenlied, 2:00, Trad., Franke-Echo-Quintett, Show-Beat, 1:34, Franke, Franke-Echo-Quintett, Storm, 2:34, Trad., Die Sputniks, Gitarren-Twist, 2:20, Döring, Die Sputniks, Peter Gun, 2:35, Mancini, Franke-Echo-Quintett, La Conga, 2:00, Costanzo, Heinz Kuhnert-Quartett, Brasiliana, 2:20, Franke, Franke-Echo-Quintett, Spanischer Zigeunertanz, 1:50, Marquina, Die Sputniks, plus Bonus: Luchs, 2:36, Schumann, Theo Schumann-Combo, Martins Orion, 2:40, Möhle, Tanzorchester des Berliner Rundfunks, Hully-Gully, 2:02, Ruzek, Olympic Big Beat, Prag, Twist für Geigen, 2:19, Kneifel, Orchester Günter Gollasch, Radebeul-West, 2:31, Gutsche, Theo Schumann-Combo


Big Beat Vol.2, BuschFunk BF 05682, 2005: Hava Nagila, 2:05, Trad., Franke-Echo-Quintett, Nevada, 2:50, Schumann, Theo Schumann-Combo, Scharfe Sache, 2:20, Schumann, Theo Schumann-Combo, Exodus, 3:18, Tiomkin, Olympic Big Beat, Prag, Quartermaster Stores, 2:38, Trad., Die Butlers, Eskimo, 2:30, Reinhardt, Franke-Echo-Quintett, Beim Hully-Gully bin ich König, 2:30, Kneifel, Die Sputniks, Troika, 1:52, Richter, Die Butlers, Yakety Sax, 1:45, Randolph / Rich, Olympic Big Beat, Prag, Tromsoe, 2:45, Schumann, Theo Schumann-Combo, Peter's Twist, 2:00, Nehls, Franke-Echo-Quintett, Herbstlaub, 1:59, Reiher, Die Butlers, Für so viel Liebe, 1:36, Mai, Die Sputniks, Wikinger-Twist, 2:50, Schumann, Theo Schumann-Combo, Seeschloß, 2:17, Franke, Franke-Echo-Quintett, Butlers Boogie, 2:11, Richter, Die Butlers, plus Bonus: Säbeltanz, 2:33, Chatschaturjan, Theo Schumann-Combo, Palmen am Meer, 2:12, Sihanouk, Rundfunk-Tanzorchester Leipzig, Honigmond, 2:57, Lakomy, Die Alexanders, Elektron, 1:53, Pieper, Tanzorchester des Berliner Rundfunks, Espresso, 2:48, Emich, Die Berolinas  


Hier war ich Kind 18 Hit Raritäten, Limitierte Edition, Amiga 74321 288082, 1996: Hier war ich Kind, 3:00, Gabor Novai / Tibor Miklos / dt: Gisela Steineckert, General, Deine Schritte sind so klein, 2:55, Thomas Natschinski / Hartmut König, Brot & Salz, Cäsar’s Blues, 3:45, Peter Gläser / Gerulf Pannach, Renft, Lied einer alten Stadt, 3:55, Weigert / Burkhard Lasch, Klosterbrüder, Urgroßvater sagte, 3:30, Karoly Frenreisz / Gabor Antal Szücz / dt: Ingeburg Branoner, Skorpio, Überall bist du, 3:30, Holten / Bohlke, Peter Holten-Septett, Hast du vielleicht geweint, 3:25, Horst Krüger / Dieter Schneider, Horst Krüger-Septett, Ein Mädchen wie du, 3:53, Egon Linde / Siegfried Scholz, Transit, Heute wie gestern, 2:20, Uve Schikora / Ingeburg Branoner, Uve Schikora-Combo, Maja, 3:14, Thomas Natschinski / Hartmut König, Thomas Natschinski & Gruppe, Es brennen Berge und Wälder, 3:45, Seweryn Krajewski / Ingeburg Branoner, Rote Gitarren, Tochter Courage, 4:30, Michael Heubach / Burkhardt, Lift, Träumerei, 3:27, Lucie / Sell, Lucie, Steig ein, 3:33, Peter Gläser / Roesler, Cäsars Rockband, Die Boote der Jugend, 2:51, Dieter Birr, Peter Meyer / Dieter Birr, Puhdys, Wichtig sind Tage, die unbekannt sind, 3:45, Jan Kanty Pawluskiewicz / Kurt Demmler, Anawa, Stell dich mitten in den Regen, 5:10, Christoph Theusner / Wolfgang Borchert, Bayon, Aus und vorbei, 4:40, Henning Protzmann / Jens Gerlach, Panta Rhei


Best Of Hallo! (1), Unionton, ut 8045-2, 2001: Es brennen Berge und Wälder, 3:49, Seweryn Krajewski / Ingeburg Branoner, Rote Gitarren, Original auf LP „Hallo Nr.1“ Amiga 855 331, 1972, Ich steh allein in dieser Stadt, 2:42, Heinz Jürgen Gottschalk, Die Nautiks, Original auf LP „Hallo Nr.1“ Amiga 855 331, 1972, Türen öffnen sich zur Stadt, 5:15, Dieter Birr / Wolfgang Tilgner, Puhdys, Original auf LP „Hallo Nr.3“ Amiga 855 333, 1972, Sagen meine Tanten, 3:42, Volker Thiele / Regina Scheer, Scirocco, Original auf LP „Hallo Nr.3“ Amiga 855 333, 1972, Wer die Rose ehrt, 3:11, Peter Gläser / Kurt Demmler, Klaus-Renft-Combo, Original auf LP „Hallo Nr.3“ Amiga 855 333, 1972, Stapellauf, 4:19, Norbert Schmidt / Bernd Maywald, Joco-Dev-Sextett, Original auf LP „Hallo Nr.3“ Amiga 855 333, 1972, Du bist eine Blume, 4:46, Heinz Jürgen Gottschalk / Carola Gottschalk, TBA-Combo, Original auf LP „Hallo Nr.3“ Amiga 855 333, 1972, Baggerführer Willi, 1:47, Peter Gläser / Peter Kschentz, Klaus Renft-Combo, Original auf LP „Hallo Nr.4“ Amiga 855 334, 1972, Wichtig sind Tage, die unbekannt sind, 3:48, Jan Kanty Pawluskiewicz / Kurt Demmler, Anawa, Original auf LP „Hallo Nr.4“ Amiga 855 334, 1972, Steige nicht auf einen Baum, 5:07,  Dieter Birr / Wolfgang Tilgner, Puhdys, Original auf LP „Hallo Nr.4“ Amiga 855 334, 1972, Heuernte (Na sianie), 2:57, Katarzyna Gärtner / Kurt Demmler, Gruppe 2+1, Original auf LP „Hallo Nr.5“ Amiga 855 335, 1972, Über Feuer, 6:46, Bernd Aust / Heinz Kahlau, Electra-Combo, Original auf LP „Hallo Nr.5“ Amiga 855 335, 1972, Tuyet, 5:18, Herbert Dreilich, Panta Rhei, Original auf LP „Hallo Nr.5“ Amiga 855 335, 1972, Traudl, 3:13, Georgi Gogow / Harry Balkow-Gölitzer, City, nicht auf “Hallo” erschienen, Original auf Single 456 302, 1977 (!), He, Mann, 4:05, Gerhard Laartz / Jochen Kramer, Modern Soul Band, Original auf LP “Hallo 76”, Amiga 855 468, 1976, Lautensuite, 3:25, Johann Sebastian Bach, Bayon, nicht auf “Hallo” erschienen, Original auf Single 456 240, 1976, Die Tagesreise, 7:21, Michael Heubach / Jo Schaffer, Horst Krüger-Band, Original auf LP “Hallo 1’74”, Amiga 855 343, 1974 


Best Of Hallo! (2), Unionton, ut 8046-2, 2001:  Cäsar’s Blues, 5:27, Peter Gläser / Gerulf Pannach, Klaus Renft-Combo, Original auf LP „Hallo Nr.4“ Amiga 855 334, 1972, Was denn, 2:52, Michael Heubach / Kurt Demmler, Nina Hagen & Automobil, Original auf LP „Hallo Nr.1’75”, Amiga 855 346, 1974, Sieben Meter Seidenband, 3:24, Jürgen Matkowitz / Kurt Demmler, Prinzip, Original auf LP „Hallo Nr.2’75”, Amiga 855 344, 1975, Ich fahr an die Küste, 3:11, Egon Linde / Siegfried Scholz, Transit, Original auf LP “Hallo 76”, Amiga 855 468, 1976, Wie schön, 4:04, Jochen Gleichmann / Ingeburg Branoner, Modern Soul Septett, Original auf LP „Hallo Nr.4“ Amiga 855 334, 1972, Geburtstag im Internat, 3:57, Jürgen Kerth, Jürgen Kerth, Original auf LP “Hallo Nr.5”, Amiga 855 335, 1972, Eisen, 2:12, Lutz Heinrich / Werner Plath, SET, Original auf LP „Hallo Nr.1’75”, Amiga 855 346, 1974, Sei kein Vulkan, 4:17, Michael Heubach / Gerulf Pannach, Bürkholz-Formation, Original auf LP „Hallo Nr.10”, Amiga 855 340, 1973, Wind trägt alle Worte fort, 4:35, Franz Bartzsch / Kurt Demmler, LIFT, Original auf LP “Hallo 1’74”, Amiga 855 343, 1974, Die Lerche, 2:44, Trad. / Roland Wölfel, Bayon, Original auf LP “Hallo 8”, Amiga 855 338, 1973, Mein Dorf, 2:56, Ulrich Pexa / Thomas R. Gerlach, Karat, Original auf LP “Hallo 76”, Amiga 855 468, 1976, Der Spatz, 2:50, Georgi Gogow / Emil Bogdanow, City Rock Band, Original auf LP „Hallo Nr.2’75”, Amiga 855 344, 1975, Finde den Weg durch’s Feuer, 4:13, Dieter Birr / Wolfgang Tilgner, Puhdys, Original auf LP “Hallo Nr.6”, Amiga 855 336, 1972, Weiter, weiter, 2:38, Peter Ludewig, Peter Sandkaulen / Ingeburg Branoner, Electra, nicht auf “Hallo” erschienen, Original auf Single 456 041, 1974, Wind komm, bring den Regen her (Add mar uran az esöt), 2:52, Tibor Koncz / Ivan Szenes / dt: Fred Gertz, Kati Kovacs & Juventus, nicht auf “Hallo” erschienen, Original auf LP “20 x Beat”, Amiga 855 399, 1975, Kleine Eisenbahnballade (Ballada Wagonowa), 3:10, Andrzej Zielinski / Agnieska Osiecka / dt: Kurt Demmler, Maryla Rodowicz, Original auf LP “Hallo 9”, Amiga 855 339, 1973, Live aus dem Kulturhaus des Chemiekombinates “Otto Grotewohl” Böhlen, 25.01. 1973, Ein Tag in der Stadt, 4:33, Norbert Jäger, Veronika Fischer & Stern Combo Meißen, Original auf LP “Hallo Nr.5”, Amiga 855 335, 1972, Finis, 3:42, Henning Protzmann / Jens Gerlach, Panta Rhei, nicht auf “Hallo” erschienen, Original auf LP „Panta Rhei“, Amiga 855 318, 1973               


L’Amigamore-Tanzmusik aus der DDR von 1963-1970, L’Age D’Or Musik GmbH, LADO 17034-2, 1995: Sputnik-Thema, 1:47, Döring, Die Sputniks, Original auf LP „BIG BEAT“, Amiga 850 039, 1964, Aladin, 2:14, Theo Schumann, Theo Schumann-Combo, Original auf LP „Theo Schumann Combo“, Amiga 855 200, 1969, Martins Orion, 2:40, Martin Möhle, Tanzorchester des Berliner Rundfunks, Original auf Single, Amiga 450 432, 1964, Etage 8, 2:25, Gerhard Siebholz, Die Sputniks, Original auf LP „BIG BEAT“, Amiga 850 039, 1964, Blues auf Rädern, 2:42, Schulze, Gerhard Stein-Combo, Original auf Single, Amiga 450 640, 1967, Luchs, 2:35, Theo Schumann, Theo Schumann-Combo, Original auf LP „Theo Schumann-Combo – Für junge Leute“, Amiga 855 222, 1970, El Mozambique, 2:02, Izquirdo, Orchester Gerhard Kneifel, Original auf Single, Amiga 450 554, 1966, Party-Zeit, 2:43, Naue, Studio-Sextett Erfurt, Original auf LP „Das zündet – Tanzmusik für junge Leute“, Amiga 855 133, 1969, Säbeltanz, 2:32, Chatschaturjan, Theo Schumann-Combo, Original auf Single, Amiga 450 739, 1969, Palmen am Meer, 2:11, Sihanouk, Rundfunk Tanzorchester Leipzig, Original auf Single, Amiga 450 455, 1965, Honigmond, 2:56, Reinhard Lakomy, Die Alexanders, Original auf LP „Schlager im Schnee“, Amiga 855 157, 1969, Round About Midnight, 3:43, Monk / Williams, Franke-Echo-Quintett, Original auf LP „BIG BEAT“, Amiga 850 039, 1964, Hully-Gully, 2:01, Ruzek, Olympic Big-Beat, Prag, Original auf Single, Amiga 450 462, 1965, Espresso, 2:48, Bernd Emich, Die Berolinas, Original auf Single, Amiga 450 704, 1968, Radebeul-West, 2:30, Achim Gutsche, Theo Schumann-Combo, Original auf Single, Amiga 450 485, 1964, Storm, 2:35, Traditional, Die Sputniks, Original auf LP „BIG BEAT“, Amiga 850 039, 1964, Elektron, 1:53, Pieper, Tanzorchester des Berliner Rundfunks, Original auf LP „Schlager im Schnee“, Amiga 855 157, 1969, Das Jahr ist jung, 2:29, Sihanouk, Rundfunk-Tanzorchester Leipzig, Original auf Single, Amiga 450 451, 1964, Korallenriff, 2:32, Theo Schumann, Theo Schumann-Combo, Original auf LP „Das zündet – Tanzmusik für junge Leute“, Amiga 855 133, 1969, Twist für Geigen, 2:17, Gerhard Kneifel, Orchester Günter Gollasch, Original auf Single, Amiga 450 369, 1963   

„Dieser Sampler ist eine musikalische Entdeckungsreise: da ist der fein ziselierte „Orion“, ein längst in Vergessenheit geratener Modetanz der frühen 60er, Bruderbeat aus der CSSR, obskure kambodschanische Muzak, komponiert im fernen Osten von Staatschef  Prinz Norodom Sihanouk und interpretiert – im „nahen Osten“ – vom Rundfunk-Tanzorchester Leipzig. Zu hören ist Ethno-Tanzmusik („El Mozambique“), Surf-Sound von den Sputniks (Etage 8) und lasziver Jazz mit dem Franke Echo-Quintett, das seinen Namen einem selbstgebauten Band-Echogerät verdankte. Und immer wieder die Theo Schumann-Combo, eigentlich ein Jazzensemble, das 1964 auf den fahrenden Beat-Zug aufsprang und bis Anfang der 70er Jahre Instrumentals am Fließband, vornehmlich zum Einsatz in den Rundfunkprogrammen, produzierte. Der Output der Dresdener umfasst allein zwischen 1967 und 1970 ungefähr 100 Aufnahmen, teilweise mit recht merkwürdigen Titeln („Ödipus“, „Risotto“, „Öldruck“ usw.), wohl, weil die Gruppe ob ihrer Massenfabrikation irgendwann keine vernünftigen Namen mehr einfielen.

Die Theo Schumann-Combo, die noch 1965 „Satisfaction“ auf deutsch gecovert hatte, wurde in den Jahren des Beat-Verbots zum Hätschelkind der AMIGA-Redakteure, was schon ihr für damalige Verhältnisse unglaublicher Ausstoß von drei LPs zwischen 1969 und 1971 belegt. Was darauf zu hören war, kam den Vorstellungen der Partei-Sittenwächter betreffs einer „sauberen“ Tanzmusik sehr nahe – zumindest bei den eingestreuten Vokaltiteln. Die Instrumentals hingegen sind zu einem großen Teil ungebremster Beat-Jazz mit einem Groove, der noch immer elektrisiert – auch wenn Theo Schumann, der sich ab 1972 wieder verstärkt dem puren Jazz zuwandte und 1990 verstarb, in den letzten Jahren seines Lebens öfter selbstkritisch behauptete, mit dieser Art von Musik sein Talent vergeudet zu haben.

Eine Sonderrolle spielten in der DDR die staatlichen Rundfunk-Tanzorchester. Sie lieferten nicht nur musikalischen Hintergrund für zahllose Schlagersolisten, sondern mussten auch flexibel auf internationale Musiktrends reagieren. Das Tanzorchester des Berliner Rundfunks, von 1960 bis 1980 unter der Leitung des Klarinettisten Günter Gollasch, spielte im Laufe der Jahre vom Swing über Twist und Beat bis hin zum Free Jazz so ziemlich alles, was in der DDR gerade en vogue war – beziehungsweise sein durfte. Gleiches gilt für das Rundfunk-Tanzorchester Leipzig unter der Leitung von Walter Eichenberg, der – nach einem kurzen Zwischenspiel des Arrangeurs Gerhard Kneifel – den in den Westen übergesiedelten Kurt Henkels beerbte.

Auf dieser CD sind auch einige Gruppen zu hören, die selbst in der ehemaligen DDR nur noch musikalischen Insidern im Gedächtnis sein werden. Die Alexanders zum Beispiel: ein Vor-Vorläufer der Kunstgewerbe-Rockband Karat (das wiederum finde ich sehr weit hergeholt, denn nicht alles, wo Dreilich spielte, war Karat, zumal hier auch Biebl und Lakomy zu Gange waren – ostbeat); „Honigmond“ blieb – trotz zahlreicher Rundfunkproduktionen – ihre einzige Plattenveröffentlichung. Ähnlich verhält es sich mit der Gerhard Stein-Combo und den Berolinas (Vorläufer der Alexanders. Das Foto auf der Single zeigt, so Hansi Biebl, schon die erste Alexanders-Besetzung – ostbeat), die es bei AMIGA auf jeweils eine Single brachten, bevor sie wieder in der Versenkung verschwanden. Das thüringische Studio-Sextett war 1969 an dem gescheiterten Versuch von AMIGA beteiligt, mit dem Instrumental-Sampler „Das zündet – Tanzmusik für junge Leute“ die Tradition der legendären „Big Beat“-LPs fortzusetzen – bis auf wenige Ausnahmen kam dabei jedoch hoffnungslos antiquierte Barmusik heraus….“               


Amiga A Go-Go – Deutsche Demokratische Rare Grooves, Amiga 74321 756742, 2000: Derby, 2:34, Theo Schumann, Theo Schumann-Combo, 1969, Welch ein Zufall, 3:47, Günther Fischer / Gisela Steineckert, Uschi Brüning & Günther Fischer-Quintett, 1972, Hallo Carlos, 4:00, Gerhard Laartz, Modern Soul Band, 1976, Es bleibt die Sonne, 3:23, Vlady Slezak / Wolfgang Brandenstein, Gerd-Michaelis-Chor, 1973, Glückliches Mädchen, 2:56, Klaus Richter, Klaus Lenz Sextett, 1969, Philly-Nova, 4:01, Günther Fischer, Günther Fischer-Quintett, 1979, Komm und spiel mit mir, 4:17, Günther Fischer / Clemens Kerber, Manfred Krug & Günther Fischer-Quintett, 1972, Tentakel, 3:08, Walter Kubiczeck, Orchester Walter Kubiczeck, 1979, Glaub nicht, 3:05, Uve Schikora / Ingeburg Branoner, Chris Doerk & Uve Schikora-Combo, 1974, Philodendron, 4:18, Franz Bartzsch, Veronika Fischer & Band, 1979, Sonnenbrand, 3:13, Mario Peters, Evgeni Kantschev-Quintett, 1968, Jede Blume blüht nur einmal auf, 4:05, Reinhard Lakomy / Fred Gertz, Reinhard Lakomy, 1973, Es steht ein Haus in New Orleans, 3:29, Traditional, Orchester Günter Gollasch, 1969, Don Gil, 2:19, Achim Gutsche, Theo Schumann, Theo Schumann-Combo, 1970, Hochzeitsnacht, 4:11, Günther Fischer / Gisela Steineckert, Uschi Brüning & Günther Fischer-Quintett, 1974, Premiere, 3:12, Günther Fischer, Günther Fischer-Quintett, 1979, 5 nach halb7, 4:02, Christian Höhle, Modern Soul Band, 1976, Morgen, 4:30, Günther Fischer / Clemens Kerber, Manfred Krug, 1972, Grashalme, 3:20, Ulrich Gumpert, Klaus Lenz-Sextett, 1969, Finis, 3:34, Henning Protzmann / Jens Gerlach, Panta Rhei, 1973

„Theo Schumann-Combo „Derby“ ist der beste Beweis dafür, dass sich Soul und Sozialismus nicht ausschließen müssen. Englisch war zwar als Sprache des „Klassenfeindes“ für lange Zeit tabu; das hinderte Theo und seine Mannen aber nicht daran, sich zumindest soundmäßig am Westen zu orientieren. Wie ließe sich sonst die frappierende „Ähnlichkeit“ zu King Curtis „Memphis Soul Stew“ erklären? Was niemand weiß, macht auch niemand heiß, dachte man sich wohl und so erschien die Nummer 1969 als Eigenkomposition auf der ersten von drei AMIGA-LP’s der Combo. Für „Don Gil“ verließ man sich ein Jahr später dann wieder auf die eigenen Songschreiber-Qualitäten und auf eine Menge technischer Effekte.

Uschi Brüning & Günther Fischer Quintett: Nach einigen schlagerhaften AMIGA-Singles gelang Uschi Brüning erst mit ihrem Wechsel zum Jazz der Durchbruch. Ihre Debut-LP „Uschi Brüning und das Günther Fischer Quintett (1973), heute eine heiß gesuchte Rarität, gilt als perfekte Melange aus Jazz, Rock und Soul. Wer die tighte Rhythmusarbeit  und das ausgefeilte Arrangement von „Welch ein Zufall“ hört, weiß warum. Diese Zutaten sind auch auf „Hochzeitsnacht“ zu hören. Allerdings ist der Sound hier noch um einiges slicker. Günther Fischer bedient sich Barry White-artiger Streichersätze und eines gnadenlos guten, hypnotisch rollenden Rhythmustracks a la Leroy Hudson. Die Nummer erschien 1975 übrigens nur als 7“ – ein echter DDR Rare Groove.

Modern Soul Band: Die Modern Soul Band ist die wohl schwärzeste Band der DDR. 1968 von Gerhard „Hugo“ Laartz gegründet, bedient sie das Soul-Metier im Arbeiter- und Bauernstaat lange fast exklusiv. Da die West-Originale nicht erhältlich waren, spielte man live vor allem perfekte Coverversionen von Bands wie Blood, Sweat & Tears und Santana. Auf Platte mussten es dann zwar Eigenkompositionen sein, der Einfluß lässt sich aber trotzdem nicht verleugnen, wie schon der Titel „Hallo Carlos“ beweißt. Mit soviel Funkiness konnte in der Zeit in Westdeutschland vielleicht noch Klaus Doldinger mithalten. Und selbst der hätte kaum so eine „Superfly“-Basslinie wie bei „5 nach halb 7“ gebracht. Auch Anklänge an Deodato sind unüberhörbar. Beide Instrumentals stammen übrigens von der ersten Modern Soul Band-LP, die 1977 erschien.

Gerd Michaelis-Chor: 1970 schrieb das DDR-Musikmagazin „Melodie und Rhythmus“ über die Arbeit des Gerd Michaelis Chor: „Schalldicht schließende Türen, waldweicher Fußbodenbelag, etwa 20 stark wattierte Kabinen, eine Unmenge von Mikrofonen mit und ohne Galgen, Magnettonbänder auf sombrerogroßen Metalltellern, 265 Knöpfe und Schalter am Mischpult, für den Gerd Michaelis Chor ist das einen gewohnte Umgebung“. Ungewohnt dagegen ist der Sound, der bei unserem Titel „Es bleibt die Sonne“ herauskam. Der Song stammt von der ersten und einzigen LP des Gerd Michaelis Chores (1974) und nie klangen seine Mitglieder grooviger  und besser. Neben den unzähligen Titeln, bei denen der Chor  als seichter Background für Schlagersolisten fungierte, trällerte sich die Gesangstruppe eher durch medienwirksame Polit-Hits im Les Humphries-Sound („Sing auf allen Straßen“, „Solidarität“).

Klaus Lenz: Die wechselnden Formationen um den Trompeter Klaus Lenz waren ab Mitte der 60er Jahre für ein Jahrzehnt die angesagtesten Jazz-Gruppen der DDR – und Karrieresprungbrett für zahlreiche Musiker. So fingen zum Beispiel Günther Fischer und Reinhard Lakomy bei Lenz an. Letzterer bearbeitet vor allem bei „Grashalme“ die Hammond-Orgel im besten Jimmy Smith-Stil. Der Titel erschien, wie auch „Glückliches Mädchen“ auf der LP „Klaus Lenz für Fenz“ (1969), entstanden kurz nach einer erfolgreichen Tournee mit der amerikanischen Sängerin Etta Cameron. „Grashalme“ stammt aus der Feder von Ulrich Gumpert, der später zu einem der bedeutendsten Free-Jazzer der DDR avancierte. Klaus Lenz selbst verließ 1977 das Land.

Günther Fischer: Der Saxophonist Günther Fischer gründete nach seinem Abschied von der Klaus Lenz Big Band 1967 seine eigene Formation. Die Musik für die ersten beiden Uschi Brüning-LPs und vor allem die langjährige Zusammenarbeit mit Manfred Krug machten ihn seit 1971 zum Top-Komponisten und Arrangeur der DDR. Nach Klaus Lenz’ Weggang aus der DDR besetzte Fischer unangefochten die Spitzenposition in Sachen Jazz-Rock und bestätigte sich parallel zunehmend als Komponist für Film und Fernsehen. Nach seiner ersten, noch ausgesprochen fusionartigen LP kommen „Premiere“ und „Philly-Nova“ vom Nachfolger-Album erfrischend tanzbar daher. Und ausgesprochen originell, wenn man die „Dedektiv Rockford“-Reminiszenz bei „Premiere“ hört.

Manfred Krug: „Komm und spiel mit mir“ und „Morgen“ stammen aus den Sessions zur zweiten Manfred Krug-LP „Ein Hauch von Frühling“ (1972). Dabei ist eines nicht zu überhören: Günther Fischer muß damals schwer von Marvin Gayes „What’s Going On“ beeindruckt gewesen sein. Und er hat seine Hausaufgaben gut gemacht, denn dieses quasi Ripp-Off kann sich wirklich hören lassen. Die Kombination aus Krugs einfühlsamen Gesang, Fischers melancholischem Saxophon, der schleppenden Rhythmus-Sektion und dem engelsgleichen Reinhard Lakomy-Chor ist schlicht umwerfend. Während „Komm und spiel mit mir“ offiziell veröffentlicht wurde, lag das Band von „Morgen“ 27 Jahre lang unveröffentlicht im AMIGA-Archiv. Bis es dort 1999 entdeckt wurde. Warum der Song damals nicht erschienen ist, darüber kann man nur spekulieren. Wahrscheinlich sind die Funktionäre nie über das sensationell harte Gitarren-Intro hinausgekommen. „Morgen“ feiert auf „Amiga A Go-Go“ jedenfalls seine längst überfällige Premiere.

Orchester Walter Kubiczeck: Das slicke Instrumental „Tentakel“ stammt aus der DDR-TV-Serie „Das unsichtbare Visier“. In der Hauptrolle: Armin Müller-Stahl als „sozialistischer James Bond“. Im Visier: Der Klassenfeind. Der superben Soundtrack-LP von 1979 dürften nur wenige Nachauflagen beschieden gewesen sein, da Müller-Stahl Anfang der 80er Jahre selbst in den Westen „überlief“. Der Komponist des Titels, Walter Kubiczeck, war da schon staatstreuer: Von 1958-1962 leitete er bei Radio DDR die Tanzmusikabteilung und avancierte in den 70er Jahren zum stellvertretenden Generaldirektor des „Komitees für Unterhaltungskunst“. Darüber hinaus machte er sich einen Namen als einer der besten Film- und Fernsehkomponisten der DDR.

Chris Doerk & Uve Schikora-Combo: Chris Doerk und Ehemann Frank Schöbel waren das Traumpaar der DDR-Schlagerszene schlechthin. Als „Chris & Frank“ hatten sie der DDR-Jugend den kultigen DEFA-Musikfilm „Heißer Sommer“ (1968) beschert und danach gemeinsam mehrere Bestseller-LPs eingespielt. 1974 ging die Musterehe in die Brüche. „Glaub nicht“, kurz nach der Trennung veröffentlicht, klingt wie Doerks persönliche Abrechnung mit Schöbel – und ist in jeder Hinsicht eine Rarität. Denn erstens erschien der Song nur auf dem Sampler „Rhythmus 74“. Und zweitens klang die sozialistische Sauberfrau nie wieder derart schmutzig und funky. Dafür sorgte Uve Schikora mit seiner Band. 1972 veröffentlichte er die LP „Das Gewitter“, für viele das erste Rockalbum überhaupt. Es blieb sein Einziges. 1976 setzte sich Schikora während einer Kubareise bei der Zwischenlandung in Kanada in den Westen ab. Fortan arbeitete er erfolgreich als Produzent und Autor in München, unter anderem für Howard Carpendale, Vicky Leandros und Paul Anka.

Veronika Fischer & Band: 1975 tauchte in den DDR-Plattenläden eine obskure Single auf, deren Cover lediglich der Schriftzug „Disko instrumental“ zierte. Erst wer das Label betrachtete, erfuhr die Interpreten: Veronika Fischer & Band, eigentlich für ganz andere Sounds bekannt. Nichtsdestotrotz bietet „Philodendron“ allerfeinsten Philly-Sound, nicht zuletzt dank Fischers fantastischer Band. Deren Musiker, u.a. Franz Bartzsch und Frank Hille, zählen zu den besten der DDR. Nur bei der Komposition hielt sich die Eigenleistung in Grenzen: Ähnlichkeiten zu Van McCoys No.1-Hit „The Hustle“ sind mehr als rein zufällig.

Evgeni Kantschev Qunintett: Vom Evgeni Kantschev Quintett existieren lediglich zwei Plattenaufnahmen – beide auf dem Sampler „Das zündet – Tanzmusik für junge Leute“ (1969). Der Titel verspricht nicht zuviel. Cool und relaxed gehen die vier (?) Musiker zu Werke und halten dennoch locker alle auf der Tanzfläche. Komponist Mario Peters griff später bei Günther Fischer in die Tasten. Außerdem gab hier ein junger Gitarrist namens Dieter Birr seinen Einstand im AMIGA-Studio am Reichstagsufer. Nur ein paar monate später debütierte er mit einer ganz anders gestrickten Formation: den Puhdys. Über den Bulgaren Kantschev selbst war wenig in Erfahrung zu bringen. Vermutlich gehörte er zu einem der zahlreichen Ensembles aus den „sozialistischen Bruderländern“, die seinerzeit in den Hotel-Tanzbars der DDR-Metropolen spielten.

Reinhard Lakomy: Reinhard Lakomy begann seine Karriere als Pianist bei Klaus Lenz und war anschließend Gründungsmitglied des Günther Fischer-Quartetts. 1972 machte er mit „Es war doch nicht das erste Mal“ im Schlagerbereich von sich reden. Schon ein Jahr später konnte er dann seine erste LP veröffentlichen – für die AMIGA-Planwirtschaft ein bemerkenswert kurzer Zeitraum vom ersten Hit bis zum ersten Album. „Jede Blume blüht nur einmal auf“ – gesungen vom Chor seines Ensembles – zeigt Lakomy in absoluter Topform. Psychedelischer Soul-Pop mit einem Drummer, de auch James Brown unter Vertrag genommen hätte. Ebenfalls mit von der Partie: Angelika Mann, die später eine erfolgreiche Solo-Karriere einschlug und – an der Gitarre – Hansi Biebl, der eine der interessantesten Blues-Bands der DDR gründen sollte.

Orchester Günter Gollasch: „Es steht ein Haus in New Orleans“ stammt von einer der schrägsten AMIGA-LPs der späten 60er Jahre: „Stereo par excellence“. Das Album sollte  - wie ähnliche Produkte im Westen – in erster Linie die Vorzüge der neuen Aufnahmetechnik demonstrieren. In der DDR gelang der Stereophonie – nach ersten Versuchen in den frühen 60ern – nämlich erst um 1968 der Durchbruch. Die LP mit instrumentalen Cover-Versionen sowohl internationaler wie auch von DDR-Hits ist durchgehend charmant. Wenn Amiga-Tonmeister und Komponist Gerhard Siebholz allerdings sein irres Arrangement für diesen Song auspackt, darf man etwas selten Großes erleben: Morricone trifft die Ventures mit rückwärts gespielten Gitarren! Nie wieder klang das Rundfunk-Tanzorchester Berlin unter der Leitung von Günter Gollasch derart bewusstseinserweiternd.

Panta Rhei: „Finis“ stammt von der ersten und einzigen Original-LP von Panta Rhei aus dem Jahre 1973. Obwohl die Band eher auf Jazz-Rock spezialisiert war, schüttelte sie diesen extrem tighten Groove-a-thon locker aus dem Ärmel. Ramsey Lewis lässt grüßen! „Leute, das war’s wohl“ hieß es dann auch zwei Jahre später zum Entsetzen der Fans, als sich aus den Panta Rhei-Mitgliedern die Gruppe Karat formierte. Kaum zu glauben, dass „Über sieben Brücken“ vom gleichen Sänger wie „Finis“ gesungen wird: Herbert Dreilich.“            

   


Amiga A Go-Go – Vol.2 Deutsch Demokratischer Beat, Amiga 74321 788722, 2000: Glück und Musik, Theo Schumann / Fred Kerstien, Theo Schumann-Combo, 1970, Das ist die Violonchellistin, Andrzej Zielinski / Wojciech Mlynarski / dt: Fred Gertz, Skaldowie, 1970, An einem Tag im September, Rod Argent / Conrad Bauer, Dresden-Sextett, 1969, Schön fängt jede Liebe an, Hans-Georg Schmiedecke / Dieter Lietz, Gerd Michaelis-Chor, 1969, Schade um die Illusion, Benno Penssler / Wolfgang Brandenstein, Horst Krüger-Sextett, 1968, Walk, Don’t Run, J. Smith, Die Sputniks, 1964, Ich zeig den Weg, Thomas Natschinski / Hartmut König, Team 4, 1966, Volle Pulle, K. Samuido / dt: Achim Gutsche, Theo Schumann-Combo,  1965, Solche schöne Augen, Seweryn Krajewski / Marek Dagnan / dt: Ingeburg Branoner, Rote Gitarren, 1970, Morgen, Conrad Bauer / Jens Gerlach, Manfred Ludwig-Septett, 1970, Hoffnung, Stephen Stills / dt: Herbert Dreilich, Die Alexanders, 1970, Mit dir leben, Wolfgang Ziegler / Barbara Thalheim, Baltic-Quintett, 1970, Aufstehn, Thomas Natschinski / Hartmut König, Thomas Natschinski & Gruppe, 1970, Schöne Mädchen haben Launen, Horst Krüger / Fred Gertz, Horst Krüger-Sextett, 1968, Kosmos, Hans-Dietrich Vogel / Petra Robacki, Thomas Lück, 1969, Espresso, Bernd Emich, Die Berolinas, 1968, Wenn du traurig bist, Henry Kotowski / Clemens Kerber, Manfred Krug, 1967, Morgens in der Stadt, Thomas Natschinski / Hartmut König, Thomas Natschinski & Gruppe, 1970, Hier stand die Sonne hoch, Lebente Szöreniy / dt: Gisela Steineckert, Illes, 1972, Du hast mich lieb, Andrzej Zielinski / Wojciech Mlynarski / dt: Ingeburg Branoner, Skaldowie, (I Can’t Get No) Satisfaction, Mick Jagger / Keith Richards / dt: Achim Gutsche, Theo Schumann-Combo, 1965, Launisches Mädchen, Seweryn Krajewski / Krzysztof Dzikowski / dt: Dieter Schneider, Rote Gitarren, 1970, Die Allee, Horst Krüger / Wolfgang Brandenstein, Horst Krüger-Sextett, 1972           

"1964: Die Beatlemania macht auch vor der Mauer nicht halt, und so mancher Junge Pionier tauscht seine Schalmei gegen eine elektrische Gitarre ein. Der Traum von Freiheit scheint sich zumindest musikalisch zu verwirklichen. Die Partei lässt die Zügel anfangs erstaunlich locker. Allerdings nicht sehr lange. Bereits im Spätsommer 1965 wir verstärkt gegen die Beatmusik und ihre dekadenten Nebenwirkungen wie den extremen Haarwuchs bei männlichen Anhängern vorgegangen. Im Dezember des gleichen Jahres spricht der damalige Staatsratvorsitzende Walter Ulbricht auf dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED schließlich das berühmte Machtwort: „Ich denke, liebe Genossen, mir der Monotonie des ‚Yeah Yeah Yeah’ und wie das alles heißt, sollte man doch Schluss machen.“ Und so kommt es dann auch. Die nächsten paar Jahre verbringt der DDR-Beat zwangsweise im Untergrund, bis er Anfang der 70er quasi staatlich genehmigt als DDR-Rock in Gestalt der Puhdys, der Klaus Renft-Combo, oder der electra-Combo wieder an die Oberfläche darf. Dennoch gelingt es in den Jahren bis dahin immer wieder einigen Musikern mehr oder weniger erfolgreich zu „beaten“ – sei es unter dem Deckmantel des Schlagers, des Protestsongs oder einer Ballade. Die meisten Songs dieser CD sorgen zwischen 1964 und 1972 jedenfalls für gehörig „Satisfaction“ bei der Ost-Jugend.

Die Dresdner Theo Schumann-Combo begegnet uns auf diesem Sampler gleich viermal – und erklärt „Glück und Musik“ bereits in der ersten Textzeile zum Volkseigentum. „Volle Pulle“ (Woly Bully“ von Sam The Sham) und „Satisfaction“, aufgenommen im Oktober 1965, landeten zu DDR-Zeiten im Amiga-„Giftschrank“. Eigentlich als zweite Single der Schumann-Combo geplant, befördert das 11. Plenum des ZK der SED beide Titel automatisch in die Versenkung. „Schön fängt jede Liebe an“ zeigt die Combo in ihrer Rolle als begnadete Background-Gruppe des DDR-Schalgers in diesem Fall für den Gerd Michaelis Chor.

In „sozialistischen Bruderländern“ wie Polen und Ungarn konnte sich die Beatszene im Vergleich zur DDR relativ ungehindert entwickeln. Deshalb holte man, als der DDR-Beat um 1970 aus seinem Dornröschenschlaf erwachte, gerne Bands aus diesen Ländern in die Studios von Rundfunk und Amiga. Skaldowie („Die Skalden“) kamen aus Krakau und waren neben den Roten Gitarren die bekannteste polnische Pop/Beatband jener Jahre. „Das ist die Violoncellistin“ und „Du hast mich lieb“ stammen von der ersten und einzigen deutschsprachigen Skaldowie LP (1971). Was immer die Musiker um Band-Brain Andrzej Zielinski – allesamt Absolventen des Krakauer Konservatoriums – spielten, es war stets leichtfüßig wie ausgefeilt zugleich.

Ab 1969 veranstaltete Radio DDR erste Reanimationsversuche in Sachen Beat. Rundfunkproduzentin Luise Mirsch bestieg den Ü-Wagen und begab sich in der DDR-Diaspora auf Talentsuche. Eines der ersten Resultate dieser Aktion: „An einem Tag im September“ mit dem Dresden Sextett, im Herbst 1969 im Leipziger Funkhaus produziert und hier erstmals veröffentlicht. Vermutlich um ideologische wie urheberrechtliche Komplikationen zu vermeiden, findet sich auf dem Bandkarton kein Hinweis darauf, dass es sich bei diesem Titel um eine 1:1-Umsetzung des Zombies-Hits „She’s Not There“ handelt. Das Dresden-Sextett firmierte ab 1973 als Lift, eine der wichtigsten Art-Rock-Bands der DDR.

Das Horst Krüger-Sextett ging 1968 aus dem Wolfgang Brandenstein-Ensemble hervor, das zuvor zwei Jahre mit seiner Show erfolgreich landauf landab getourt war. Brandenstein arbeitete damals als Conferencier wie Regisseur und war in dieser Zeit zugleich der wohl originellste Schlagertexter der DDR. Mit der Single „Schöne Mädchen haben Launen“ / „Schade um die Illusion“ bescherte das Sextett dem Publikum 1968 zwei erstklassige Pop-Perlen auf Vinyl. „Die Allee“ stammt von der zweiten Krüger-LP „Geh durch die Stadt“, die 1972 zum ersten Amiga-Konzeptalbum geriet. Unmittelbar nach dieser Produktion formierte Krüger sein Ensemble zur Hort Krüger-Band um und spielte mit neuer Besetzung Soul-Musik.

Die Sputniks zählen zur ersten Generation der DDR-Beatbands. Im kurzen kulturpolitischen Frühling der Jahre 1964/65 brachte es die Berliner Amateurgruppe zu zwei eigenen Amiga-Singles und etlichen Titeln auf den beiden legendären Big Beat-LP-Samplern – allesamt Instrumentals im „Twangy“-Sound der Shadows. Das hier zu hörende Vetures-Cover „Walk, Don’t Run“ wurde – wie auch die beiden Sputnik-Singles – 1964 live im Twist-Keller des Kreiskulturhauses Berlin-Treptow aufgenommen und erlebt hier seine Erstveröffentlichung. 1966 lösten sich die Sputniks im Zuge der staatlich verordneten Hetzjagd gegen „Gitarrengruppen“ auf.

Neben der Theo Schumann-Combo war die Gruppe um Thomas Natschinski (Sohn des Schlager- und Operettenkomponisten Gerd Natschinski) die einzige Band, die in der Beat-Eiszeit zwischen 1966 und 1971 regelmäßig Singles und LPs auf Amiga veröffentlichen konnten. 1964 als Schülerband unter dem Namen Team 4 gegründet, musste sich 1967 aufgrund der staatlichen Kampagne gegen Anglismen in Thomas Natschinski & Gruppe umbenennen – als Vorbedingung für die erste LP (1968). Zuvor produzierte man unter altem Namen allerdings ganze drei Singles. „Ich zeig den Weg“, die Flipside der zweiten 7“ zeigt deutlich, dass die Kulturfunktionäre auch verzerrte Gitarren durchgehen ließen, solange der Text nur schön sozialistisch war. Doch auch mit deutschem Namen und unpolitischen Taxten konnte die Band musikalisch überzeugen. „Aufstehen“ und „Morgens in der Stadt“ von der zweiten, 1970 erschienen LP strotzten nur so vor Spielfreude und Power. Leider löste sich die Gruppe ein Jahr später auf.

Die Roten Gitarren (Czerwone Gitary) aus Warschau standen neben Skaldowie ganz oben in der Gunst der polnischen Jugend, ehe beide Gruppen Mitte der 70er Jahre in seichte Popgefilde abdrifteten. „Solche schöne Augen“ wurde im Original 1969 zu einem echten Volkslied, das in Polen heute noch jedes Kind kennt. Interessant ist das Textsujet: Selbstmord war im fröhlichen DDR-Sozialismus ein tabu. Aber hier gibt es ja auch ein Happy End. Der Song wurde ebenso wie „Launisches Mädchen“ 1970 im Ost-Berliner Funkhaus Nalepastrasse produziert. Beide erschienen auf der ersten deutschsprachigen LP der Gruppe um Gitarrist und Sänger Seweryn Krajewski.

Das Manfred Ludwig-Septett aus Berlin brachte es nur zu einer einzigen Plattenveröffentlichung (stimmt so nicht ganz, Jazz mit Dorothy Ellison und dem Manfred Ludwig Sextett, Amiga 850 047, 1964 und Manfred-Ludwig-Sextett: Amiga 550 204, 1964 – ostbeat): „Morgen“ erschien 1971 auf dem Sampler „Dann bist du da“, ein Querschnitt aus den „Tag der offenen Türen“-Aktionen des Rundfunks. Die Besetzung liest sich wie ein Who Is Who des DDR-Jazz: Posaunist Conrad Bauer (hier auch als Sänger), Ernst Ludwig Petrowsky (as) und Günter Sommer (dr) sind nur drei prominente Namen, die bei dieser Aufnahme mitwirkten und belegen, wie eng damals noch die Tanzmusik- und Jazzszene der DDR verknüpft waren.

Auf die Alexanders war Amiga seinerzeit nicht besonders gut zu sprechen – vielleicht, weil sie aus den verbotenen Berolinas hervorgingen. Jedenfalls gönnte man ihnen gerade mal zwei Instrumentals auf Vinyl. Obwohl die Band in Berlin zu den bekannteren gehörte und mit Herbert Dreilich einen bemerkenswerten Vokalisten besaß, schafften es die im Rundfunk produzierten Gesangstitel der Alexanders nie auf Platte – auch nicht „Hoffnung“, eine exzellente Coverversion von Crosby Stills & Nash’s „Helplessly Hoping“.

Das Rostocker Baltic-Quintett, gegründet 1964, war eine der bekanntesten Gruppen aus dem Ostseebezirk der DDR. „Mit dir leben“ entstand ebenfalls im Rahmen der Rundfunkaktion „Tag der offenen Tür“ und war das Plattendebut von Wolfgang Ziegler, der wenig später als Sänger der Gruppe Wir zu einer der interessantesten Rockstimmen der DDR wurde. Auch die Texterin der etwas konfusen Lyrics, Barbara Thalheim, sollte ab Mitte der 70er eine große Karriere machen – als eine der bekanntesten Liedermacherinnen der DDR.

Ein Titel von großer Obskurität erschien 1969 als Amiga-Single: „Kosmos“, interpretiert von Schlagersänger Thomas Lück. Was ihn ausgerechnet im Apollo-Jahr derart abspacen ließ, steht in den Sternen – schließlich war die Landung des US-Klassenfeindes auf dem Mond eine propagandistische Niederlage für den Ostblock beim Wettlauf ins All. Oder wollte man mit dem Text darauf hinweisen, dass der Sozialismus schon längst einen Schritt weiter war?! In „Kosmos“ wird nämlich bereits im Weltraum getanzt.

Die Berolinas oder auch Berolina Singers existierten zwischen 1967 und 1968. Ganze zwei Instrumentals durfte die Gruppe produzieren, die Amiga verschämt auf den damals monatlich erscheinenden Schlager-LPs versteckte. „Espresso“ schaffte es immerhin auch auf eine Single A-Seite – mit einem Chris Doerk-Schlager auf der Flipseite. Die Berolinas, bei denen Ex-Sputnik Bernd Emich den Bass, Reinhard Lakomy die Orgel, Hansi Biebl die Gitarre und Henry Kotowski das Schlagzeug bediente, erhielten 1968 eine ungewöhnliche, aber damals nicht seltene „Auszeichnung“: Auftrittsverbot auf Lebenszeit. Der Grund: Die Band hatte es gewagt, bei einem Konzert „Jumpin’ Jack Flash“ der verfemten Rolling Stones zu spielen. Die Gruppe umging das Verbot mit einem damals üblichen Trick: Man benannte sich kurzerhand in Die Alexanders um.

„Wenn du traurig bist“ ist die sechste, 1967 erschienene Single von Manfred Krug und seine bis dato eindeutig „beatigste“. Krug, der seine Sängerkarriere 1961 begonnen hatte, arbeitete seit 1965 häufig mit den wechselnden Formationen von Klaus Lenz zusammen: mit seiner Big Band entstand unter anderem eine Live-LP. Auch auf dem hier zu hörenden Track sorgt Lenz, in diesem Fall mit seinem Sextett, für die gewohnt groovige Begleitung. Mit von der Partie sind unter anderem spätere Stars wie Reinhard Lakomy und Günther Fischer.

Illes war Anfang der 60er/Anfang der 70er neben Omega die beliebteste Band Ungarns. „Hier stand die Sonne hoch“ bescherte dem DDR-Plattenkäufer anno 1972 die erste Begegnung mit Sitar-Klängen. Als deutscher Text diente ein Gedicht der Schriftstellerin Gisela Steineckert, die ab 1984 das „Staatliche Komitee für Unterhaltungskunst“ leitete. So mancher Genosse sehnte sich angesichts soviel psychedelischer Subkultur umgehend nach.." (Urlaub?..hier hört der Covertext auf – ostbeat)    


Die DT 64-Story Vol.1 DT-Metronom - Die Hits 1972-1979, Amiga 74321 35923 2, 1997: Die Schranke, 3:29, Frank Schöbel / Wolfgang Brandenstein, Chris Doerk, 1972, Als die Sonne kam, 3:10, Agt / Schneider, Gerti Möller, 1972, Heute bin ich allein, 3:06, Reinhard Lakomy / Fred Gertz, Reinhard Lakomy, 1972, Hören und sehen, 2:41, Dieter Birr / Wolfgang Tilgner, Puhdys, 1973, Wind trägt alle Wort fort, 4:35, Franz Bartzsch / Kurt Demmler, Lift, 1973, Doch ich wollte es wissen, 4:30, Arnold Fritzsch / Fred Gertz, Kreis, 1975, Leute welch ein Tag, 2:51, Ulrich Pexa / Jens Gerlach, Karat, 1975, Himmel und Hölle, 3:30, Gerhard Laartz / Ingeburg Branoner, Modern Soul Band, 1976, Mir doch egal, 3:10, Reinhard Lakomy / Fred Gertz, Angelika Mann & Reinhard Lakomy, 1976, Gartenparty, 3:00, Wolfgang Ziegler / Wolfgang Brandenstein, WIR, 1976, Ich fahr an die Küste, 3:10, Egon Linde, Siegfried Scholz / Siegfried Scholz, Transit, 1976, Und sie ist glücklich dazu, 3:52, Jürgen Kerth, Jürgen Kerth, 1977, Hallo Erde, hier ist Alpha, 4:52, Stehr / Hesse, Berluc, 1978, Entweder oder, 6:11, Kirsten / Demmler, Karussell, 1979, Heiße Tage, 3:15, Sieghart Schubert / Ingeburg Branoner, Kathrin Lindner & Schubert Band, 1979, Solo Sunny, 3:05, Günther Fischer / Wolfgang Kohlhaase, Regine Dobberschütz, 1979


Die DT 64-Story Vol.2 Hard & Heavy, Amiga 74321 35924 2, 1997: Dynamit, 3:20, Dieter Wiesjahn / Detlef Volquardsen, Babylon, 1987, Sieben Meter Seidenband, 4:25, Jürgen Matkowitz / Kurt Demmler, Prinzip, 1978, Eddie, 3:15, Formel1 / Koch, Formel1, 1983, Nach Haus, 3:02, Fleischer, Dohanetz / Barz, Berluc, 1988, Heavy Braut, 3:17, Kotte / Schöbe, Plattform, 1987, Lied des Galgenbruders an Sophie das Henkersmädel, 3:20, Baur, Demnitz / Morgenstern, MCB, 1987, Lady Rock, 2:28, Cobra, Cobra, 1987, Teufelsbraut, 2:40, Büttner / Sorge, Feuerstein, 1988, Grab im Moor, 5:05, Biest / Klotz, Biest, 1988, Easy Rider, 3:21, Rappold / Post, Metall, 1988, Let’s Trash, 4:44, Rochus / Axt, Rochus, 1988, Asphaltlady, 3:17, Edelhäuser / Buchfeld, Hardholz, 1989, Turn Away, 3:30, Jurischt / Gnauck, Charlie, 1989, Metal Man, 3:04, Berg / Brendel, Dr. Rock, 1989, After The War, 4:53, Merlin, Merlin, 1989


Die DT 64-Story Vol.5 Deutscher Demokratischer Beat 1964-1973, Amiga 74321 64148 2, 1997:  Gitarren-Twist, 2:09, Döring, Die Sputniks, 1965, Wer war gestern bei dir, 3:15, Theo Schumann / Achim Gutsche, Theo Schumann-Combo, 1965, Mokka-Milch-Eisbar, 2:10, Thomas Natschinski / Hartmut König, Thomas Natschinski & Gruppe, 1967, Mich hat noch keiner beim Twist geküsst, 2:45, Gerhard Siebholz / Wolfgang Brandenstein,Ruth Brandin & Sputniks, 1966, Sieh mal an, 2:50, Horst Krüger / Wolfgang Brandenstein, Horst Krüger-Sextett, 1970, Sie hieß Marie, 2:44, Sonneson / Rascher, Theo Schumann-Combo, 1971, Jeder Tag ist schön, 2:30, Lasch / Lasch, Rainer Bloß-Combo, 1971, Komm gib mir deine Hand, 2:20, Lennon / Nicholas, Hellmer, Die Amigos, 1964, Party-Twist, 1:54, Kretzschmer / Schneider / Harth, Frank Schöbel, 1965, Wenn die Klingel tönt, 2:35, Thiele, Wendt / Maywald, 1973, Wenn die Schwalben wiederkehren, 3:02, Beutner / Heine, Joco-Dev-Sextett, 1971, Auf dem Abstellgleis, 3:49, Tong / Böhm, Jereschinsky, Nautiks, 1971, Magdalena, 2:54, Güntner / Brandenstein, Theo Schumann-Combo, 1971, Peters Twist, 2:05, Nehls, Franke-Echo-Quintett, 1965, Nordlicht, 2:33, Traditional, Die Sputniks, 1964, Schluß für heute, 4:30, Krüger / Brandenstein / Harth, Horst Krüger-Septett, 1970     


Die DT 64-Story Vol.11 Politrock,, Amiga 74321 46154 2, 1998:  No Bomb, 3:55, Köhler / Demmler, Berluc, 1982, Keiner will sterben, 4:00, Peter Gläser / Kurt Demmler, Karussell, 1982, Das Buch, 05:05, Dieter Birr, Peter Meyer / Dieter Birr, Puhdys, 1984, Kam ein Lied übers Meer, 3:00, Peter Ludewig, Rainer Uebel / Kurt Demmler, electra, 1976, Chilenisches Metall, 2:44, Christian Kuhnert / Kurt Demmler, Klaus Renft Combo, 1973, Sohn Santiagos, 2:13, Reinhard Lakomy / Fred Gertz, Reinhard Lakomy, 1974, Hier wie nebenan, 4:50, Herbert Dreilich, Ulrich Swillms / Fred Gertz, Panta Rhei, 1972, In meinem Land, 2:45, Weigert / Lasch, Magdeburg, 1976, Dies ist die Erde, 2:33, Ingo Koster / Fritz Jochen Kopka, Brot & Salz, 1976, Soldat vom Don, 5:20, Stefan Trepte / Burkhardt, Lift, 1975, Lied einer alten Stadt, 3:56, Weigert / Lasch, Klosterbrüder, 1975, El Salvador, 4:52, Peter Rasym / Kurt Demmler, Stern Combo Meissen, 1982, Geboren um zu leben, 4:10, Wolfgang Ziegler / Burkard Lasch, Wir, 1985, Hymne, 4:25, Kuntze / Sellin, Michael Barakowski, 1989, Ay Ay que verano, 3:20, Ulrich Swillms / Kurt Demmler, Lacasa, Karat, 1978, Nach Havanna, 3:10, Ernst Lemke, Görke / Kurt Demmler, Express, 1978


Die DT 64-Story Vol.15 Die Singles 1971-1973, Amiga 74321 46158 2, 1998:  Nachts, 5:05, Herbert Dreilich, Panta Rhei, 1972, Vo Ti Lin, 6:28, Gerhard Zachar / Schumann, Dresden-Sextett, 1971, Leben mit dir, 4:51, Seweryn Krajewski / Bernd Maywald, Rote Gitarren, 1971, Das alte Lied, 4:00, Uve Schikora / Ingeburg Branoner, Uve Schikora-Combo, 1971, Cäsars Blues (Single Version), 3:40, Peter Gläser / Gerulf Pannach, Klaus Renft-Combo, 1972, Wenn, 3:12, Heinrich / Krause, Lift, 1973, Vorn ist das Licht, 3:28, Peter Meyer / Wolfgang Tilgner, Puhdys, 1973, Segelflug, 5:22, Wolfgang Ziegler / Jens Gerlach, WIR, 1972, Gedanken an C., 2:55, Ubel / Herzog, Ekkehard Sander-Formation, 1973, Eine Kuckucksarmbanduhr, 2:00, Tamas Barta / Anna Adamis / dt: Kurt Demmler, Locomotiv GT, 1973, Sommerliebe, 2:28, Niemen / Peter Ludewig, Electra Combo, 1971, Es war doch nicht das erste Mal, 4:35, Reinhard Lakomy / Fred Gertz, Reinhard Lakomy, 1973, Stapellauf, 4:18, Norbert Schmidt / Bernd Maywald, Joco Dev-Sextett, 1971, So muß es sein, 4:57, Gerhard Laartz / Ingeburg Branoner, Modern Soul Septett, 1971, Wir gehen am Meer, 3:17, Heinz Jürgen Gottschalk / Danthendy, Nautiks, 1971, Mondschein im Haar, 4:16, Andrzej Zielinski / Osiecka / dt: Wolfgang Brandenstein, Skaldowie, 1973  


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